Grüne Kredite gehören zum Kerngeschäft der Banken

Ökologisch orientierte Bankgeschäfte gelten als einer der grössten Treiber für nachhaltiges Wachstum in den Entwicklungsländern. Anlässlich der Konferenz „International Sustainable Banking“ in Dhaka forderte Atiur Rahman, Governor der Nationalbank Bangladeshs, deshalb, dass die Banken in ihren Kreditreglementen stärker auf umweltfreundliche Kriterien bei der Kreditvergabe achten müssten. Im letzten Jahr hat die International Finance Corporation (IFC), Mitglied der Weltbankgruppe und Mitinitiator der Konferenz, ein Netzwerk gegründet, in dem Bankaufseher aus Schwellenländern Richtlinien zum Thema umwelt- und sozialverträgliche Kreditvergabe entwickeln.

Was aber können Banken in einem Land wie Bangladesh, in dem nur 13% der Bevölkerung ein Bankkonto haben und das im Social Progress Index Michael Porters ganz weit unten rangiert, in dieser Hinsicht überhaupt tun? Eine ganze Menge, denn in ihrer Rolle als Geldgeber können Banken mit ihrer Kreditvergabepolitik ganze Sektoren in ihrem Investitionsverhalten beeinflussen (weshalb es Projekte wie den Bankwiser gibt). Aufgrund dieser Hebelwirkung gehört seit 2008 die Förderung der unternehmerischen Sozialverantwortung der Banken in ihrem Kerngeschäft zu den Aufgaben der Zentralbank in Bangladesh. Sie unterstützt die einheimischen Banken bei der Begutachtung von Finanzierungsprojekten hinsichtlich ihrer ökologischen Tragfähigkeit. Ziel der Nationalbank ist es, dass ökologische Kriterien ein essentieller Bestandteil der allgemeinen Kreditprüfung in Banken und das Thema „Corporate Social Responsibility“ nicht mehr nur als philantropische Betätigung jenseits des Kerngeschäfts angesehen wird. Dazu braucht es jedoch nicht nur regulatorische Lenkung durch die Nationalbank, sondern auch eine Einstellungsänderung der Banker selber:

“The mind-set amongst bankers should not be that environmental guidelines are damaging for growth of the business and a hindrance. It’s in your own interest too for long run growth of your profits.” (1)

Das gilt nicht nur für Banker im fernen Bangladesh. Das gilt auch für Banker in der Schweiz. Zwar verfügen unsere Banken grösstenteils über bunte, schön aufgemachte Nachhaltigkeitsberichte (und machen in dieser Hinsicht wirklich sehr viel), aber als ihr Kerngeschäft betrachten sie die Nachhaltigkeit noch lange nicht. Noch bleiben nachhaltige Investmentsfonds oder Zinsrabatte für die Finanzierung energieeffizienter Neubauten bzw. Sanierungen Nischenprodukte und tun sich im Wettbewerb schwer. Interne Reglemente über die Einhaltung internationaler Empfehlungen, wie etwa die zehn Prinzipien des Global Compact, bleiben für Aussenstehende wenig transparent. Forderungen aus der Branche selber, die Schweiz zu einem Finanzzentrum für nachhaltiges Banking zu machen, verhallen. Weder SNB noch FINMA werden sich wohl des Themas annehmen, solange nicht einmal die finanzielle Nachhaltigkeit der Kreditinstitute gewährleistet ist. Für innovative Banken, die nicht mit den Altlasten aus der Finanzkrise zu kämpfen haben, ergäben sich damit gute Chancen.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 04.11.2013

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