Reputationsrisikomanagement in Schweizer Banken

Drei Paukenschläge zur Reputation Schweizer Banken innert weniger Tage lassen einmal mehr aufhorchen:

  1. Rückwirkend muss die UBS per 01. Oktober mehr Eigenmittel zur Absicherung ihrer Rechtsrisiken bereithalten. So will es die Schweizerische Bankenaufsicht FINMA.
  2. Der ehemalige Verwaltungsrat der CS, Walter Kielholz, gibt in einem SRF-Interview unumwunden zu, dass 2010 das Gehalt des CEO Brady Dougan in Höhe von 90 Millionen Schweizer Franken ein Fehler gewesen sei.
  3. Vontobel-CEO Zeno Staub mahnt seine Kollegen, den Schweizer Finanzplatz nicht auf die „Kompetenz“ Steueroptimierung zu reduzieren.

Deshalb habe ich mir angeschaut, wie es die Schweizer Banken allgemein mit ihrem Reputationsmanagement halten. Wie sehr kümmern sie sich darum, dass ein schlechter Ruf Auswirkungen auf ihre Kunden, ihren Börsenkurs und ihre Attraktivität als Arbeitgeber haben könnte? Zum Thema gibt es eine neue Studie vom Schweizerischen Institut für Finanzausbildung (SIF) an der privaten Fachhochschule Kaleidos.

Zwei Ergebnisse der Umfrage vorab:

  • Mehr als die Hälfte der Befragten berücksichtigt Reputationsrisiken nicht in der Berechnung der Risikotragfähigkeit.
  • Zwei Drittel der befragten Risikomanager haben keine eigene Risikostrategie für Reputationsrisiken.

Auch wenn die Umfrage bei 18 Risikomanagern nicht repräsentativ ist und als „Pilotstudie“ bezeichnet wird, legt die Arbeit doch die Schlussfolgerung nahe, dass das Management der Reputationsrisiken in vielen Schweizer Banken noch am Anfang steht, auch wenn das Thema die gleiche Wertigkeit wie etwa Markt- oder Liquiditätsrisiken hat und davon auszugehen ist, dass die Regulatoren zukünftig strengere Auflagen machen werden.

Diese geringe Priorisierung verwundert ein wenig nach dem Bankenbashing der letzten fünf Jahre. Sie verwundert noch viel mehr, da gerade in einem Markt mit einem sehr homogenen, abstrakten Produkt- und Serviceangebot wie dem des Finanzsektors die Reputation ausschlaggebend sein kann für den Markterfolg. Obwohl bisher keine eindeutige Definition von Reputationsrisiken vorliegt, so stellt die Studie nüchtern fest, gebe es genügend Heuristiken, die den Banken helfen würden, ihre Reputationsrisiken im Griff zu behalten. Dazu gehöre die Einbindung der Reputationsrisiken in die Gesamtbanksteuerung genauso wie Frühwarnsysteme über Indikatoren, auch wenn deren Quantifizierung noch Schwierigkeiten mache. Beides funktioniere, so die weitere Handlungsempfehlung der Untersuchung nur, wenn das Management dieser Risikoart organisatorisch gut eingebettet sei. Ausschlaggebend sei letztlich die Prävention von Reputationsrisiken, da sie häufig nicht transformiert werden könnten. Die Prävention könne ausserdem nur dann gelingen, wenn  die Sensibilisierung der Mitarbeitenden auf allen Stufen frühzeitig einsetze, z.B. bereits bei der Produktentwicklung, dem Einkauf von Waren und Dienstleistungen oder beim Onboarding des Kunden.

Auch wenn das auf den ersten Blick nach Werbung für die grossen Beratungshäuser klingt: Es bleibt viel zu tun, vermutlich vor allem bei den kleineren Häusern. Unabhängig davon, wie nun die Regulatoren in Zukunft auf das Reputationsrisiko der Finanzinstitute schauen, werden Banken nur dann ein langfristig erfolgreiches Image aufbauen, wenn sie ihren Ruf nicht nur aussengeleitet für die Stakeholder schützen, sondern ihr Tun innengeleitet ist und dem Wertesystem des Unternehmens entspricht. Das ist nämlich die beste Vermeidungsstrategie.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 30.10.2013

 

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