Noch ein Buch zur Bankenkrise: Malte Heynens „Der Raubzug der Banken“

Möchten Sie auch ein „AD-Kunde“ sein? So bezeichnen manche Bankberater ihre Kunden. AD steht, so hat Malte Heynen herausgefunden,  für „alt und doof“. Solchen Kunden wurden beispielsweise Lehman-Zertifikate verkauft, deren Wert durch die Pleite des Bankhauses auf Null sank. Zertifikate sind rechtlich  nämlich nichts anderes als Schuldverschreibungen des Emissionshauses. Für diejenigen, die ihrer Bank in Zukunft souveräner und besser informiert entgegentreten möchten, hat Malte Heynen ein nützliches Buch geschrieben.

Malte Heynen erzählt in seiner gründlichen Recherche die Bankenkrise nochmals neu. Seine Geschichte ist weniger für geschulte Wirtschaftsleute gedacht als für Menschen, die sich genau die gleiche Frage stellen wie Heynen: Wie kann ich angesichts der Krise meine Ersparnisse retten? Dabei dürfen sich Leser keine Anlageberatung per Buch vorstellen; vielmehr zeigt Heynen die reichhaltige Palette möglicher Anlagefallen für private Anleger auf. Bei Anlagevorschlägen bleibt er vorsichtig und bezieht sie klar und deutlich auf eigene  Erfahrungen. Überhaupt gefällt mir der stetige biographische Bezug zu seinen eigenen Investments – auch er ein gebranntes Kind. Das schafft Identifikationspotential. Dennoch bleibt Heynen nicht bei der privaten Perspektive stehen; ihm gelingt ein Blick auf das System und die Konstruktionsfehler des Bankensystems. Er erklärt, so einfach es eben nur geht, die Anfänge der Subprime-Krise (sehr anschaulich anhand eines verhängnisvollen Deals zwischen der IKB und der Deutschen Bank) und führt uns bis zu der Frage, wieso die europäischen Staaten so viel öffentliches Geld in ihre maroden Banken pumpen. Einfache Lösungen hat auch er nicht, aber wer hat die schon für einen der möglicherweise grössten sozioökonomischen Veränderungsprozesse der letzten 200 Jahre? Das wagen wohl nur Scharlatane.

Anders als es der Titel vermuten lässt, ist das Buch an keiner Stelle reisserisch. Die Deutsche Bank kommt  in seinen Ausführungen ziemlich schlecht weg. Das mag dem ein oder anderen übertrieben erscheinen. Ich halte das Vorgehen für gerechtfertigt, ist der Frankfurter Konzern doch die einzige deutsche Bank unter den Top Ten der globalen Investmentbanken und von daher in einer besonderen Verantwortung. Die sie nicht wahrnimmt. Heynen hat sein journalistisches Handwerk gut gelernt. Seine Quellen legt er stets offen.

Wer sich einen Vorgeschmack auf das Buch verschaffen möchte, kann seine beiden ausgezeichneten Interviews bei Telepolis lesen.

Teil 1: Banken als tickende Zeitbomben – http://www.heise.de/tp/artikel/37/37664/1.html

Teil 2: „Irgendwann knallt es“ – http://www.heise.de/tp/artikel/37/37665/1.html

Das Buch ist im Herbst 2012 im Blessing-Verlag erschienen und überall für € 16,95 [D], € 17,50 [A] bzw. CHF 24,50 im Buchhandel oder via Verlagsseite erhältlich.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 12.03.2013.

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