Schwer vermittelbar

Bert Rürup hat einen Kommentar zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit, der vor allem auch ein Aufruf zu mehr privater Vorsorge ist, in der FAZ veröffentlicht. Der Beitrag hat – zu Recht – viele kritische Reaktionen ausgelöst. Wer will schon länger arbeiten, wenn man mit 35 jobtechnisch schon zum alten Eisen gehört? Günter Hack hat die Sache auf den Punkt gebracht:

Dazu fällt mir eine Anekdote aus meinem eigenen Berufsleben in der Bank ein, die seine Aussage schön illustriert. Da sie zu lang für Twitter ist, erzähle ich sie hier.

Bekanntlich wurden im Zuge der Finanzkrise 2008 alle paar Monate neue Entlassungswellen bekannt gegeben. Regelmässig mussten wir Leute mittels Spreadsheet „aussortieren“. Denen wurde dann – mit einer gnädigen Übergangsregelung – gekündigt. Es war schrecklich, denn diese Leute mussten ausbaden, was andere verzockt hatten.
Meine damalige Chefin rief mich während der Vorbereitung zu einer dieser Entlassungsrunden zu sich. Sie brütete über dem Excel-Sheet, auf dem alle Mitarbeiter der Abteilung aufgelistet waren – schön aufgereiht nach den Ergebnissen des letzten Jahresendgespräches. Ganz am Ende der Liste tauchten vor allem Namen von älteren Mitarbeitern auf. Das hat vielleicht damit zu tun, dass der ein oder andere tatsächlich bequem geworden ist. Das hat aber auch damit zu tun, dass diese Leute ohne viel Gewese einfach nur in Ruhe ihre Arbeit machen wollen und Frieden mit ihren Karriereabsichten geschlossen haben. Doch wer in der Bank nicht ständig lauthals mehr fordert, landet schnell auf dem Abstellgleis.
Wie dem auch sei, meine Chefin war nicht ganz glücklich, dass am Ende der Liste lauter Familienväter standen. Deshalb fragte sie mich:

„Hast du nicht noch einen so bis Mitte Vierzig, den man gehen lassen könnte? Weisst du, die über 50 kriegen doch nirgendwo mehr was. Mit Anfang bis Mitte Vierzig reissen sich viele auch schon kein Bein mehr aus, finden aber eher noch was bei einer kleineren Bank. Da würde ich mich besser fühlen.“

Barbara Bohr, auf Twitter @nachrichtenlos, 02.02.2014

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About Barbara Bohr

I teach communication and project management at a technical college. My Interests are: Text analysis, (financial) innovation for the common good.

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