Wie Buchhalter die Welt retten können – Peter Bakker in Zürich

Wie Buchhalter die Welt retten können, das ist auf dem Papier relativ einfach. Das meint zumindest Peter Bakker, ex-CEO des Logistikkonzerns TNT und seit Anfang 2012 Chef der weltweit tätigen Unternehmervereinigung für nachhaltige Entwicklung (World Business Council for Sustainable Development – WBCSD). In seiner Zürcher Präsentation zeigte er eloquent, ohne je grosspurig zu wirken, wie Unternehmen ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten können. Dass die Nachhaltigkeit der ökonomischen Berechnungen sichtbar und glaubwürdig werd,e dafür könnten eben die Buchhalter sorgen, indem sie endlich aufhören, nicht nur das Finanzkapital in ihre Berechnungen einzubeziehen, sondern auch das natürliche und soziale Kapital. Dabei, so führte er aus, bringe es wenig, sich auf das Drei-Säulen-Modell (die sogenannte „triple bottom line“: profits, planet, people) alleine zu berufen. Wirksam werde dieses Modell erst, wenn Unternehmen die Berechnungen aus den unterschiedlichen Kapitalformen konsequent integrieren und Erlöse und Verluste miteinander verrechnen.

Der Vortrag Bakkers im Hub Zürich war günstig terminiert, um seine These auf globalem Niveau zu bekräftigen. Heute, am 20.08.2013, ist nämlich der „Earth Overshoot Day„. Das ist der Tag, an dem die Menschen die ökologischen Kapazitäten der Erde eines Jahres erschöpft haben, d.h. ab diesem Tag leben wir über unseren natürlichen Verhältnissen. Wir leben auf Pump der Natur. Bakker, selber einst CEO und gewohnt mit Unternehmern zu sprechen, nannte denn auch ein prominentes Unternehmerbeispiel für seine These, um nicht als grüner Idealist abgetan zu werden. So hat der Sportartikelhersteller Puma erstmals für 2010 sehr konsequent ausgerechnet, dass der finanzielle Unternehmensgewinn von 300m Euro nur möglich ist, weil die Kosten des Naturkapitals in Höhe von 145m Euro nicht in der für die Finanzmärkte entscheidenden konventionellen Rechnungslegung berücksichtigt werden müssen.

Die Finanzmärkte hat Bakker denn auch als eine der grössten Hürden bezeichnet, um die Wirtschaft von einem  nachhaltigeren Verhalten zu überzeugen. Zu sehr sind Börsen, Banken und Investoren alleine auf den kurzfristigen „financial return“ fokussiert. Obwohl es von kleinen, innovativen Unternehmen, und durchaus auch von prominenter Seite gute Vorstösse gebe, sei die Hauptrichtung der Wirtschaft nicht daran interessiert, die systemische Krise, in der sich die Gesellschaft befinde, zu überwinden. Mit seinem kernigen Spruch“ business as usual is our competition“ forderte Bakker denn auch die anwesenden Unternehmensvertreter auf, selber aktiv zu werden und nicht auf staatliche Vorgaben zu warten, um damit einen langfristigen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Unternehmen aufzubauen. Er lockte auch damit, dass, wer früh dabei sei, letztlich auch die bisher fehlenden regulatorischen Anreize zu nachhaltigem Wirtschaften aktiver mitgestalten könne als solche, die erst dann folgen, wenn der Gesetzesgeber einen Rahmen vorgibt (als Beispiel nannte er die Arbeitskreise der SASB, in der sektorenspezifische, nachhaltige Accountingstandards definiert werden).

Vortrag Peter Bakker, 20.08.13

Bakker traf im Hub auf offene Ohren. Die Fragen im Anschluss waren zustimmender Natur. Eingeladen zu dem Event hatten nämlich der HubZürich, für den nachhaltiges Wirtschaften zum Selbstverständnis der Organisation zählt, sowie öbu, das Schweizer Netzwerk nachhaltiger Unternehmen. Die meisten Mitglieder von öbu kommen aus dem KMU-Bereich, doch zählen auch beide Schweizer Grossbanken sowie mehrere Kantonalbanken dazu.  Anlass für den Vortrag war die Unterzeichnung eines Kooperationsvertrags zwischen öbu und dem in Genf ansässigen WBCSD. Es ist zu hoffen, dass Bakkers Begeisterungsfähigkeit erhalten bleibt und er viele Unternehmer überzeugen kann. Nur bei einem Detail sollte Bakker seine Begeisterung lieber drosseln: auf der Titelfolie seines Vortrags prangt als angeblich „nachhaltigstes Gebäude“ der Welt die neue Monte-Rosa-Hütte des SAC, deren grosser touristischer Erfolg  leider dafür gesorgt hat, dass die gesteckten Nachhaltigkeitsziele vorerst nicht erreicht werden können.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 20.08.2013, B. Bohr ist Mitglied im Hub Zürich.

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