Die Triodos-Bank und die Arbeitnehmerrechte

Am Vormittag machte die Schlagzeile „Triodos entlässt Gewerkschafterin“ die Runde in meiner spanischen Timeline. Der Vorwurf besteht darin, dass die spanische Niederlassung der Triodos-Bank eine Mitarbeiterin entlassen habe, nachdem diese sich als Arbeitnehmervertreterin der spanischen Gewerkschaft CCOO (Confederación Sindical de Comisiones Obreras) für die Bank habe wählen lassen. Das ist ein schwerer Vorwurf für eine Bank, die sich nicht nur anlageseitig, sondern auch in ihrem Gesamtverständnis als ethische Bank aufstellt. Dazu zählen auch die Einhaltung und besondere Förderung der Arbeitnehmerrechte.

Der Vorwurf wird von der Gewerkschaft selber erhoben. Demnach wurde die Angestellte am Freitag, einen Tag nach ihrer Wahl zur Gewerkschaftsvertreterin, von der Bank entlassen. Die Bank hat bisher keine offizielle gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmervertretung. Die Entlassung sei ohne vorherige Ankündigung erfolgt. Die Mitarbeiterin selber bekräftigt, sie habe die Bank am Morgen nach ihrer Wahl, also unmittelbar vor ihrer Kündigung, über ihre gewerkschaftliche Aktivitäten informiert.

Die Bank wiederum behauptet, sie habe erst nach der Entlassung der Angestellten von ihrer Wahl zur Gewerkschaftsvertreterin erfahren. Die Kündigung habe nichts mit ihrer zukünftigen Funktion als Vertreterin der Gewerkschaft innerhalb der Triodos-Bank zu tun. Die Mitarbeiterin sei auch zuvor nicht als Gewerkschaftsvertreterin innerhalb der Bank aufgetreten. Die Triodos-Bank verweist auf ihren hohen ethischen Anspruch im Umgang mit Mitarbeitern, die geringe Fluktuationsrate und die niedrige krankeitsbedingte Abwesenheitsrate. Diesen Hinweis könnte man nun durchaus so verstehen: „Seht her, unsere Mitarbeiter sind zufrieden, auch ohne gewerkschaftliche Vertreter“. Natürlich wird das so direkt nicht gesagt.

Ich selber glaube, dass eine Firma durchaus auch ohne Gewerkschaft gute und ethisch verantwortungsvolle Arbeitnehmerpolitik betreiben kann. Die Gewerkschaften mit Entlassungen statt inhaltlicher Diskussionen aussen vor zu lassen, gehört jedoch nicht zu diesem Repertoire. Noch kennen wir die tatsächlichen Beweggründe der Entlassung nicht. Es sieht allerdings so aus, als ob hier mindestens eine Partei lügen würde. Was in jedem Fall unethisch wäre, unabhängig davon ob man ethische Bank oder Gewerkschaft ist.

Ich halte euch auf dem Laufenden, wie’s weitergeht.

 

Barbara Bohr, auf Twitter @nachrichtenlos, 23.06.2014.

 

 

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About Barbara Bohr

I teach communication and project management at a technical college. My Interests are: Text analysis, (financial) innovation for the common good.

2 responses to “Die Triodos-Bank und die Arbeitnehmerrechte”

  1. Hedwig says :

    Also ganz ehrlich: Glaubst Du tatsächlich, dass die Kündigung nichts mit ihrer Wahl zu tun hat? Die Mitarbeiter wählen eine Vertreterin und DANACH kündigt die Bank – Buschtrommel ich hör dich rufen. Genauso läuft es bei uns in vielen Betrieben – gerade im sog. gehobenen Angestelltenbereich – ab. Leider glauben hier noch viel zu viele, sie könnten ihre Interessen besser im Einzelgespräch als kollektiv durchsetzen, das böse Erwachen erfolgt häufig zu spät. Gewerkschaften sind der Zusammenschluss von Arbeitnehmern, die verstanden haben, dass sie nur gemeinsam mit nicht vom Arbeitgeber abhängigen Fachleuten etwas erreichen können. Die Arbeitgeber wissen das übrigens auch.

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    • Barbara Bohr says :

      Was ich glaube, ist eine Sache. Eine andere Sache ist diejenige, Fairness gegenüber allen Beteiligten in der Darstellung zu wahren, solange die Fakten nicht auf dem Tisch liegen. Wo sage ich denn im Text, dass die Kündigung nichts mit ihrer Wahl zu tun hat?

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