„Durch die Bank“ steht Ethik der Karriere im Weg

Das US-Justizministerium hat am 29.05.2014 bekannt gegeben, dass es von BNP Paribas eine Strafzahlung von 10 Milliarden Dollar verlangt, weil die französische Bank gegen die Iran-Sanktionen verstossen habe. Da wirken die 2.6 Milliarden Dollar Strafe der Credit Suisse für ihre kriminelle Beihilfe zur Steuerhinterziehung bei US-amerikanischen Kunden fast schon leicht verdaubar. Die Kette an Rechtsfällen gegen Banken reisst nicht ab. Mit Lug und Trug haben sich Banken ihre Gewinne schön gerechnet und an sich selber ordentliche Boni ausgezahlt.

Wenn man den Executives der grossen Banken Glauben schenken mag, ist das alles nur noch eine Aufarbeitung der Vergangenheit. Intern habe man längst den viel beschworenen „Kulturwandel“ eingeläutet, der Ethik und Bankgeschäft miteinander in Einklang bringen solle. Das CFA Institute hat eine Umfrage bei Banken, Aufsichtsbehörden und Supportindustrien des Finanzsektors in Auftrag gegeben um zu sehen, wie es mit dem Kulturwandel steht. Teilgenommen haben 382 Personen aus aller Welt, allen Banksparten und auch Führungskräfte aus Supportindustrien. Die Studie trägt den Titel A Crisis of Culture: Valuing Ethics and Knowledge in Financial Services. Cover der Studie

Was ist dabei herausgekommen?

  1. Die meisten Firmen haben versucht ihre ethischen Standards zu verbessern. So haben z.B. 63% der befragten Unternehmen ihren formalen Verhaltenskodex verschäft, 61% die entsprechende Überwachung der Mitarbeiter.
  2. Die Befragten betonen, dass ethisches Verhalten genauso wichtig sei wie der finanzielle Erfolg der Firma. 59% glauben, dass die Reputation des Sektors hinsichtlich Ethik positiv sei. Das ist ein schönes Beispiel, wie sehr doch Eigen- und Fremdbild voneinander abweichen können. Gemäss dem Edelman Trust Baromenter  von 2013 ist die Finanzindustrie die Branche, der am wenigsten vertraut wird.
  3. 53% der Befragten glauben, dass ethisches Verhalten ihre Karriere behindern könne.
  4. Wissenslücken werden als grösstes Risiko empfunden.
  5. Die Finanzindustrie ist weiterhin von Silodenken geprägt. Abteilungsübergreifendes Arbeiten ist nicht die Norm, obwohl dieses hilft, komplexe Risiken zu erkennen und zu verstehen.

Der Report stimmt „durch die Bank“ nicht zuversichtlich.

Mehrere Fallbeispiele erläutern die Ergebnisse aus der Umfrage. Eines davon ist die UBS, deren schwere Krise u.a. auf die heterogenen Kulturen der einst aufgekauften Investmentbanken (SG Warburg und Dillon Read von Seiten des ehemaligen Bankvereins, Philipp and Drew von Seiten der Bankgesellschaft) zurückgeführt wird. Die Studie lobt die strukturellen Versuche der UBS, die Bedeutung der Investmentbank herunterzufahren. Dass ausgerechnet Investment-Bank-Chef Andrea Orcel im Geschäftsjahr 2013 mit 11.4 Millionen Franken das dickste Salär bei der UBS einfährt, zeigt allerdings, dass auch dort der Kulturwandel in erster Linie auf dem Papier und in Trainingseinheiten stattfindet.

Wesentlich optimistischer stimmt der Fall der schwedischen Universalbank Handelsbanken. Dort gibt es den gleichen Bonus für jeden Mitarbeiter nur dann, wenn die Eigenkapitalrendite diejenige der Mitbewerber übertrifft. In den letzten 41 Jahren hat die Bank ihre eigene Zielsetzung immer erreicht. Der Bonus kann erst im Alter von 60 Jahren ausgezahlt werden. Ausserdem scheint die Bank auf sehr viel lokale Autonomie in ihrer Organisation zu vertrauen. Deshalb gibt es in dieser Bank weder ein zentrales Marketingbudget noch zentrale Verkaufsziele für die Filialen bzw. Märkte.  Keine andere Bankaktie hat seit 1900 eine bessere Performance hingelegt. Wohlgemerkt, Handelsbanken betreibt auch das Investment Banking. Eine langfristige Erfolgsorientierung funktioniert also auch börsennotiert und mit Kapitalmarktaktivitäten. Und offensichtlich findet Handelsbanken in allen Niederlassungen trotz „Anti-Bonus“-Einstellung genügend gute und zufriedene Mitarbeiter.

Es geht also auch mit Anstand. Warum funktioniert das nicht in London, Zürich und Frankfurt?

Barbara Bohr, auf Twitter @nachrichtenlos, 30.05.2014

 

 

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About Barbara Bohr

I teach communication and project management at a technical college. My Interests are: Text analysis, (financial) innovation for the common good.

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