„Dirty Profits“: Welche Firmen profitieren von Menschenrechtsverletzungen?

Die NGO Facing Finance hat bereits ihren dritten Bericht über Firmen, die von Menschenrechtsverletzungen profitieren, vorgelegt. Der Bericht ist ein guter Leitfaden für alle, die Investitionen in bestimmte Firmen vermeiden wollen und/oder aktiv sich für eine Verbesserung dieser Situation einsetzten wollen. Damit der Report überschaubar bleibt, beschränkt er sich auf die 25 Unternehmen und Finanzinstitutionen, die als besonders kontrovers gelten.

Ich habe mir angeschaut, welche Schweizer Firmen vertreten sind. Es handelt sich um Glencore und UBS. Dass Glencore aufgeführt wird, erstaunt wenig, gilt der Rohstoffhandel aus ökologischen und sozialen Gründen als besonders strittig.

Erstaunlich ist aber, dass auch die UBS auftaucht, wo doch die Bank sehr viel Geld und Zeit in den Aufbau interner und externer Regelwerke investiert hat, um in solchen Reports nicht mehr aufzutauchen. Sie ist nicht nur Mitglied im UN Global Compact und den UN Prinzipien für verantwortliches Investieren (PRI), sondern ist auch Gründungsmitglied der Thun-Gruppe, einem Zusammenschluss von Banken, die sich speziell der Einhaltung der Menschenrechte im Finanzgeschäft verpflichtet hat. Der Bericht zeigt, dass die neuen Regelwerke in der Praxis noch nicht so greifen, wie sie sollten: So unterhält die Bank finanzielle Verbindungen zu 23 der 25 aufgeführten kontroversen Firmen. Als Beispiel führt die NGO an, dass die UBS gemäss Verlautbarung keine Transaktionen zulässt, die den geplanten Öl- und Gas-Abbau in der Arktis betreffen. Dennoch hat die UBS seit Januar 2012 Darlehen in Höhe von 250 Millionen Euro an Royal Dutch Shell vergeben, obwohl Shells Aktivitäten in Alaska diesbezüglich bekannt sein dürften. Ebenso unterhält UBS intensive geschäftliche Beziehungen zu Glencore und Barrick Gold. Der Report kommt deshalb zu dem Schluss, dass die lobenswerten ESG-Regelwerke stärker operationalisiert werden müssen, damit sie bei der Kreditvergabe oder im Anlagegeschäft auch funktionieren können.

Der komplette Report ist hier nachzulesen. Die Methodologie kommt von Profundo, einem niederländischen Beratungsunternehmen, das überwiegend für Umwelt-, Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen arbeitet, um Finanz- und Handelbeziehungen zu erforschen und Möglichkeiten zu mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft aufzuzeigen. Profundo berät auch den niederländischen Bankwiser.

 

Barbara Bohr, auf Twitter @nachrichtenlos, 08.01.2015

 

 

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