Wirtschaftsführer beim Frühstück – das braucht es auch nach Ecopop

Viel wird geschrieben in den letzten Tagen über das wieder erwachte Interesse der Wirtschaftsführer an der Politik. Die Kommentatoren – vor allem in der Wirtschaftspresse – freuen sich über das gestiegene Engagement. Es wurde aber auch Zeit!

Und es war ein langes Erwachen: Es brauchte die Niederlagen bei der Abzocker- und der Masseneinwanderungsinitiative und zusätzlich die Angst vor einer Katastrophe bei der Ecopop-Abstimmung, um die Wirtschaftsprominenz vor die Mikrofone der Journalisten und in die Bahnhofshallen zu treiben.

Ich hoffe, dieser Schlussspurt reicht, um die Ecopop-Initiative zu bodigen. Aber ich wünsche mir auch, dass das Engagement der Wirtschafts-Eliten nach dem Abstimmungssonntag nicht erlahmt. Denn es gibt noch viel zu tun. Die Entfremdung zwischen „Otto-Normalbürger“ und „der Wirtschaft“ ist real. Und dass man jetzt wieder mehr miteinander zu sprechen versucht, heisst noch nicht, dass man sich versteht.

Auf Seite der Wirtschaft wurde nach der Niederlage bei der Abzockerinitiative zwar teilweise das Personal ausgetauscht. Aber die Argumente sind die gleichen geblieben: Wohlstand, Arbeitsplätze, Wachstum. Dass es vernünftige Menschen geben könnte, die ernsthaft andere Prioritäten haben, scheint man nicht so recht glauben zu wollen.

Das liegt wohl daran, dass man auf Wirtschaftsseite noch immer sehr stark auf Sendung ist, und weniger auf Empfang. Ein gutes Beispiel dafür ist die Kampagne „Warum noch weiter wachsen?“ Die Pro-Wachstums-Botschaft wird ausführlich darstellt, aber ein Angebot zum Dialog sucht man vergeblich.

Doch dieser Dialog ist notwendig. Denn egal, wie die Ecopop-Abstimmung ausgeht: es braucht in der Schweiz eine vertiefte Auseinandersetzung über die Widersprüche zwischen unserem Bedürfnis nach materiellem Wohlstand heute und einer guten Lebensqualität morgen. An dieser Diskussion muss sich die Wirtschaft beteiligen. Und zwar nicht nur mit klaren Aussagen, sondern auch mit offenen Ohren.

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