Wie finde ich eine „gute Bank“ in der Schweiz?

Bei einem Event im Impact Hub letzten Donnerstag bemerkte eine Diskussionsteilnehmerin, dass sie nach dem Umzug in der Schweiz keine ökologische Bank für ihre Konten gefunden habe, so dass sie sich letztlich mit einer konventionellen Bank habe zufrieden geben müssen.

Das Thema der Veranstaltung war an sich Systems Thinking und Systems Dynamics. Wie so oft, wenn es um die Diskussion komplexer Systeme geht, waren wir in der Diskussion um Systemdenken in Institutionen sehr schnell bei Banken und dem Finanzmarkt gelandet. Zürich ist eine Bankenstadt und möchte es auch gerne bleiben. Es wurde nicht nur auf die bösen Banker geschimpft, sondern es ging in jenem Moment auch um die Verantwortung der Bankkunden als Systemakteur und ihr passives Verhalten angesichts der Krise. Die Bemerkung „In der Schweiz gibt es keine grüne Bank“  war in diesem Zusammenhang eine Reaktion auf den Kommentar einer NGO-Vertreterin, die Bankkunden würden sich nicht kümmern, was mit ihrem Geld bei Banken und Pensionskassen passiere.

Ich war überrascht über die Bemerkung. Deshalb habe ich kurz recherchiert, wie schnell eine solche Bank auffindbar ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für branchenfremde Menschen schwierig ist, nicht nur eine alternative, ökologische Bank zu finden, sondern sich letztlich auch dafür zu entscheiden. Sie nehmen eine Nischenrolle ein und haben – angesichts der allgegenwärtigen Präsenz der konventionellen Banken und Vermögensverwalter in den Medien, der Werbung und generell im Stadtbild – so gut wie keine Visibilität im Schweizer Alltag.

Die Google-Suche „ethische Bank Schweiz“ oder „alternative Bank Schweiz“ identifiziert jedoch recht schnell die beiden Banken, die in der Schweiz für ökologisches und soziales Banking stehen:

Beide Banken bieten e-Banking an, so dass wesentliche Banktransaktionen von zu Hause abgewickelt werden können. Denn ein ausgeklügeltes Filialnetz haben die beiden kleinen Institute logischerweise nicht, was sie im Vergleich zu den anderen Banken noch weniger sichtbar macht.

Die woz hatte zuletzt 2012 einen Überblicksartikel über Schweizer  „Banken, die auch anders können“, der weit oben in der Google-Ergebnisliste auftaucht. Beobachter und K-tipp berichten in unregelmässigen Abständen ebenfalls über die Aktivitäten in diesem Bereich. Letztere spricht auch genau die Themen an, die wechselwillige Kunden bewegen: Wie sicher ist mein Geld dort? Muss ich mit Renditeverlusten rechnen? Welche Bankgeschäfte kann ich dort überhaupt machen, was nicht?

Es gibt sie also, die ökologischen Banken der Schweiz. Zu wenige, wie ich finde, und auch nicht für jeden Geschmack, aber doch mit verhältnismässig wenig Aufwand auffindbar. Die Ausrede „Gibt’s nicht, geht nicht“ zählt also nicht, wenn kritische Stimmen die Verantwortung der Bankkunden zur Umgestaltung des Finanzsystems einfordern.

Barbara Bohr, auf Twitter @nachrichtenlos, 06.10.2014. Barbara ist Redaktionsmitglied der „Moneta“, dem Kundenmagazin der Alternativen Bank Schweiz AG.

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2 Gedanken zu “Wie finde ich eine „gute Bank“ in der Schweiz?

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