Europa sucht das gefährlichste Finanzprodukt

Oil sands

Die EU unterstützt einen interessanten Wettbewerb, der noch bis zum 15.02.2013 läuft. Unter der Trägerschaft von share , weed und dem Büro des deutschen Abgeordneten Sven Giegold, Mitglied der Grünen Fraktion im Europaparlament, ist die Öffentlichkeit aufgerufen, die gefährlichsten Finanzprodukte Europas zu benennen. Ziel des Wettbewerbs ist es, der Aufsichtsbehörde ESMA Beispiele von Finanzprodukten zu nenen, die dem Gemeinwohl und/oder dem individuellen Investor Schaden zufügen können.

Ausführliche Informationen zu Teilnahme und Auswahl sind hier zu finden.

Es gibt unzählige Produkte, bei denen sich die Finanzbranche nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Das reicht von den Lehman-Zertifikaten, die an unwissende Retailkunden verkauft wurden,  spanischen Hypothekarprodukten, die in der Krise zum ungerechtfertigten Rausschmiss unzähliger Hauseigentümer geführt haben, bis zu hochspezialisierten Zugangsrechten im Hochfrequenzhandel, deren Auswirkungen auf den Börsenverlauf des Gesamtmarktes noch gar nicht richtig abzuschätzen sind.

Die Vorbänker haben nun ein ganz konkretes Produkt vorgeschlagen, welches vielleicht nicht im Depot jeder Person zu finden ist, aber grundsätzlich von jeder Person bei gewisser Erfahrung selbständig erworben werden kann, da es börsennotiert ist. Das Produkt ist gerade deshalb ausgewählt worden, weil es exemplarisch zeigt, wie wenig Skrupel Banken haben, börsennotierte Titel – sei es in Form von ETFs oder Zertifikaten – gerade zu kontroversen Themen herauszugeben. Gerade der Fakt, am risikoreichen Erfolg einer umstrittenen Thematik teilhaben zu können, erscheint ethisch bedenklich.

Wir haben deshalb exemplarisch das

RBS Sands Index TR Equity Certificate (ISIN NL0000816411)

ausgewählt, weil der Erfolg des Zertifikats sich an der finanziellen Performance eines Index bemisst, der auf den Erfolg des in-situ Abbaus des Ölsands  in Nordamerika setzt. Wir halten die Partizipation an einer Spekulation auf eine Abbautechnologie, deren Gefahren für die Umwelt nicht abschätzbar sind, für unverantwortlich. Dabei geht es uns nicht nur um die Technologie an sich, sondern auch darum, dass die Ausbeutung der Oil Sands die USA und Kanada davon abhält, den langfristig erforderlichen Umstieg auf eine CO2-freie, nachhaltige Energieerzeugung zu schaffen. Auch die Oil Sands sind endlich und der Verbrauch ihrer Energie schadet dem Klima.

Hier findet sich unsere detaillierte Eingabe und hier sind die weiteren Vorschläge zu finden. Weitere Vorschläge sind bis zum 15.02.2013 möglich. Dieser Wettbewerb verdient viele Gewinner. Die Auswahl fällt schwer.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 12.02.2013.

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