Status Update: „International Bankwiser“

Was ist eigentlich aus dem Bankwiser-Projekt geworden, an dem sich die Vorbänker mit einer Schweizer Version beteiligen wollten?

Ihr erinnert euch vielleicht, worum es geht:

Mit einem Scoring sollen Banken miteinander verglichen werden, damit Bankkunden einen verständlichen Eindruck davon erhalten, wie ökologisch und sozial das Kredit- und Investitionsverhalten ihrer Bank ist.  Dazu wird das Geschäftsverhalten der Banken in 20 Bereichen, u.a. Klimawandel, Menschenrechte sowie Natur- und Tierschutz, bewertet. Diese Ergebnisse werden auf einer Website und als App der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Auf Basis der Ergebnisse können die Bankkunden bestimmte Aktionen durchführen: loben, tadeln, ihre Bank wechseln – und diese Information über ihre sozialen Netzwerke verbreiten. Ergänzt wird das Scoring durch Fallstudien zu bestimmten Themen.

Leider haben sich die Vorbänker bisher nicht an dem internationalen Projekt beteiligen können, weil wir nicht den erforderlichen lokalen Finanzierungsbeitrag leisten konnten. In den Niederlanden läuft der Bankwiser schon seit 5 Jahren. In 6 anderen Ländern ist es Ende November aber soweit: das Bankwiser-Rating geht live, und zwar in Brasilien, Indonesien, Japan, Frankreich, Belgien und Schweden.

Ted van Hees, der seitens Oxfam Novib von Den Haag aus die Zusammenarbeit der Teilnehmerländer koordiniert, hat mir ein Status-Update zum Projekt gegeben.Ted van Hees

Die Initiative heisst jetzt Fair Finance Guide International, weil man sich offenhalten möchte, den Scope auch Richtung Versicherungswirtschaft und andere Finanzdienstleister auszuweiten. In den Niederlanden beispielsweise gibt es bereits einen Bankwiser auch für die Versicherungsbranche. In Schweden, wo die Aktivitäten vom schwedischen Konsumentenschutz vorangetrieben werden, gibt es einen ähnlich ausgerichteten Bewertungsvergleich für Fonds. Grundsätzlich steht es den teilnehmenden Ländern frei, zusätzlich eigene lokale Namen für ihr Projekt zu wählen.

Das Funding kommt zu 65% von Sida, der staatlichen schwedischen Entwicklungshilfe, 20% kommen von Oxfam Novib, 10 bis 15% werden von den Ländern selber finanziert.

Das Gesamtprojekt ist mehr oder wenig im Zeitplan, was nicht selbstverständlich ist für ein Vorhaben dieser Grösse im NGO-Bereich mit Teilnehmern aus sieben ganz unterschiedlichen Ländern und unterschiedlichen Ansprüchen an ihren Bankenmarkt. Bisher lag der Schwerpunkt der Arbeit auf methodologischer Abstimmung und dem technischen Aufbau, um auf länderspezifische Besonderheiten Rücksicht nehmen zu können, aber dennoch eine Vergleichbarkeit der Bewertungsergebnisse zu gewährleisten. HSBC wird beispielsweise sowohl vom indonesischen als auch vom brasilianischen Team unter die Lupe genommen. Das Scoring selbst ist bereits vollständig. Peer Reviews und Stichproben durch die Beratungsfirma Profundo, die die ursprüngliche Methodologie für den holländischen Bankwiser entwickelt hat, sollen die Datenqualität sicherstellen. Im nächsten Schritt werden dann die Ergebnisse vor Veröffentlichung den Banken mitgeteilt, damit sie Stellung nehmen können und ein Dialog entsteht. Dieser Dialog wird nicht in jedem Fall ganz einfach sein, denn – auf Basis der bisherigen Ergebnisse – gibt es mehr rote und gelbe Bewertungen als grüne. Im Klartext heisst das: die Banken tun zu wenig für die Umwelt und soziale Anliegen. Sie engagieren sich vor allem zu wenig um die Armut weltweit zu reduzieren – das ist auch der Grund, weshalb sich eine Entwicklungshilfeorganisation so stark an der Finanzierung beteiligt.

Fallstudien ergänzen die Bewertungen. Einmal jährlich soll eine gemeinsame Fallstudie zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden. Mit dem Partner Transparency International hat man die Fallstudie für dieses Jahr dem Thema Transparenz in Banken gewidmet. Für nächstes Jahr hat sich die Initiative – mit Blick auf den Pariser Klimagipfel im November/Dezember 2015  – das Thema Klimawandel auf die Fahnen geschrieben. Die einzelnen Teilnehmerländer werden auch weiterhin spezifische Case Studies veröffentlichen, wie beispielsweise Indonesien zur „Financial Inclusion“.

Eine der grössten internen Herausforderungen sieht Ted van Hess in einer erfolgreichen Online-Marketing-Strategie, die langfristige Wirkung erzielt. Noch wichtiger wird es sein, die Bankkunden, für die die Plattform gebaut wird, dahin gehend zu mobilisieren, sich nicht nur die Ergebnisse anzuschauen, sondern tatsächlich aktiv zu werden: loben, meckern, das Konto wechseln. Trotz aller Kritik an den Banken, bleiben Kunden ihrer Bank weitgehend treu.

Derweil arbeitet Ted unermüdlich an der Erweiterung des Projekts. Zum einen läuft gerade eine Machbarkeitsstudie bis Dezember um zu überprüfen, in welcher Weise ab dem nächsten Jahr 10 weitere Länder aus dem südostasiatischen Raum am Fair Finance Guide International partizipieren können. Zum anderen besteht die Aussicht, dass Oxfam America sich am Aufbau einer US-amerikanischen Website beteiligen möchte. Ted ist auch sehr daran interessiert, Teilnehmerorganisationen aus den für Europa so wichtigen Finanzmärkten UK, Deutschland und Schweiz zu finden – bisher noch ohne Erfolg. Das sieht nach einem erfolgreichen Launch der Plattform in sieben Ländern hoffentlich anders aus.

Barbara Bohr, auf Twitter @nachrichtenlos, 28.08.2014.

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About Barbara Bohr

I teach communication and project management at a technical college. My Interests are: Text analysis, (financial) innovation for the common good.

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