Die „Offshore“-Aktivitäten der Triodos-Bank

Das belgische Wochenblatt „Marianne“ meldet heute, dass auch die Triodos-Bank „Offshore“-Kapitalkonstrukte in Luxemburg und Panama verwaltet. Ausserdem seien  8,4 Millionen Euro in Fonds, die auf den Cayman-Islands, in Delaware und auf Mauritius domiziliert seien, investiert – alles Orte, die gemeinhin als „Steuerparadiese“ gelten. Was treibt ausgerechnet die Triodos-Bank, die eine nachhaltige Ethik zur Leitvision ihres Geschäftsmodells gemacht hat, an solche Standorte?

Die Bank wehrt sich in einer Stellungnahme gegen die Vorwürfe des Magazins, nicht besser als die anderen Banken zu sein, wenn es um Steueroptimierungstrategien geht. Triodos spricht von einer unglückseligen Vermischung von Fakten und Unwahrheiten. Steueroptimierung, so die Bank, sei nie die Motivation für die Anlage der Gelder in den entsprechenden Ländern gewesen. So erläutert sie, dass Luxemburg als Standort für SICAV-Fonds gewählt worden sei, weil das Grossherzogtum der grösste und bekannteste Finanzstandort für diese Art Fonds sei und von daher der Absatz von dort am besten möglich sei. Bei den Triodos-Fonds handelt es sich um thematische Anlagen, die den ethischen Kriterien der Bank entsprechen: erneuerbare Energien, Mikrokredite und Unternehmen, die die besten ihrer Art in Sachen Nachhaltigkeit an der Brüssler Börse sind.

Bei allen anderen Formen des finanziellen Engagements – wo Triodos nicht selber Verwalter der Vermögen ist – gebe es spezielle Gründe für die jeweilige Domizilierung: z.B. unzureichende juristische Infrastruktur in bestimmten Investitionsländern, Doppelbesteuerung oder aber auch die politische Instabilität eines Landes. Gerade für diese Fälle ist der Vorzug eines „Steuerparadieses“ plausibel: Sie sind politisch und juristisch stabil, haben einen gut ausgebauten Finanzplatz und meist eine klare, einfache Steuerregelung. Dies mag auch erklären, warum die Bank ausgerechnet in Panama ein Konstrukt gründete, in dem die Aktien des inzwischen liquidierten Mikrokredit-Instituts BANEX aus dem Nachbarland Nicaragua gehalten wurden. Nicaragua hat einen nur schwach entwickelten Bankenmarkt.

Insgesamt wirkt der Artikel also aufgebauscht. Und doch bleibt ein „Geschmäckle“, denn nach ihren eigenen Grundsätzen an transparente Kundenkommunikation hätte die Bank mit dem Thema „Engagement in Steuerparadiesen“ proaktiver umgehen müssen. Das gilt vor allem für die Gelder, die von Dritten gemanaged wurden.

Wo die Triodos Bank international aktiv ist (aus dem Geschäftsbericht 2011)

So plausibel und nachvollziehbar die Erläuterungen der Triodos-Bank auf Nachfrage nun sind, zeigen die Vorwürfe, wie schwierig es ist, sich als nachhaltiges Bankinstitut auf den internationalen Finanzmärkten aktiv zu bewegen und dabei dem Anspruch an hohe ethische Grundsätze und transparente Kommunikation immer vollständig gerecht zu werden.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 20.04.2013

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