Mit dem eigenen Geld die Welt verändern

Aus Spanien erreichen uns zurzeit viele Nachrichten, meist negative. Doch es gibt auch viele konstruktive Ansätze im Land, mit dieser gegenwärtigen Krise umzugehen. Ein Beispiel ist der junge Wirtschaftswissenschaftler Xavi Teis, der mit einem Buch zur Finanzbildung zeigt, wie wir mit unserem Geld einen positiven Einfluss auf die Werteentwicklung der Gesellschaft nehmen können. Nicht alle jungen Ökonomen wollen bei großen Banken arbeiten, auch in Spanien nicht.

Ende 2011 ist sein leicht zu lesende Buch Como cambiar el mundo con tu dinero, Alternativas a la banca convencional, (Wie man mit dem eigenen Geld die Welt verändert. Alternativen zum konventionellen Bankgeschäft) erschienen. Es stellt wichtige allgemeine Fragen zur wirtschaftlichen Entwicklung und enthält einen ehrlichen Appell für einen grundlegenden Wechsel unseres Umgangs mit dem eigenen Geld. Das knapp 100 Seiten umfassende Büchlein kann man in zwei Abschnitte teilen. Der erste Teil ist sehr didaktisch ausgerichtet und gibt eine  verständliche Erklärung des Finanzsystems und seiner Ziele. Hier erklärt Teis, wie wir alle mit den Kreditinstituten verbunden sind – also auch, was mit unserem Geld passiert, wenn wir es zur Bank bringen. Er schafft es auch die Entstehung der Krise, die Spanien in diesen Ausnahmezustand brachte, zu erklären. Das Land ist nicht nur das Solarium Europas. Dort leben mehr als 46 Millionen Menschen, darunter mehr als 5 Millionen Ausländer. Die ganze Bevölkerung ist jetzt von einer soziopolitischen Krise erfasst, die das Vertrauen der Menschen in die Institutionen erschüttert hat. Auslöser dieser Krise waren jedoch nicht die Regierungsgeschäfte, sondern eine Immobilienblase, die 2008 geplatzt ist. Die Reaktionen der beiden großen politischen Parteien (die sozialistische PSOE und die konservative PP) auf die Krise war klar: sie wollten um jeden Preis den Finanzsektor Spaniens retten. Der seit Ende Dezember amtierende Regierungschef Mariano Rajoy (PP) versprach: Kein einziges Finanzinstitut wird in Spanien zugrunde gehen.

Normalerweise gibt es eine Zentralbank, die auftretende Liquiditätsprobleme der Banken lösen kann, indem sie als Kreditgeber letzter Instanz einspringt. Falls ein Finanzinstitut insolvent wird, gäbe es ausserdem staatliche Garantien für die Kontoinhaber bis zu einer bestimmten Summe. Doch statt diese Einlagenversicherung wirksam werden zu lassen, wurden die faulen Geldinstitute vom Staat übernommen, sollten als „banco malo“ (bad bank) saniert und später wieder reprivatisiert werden. Für eine neoliberale Regierung ist das ein heftiger Markteingriff. In einem wirklich freien Markt hätte man die Banken kaputt gehen lassen müssen.  Wozu führte dieses Verhalten? Die Kreditfunktion der Geldpolitik wurde zerstört, weil das Vertrauen der einheimischen und ausländischen Investoren verloren gegangen ist. Die wirtschaftliche Aktivität ist gesunken und die Arbeitsstellen sind  verschwunden.

Während die Regierung die Schulden der Banken übernahm und sich dadurch hoch verschuldet hat, haben sich einige gesellschaftliche Kräfte von den konventionellen Banken abgewendet und die alternativen Finanzinstitute des Landes weiter aufgebaut. Der zweite Teil des Buches enthält eine Sammlung der verschiedenen Institutionen – Banken und ihre Partner in der sogenannten Realwirtschaft – die sich für die spanische Sozialökonomie einsetzen. Abschließend informiert Teis über einige Kooperationsmodelle, um das ethische Banking weiter auszubauen. Viele dieser Formen der Zusammenarbeit stehen erst am Anfang ihrer Entwicklung.

Wir sehen jeden Tag, wie die Situation weiter eskaliert und was eigentlich auf dem Spiel steht: die Demokratie in ganz Europa. Diese aktuelle Lage wird im Buch noch nicht ganz so dramatisch dargestellt, wie sie sich inzwischen mit mehr als 6 Millionen Arbeitslosen abzeichnet. Der Autor denkt langfristiger. Es geht ihm um die Endlichkeit der Ressourcen und den Sinn des Wirtschaftswachstums, wie wir es heute definieren.

Es ist ermutigend zu sehen, dass sich bei weitem nicht alle in Spanien von der Krise entmutigen lassen und dass sich viele schon Jahre vor der jetzigen Finanzkrise  organisiert haben, um zu zeigen, wie jeder einzelne von uns die Welt mit den eigenen „Investments“ ändern kann.

Hier sind ein paar Links zu den von Xavi Teis genannten Institutionen:

  • Die Asociación Banca ética de Badajoz BEB ist ein gutes Beispiel, wie via Geldwirtschaft Solidarität mit Migranten entsteht. Und dies in einer der ärmsten Regionen Spaniens, der Extremadura. 
  • Fiare ist die Vertretungsorganisation von Banca Popolare Etica S. Coop., eine italienische Ethikbank. Fiare hat seit dem 31.10.2005 eine Banklizenz und verzeichnet gute Wachstumsraten.
  • Colonya ist eine der ältesten Sparkassen Spaniens, deren Aktivität sich bis heute  auf die Balearen beschränkt. Seit ihrer Gründung ist das Geldinstitut rein sozial orientiert.

 

Alberto Zuleta (@azuleta), 27.04.2013

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