Banking 2.0 verbessert die Finanzstabilität

Zumindest glaubt dies Andrew Haldane, zuständig für die Stabilität des Finanzsystems bei der Bank von England. Nach seiner Überzeugung sind die Tage der Banken als Informationsvermittler zwischen Geldgebern und Geldnehmern gezählt. Ersetzt werden sie durch Peer-to-Peer-Systeme, die die beiden interessierten Parteien via Technologie zusammenbringen. Das ist endlich Banking 2.0. Die Disintermediation ist, laut Haldane, nicht nur wettbewerbspolitisch eine gute Entwicklung, sondern sorgt auch für eine bessere Finanzstabilität. Den Banken prophezeit er ein ähnliches Schicksal wie der Musikbranche und dem Verlagswesen.

Interessant finde ich, dass der Gedanke, dass neue Marktteilnehmer das alte System aufrütteln und letztlich Banken ersetzen könnten, allmählich doch an Popularität zulegt. Allerdings haben mir die Reaktionen auf Twitter zu meinem Vortrag „Welt ohne Banken“ am DANACH-Symposium in Zürich auch gezeigt, dass viele von dieser Vorstellung immer noch gar nichts wissen wollen.

Haldane jedenfalls führte diese Idee erstmals Ende letzten Jahres in einem Interview mit dem „Independent“ aus und erneuert sie in der aktuellen Ausgabe des Wochenmagazins „Spectator“. Damit greift er einen Kerngedanken seines ehemaligen Chefs, Sir Mervyn King, auf. Dieser hat bereits 1998 (!!! – tja, das waren die euphorischen Jahre, bevor die dotcom-Blase platzte) in Jackson Hole davon gesprochen, dass die technologische Entwicklung zu einer Revolution des Bankgeschäfts führen  und letztlich die Aufgaben von Geschäftsbanken und sogar der Zentralbank überflüssig machen könne:

The key to any such developments is the ability of computers to communicate in real time to permit instantaneous verification of the creditworthiness of counterparties, thereby enabling private sector real time gross settlement to occur with finality. Any securities for which electronic markets exist could be used as part of the settlement process. There would be no unique role for base money, and hence the central bank monopoly of base money issue would have no value. Central banks would lose their ability to implement monetary policy. The successors to Bill Gates would have put the successors to Alan Greenspan out of business (p. 411)

Wenn heute immer noch  leitende Mitarbeiter der Bank of England auf diese Revolution hoffen, ist das aber wohl auch ein Zugeständnis, dass man mit regulatorischen Mitteln alleine der konventionellen Bankenwelt nicht beikommen kann. Nun sollen Google, eBay und Amazon bei der Zähmung helfen.

Hier ist Haldanes gesamter Beitrag aus dem „Spectator“.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 18.11.2013

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About Barbara Bohr

I teach communication and project management at a technical college. My Interests are: Text analysis, (financial) innovation for the common good.

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