Manche Banker sind gut durch die Krise gekommen

Die US-Wirtschaft hat sich erholt. Die neue Studie „Off the Deep End: The Wall Street Bonus Pool and Low-Wage Workers“ macht jedoch klar, dass die Armen nur wenig von der wirtschaftlichen Erholung in den USA haben.

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Mehr als sieben Jahre ist es her, dass die letzte grosse Finanzkrise ausbrach. So wie wir bei den Vorbänkern gehen einige kritische Betrachter davon aus, dass sie bis heute nicht überwunden ist. So sind bis heute keine signifikanten Veränderungen bei der Vergütung bestimmter Mitarbeitergruppierungen des Banksektors auszumachen. Nach heftigen Interventionen der betroffenen Regierungen (USA, Schweiz, EU-Staaten), die vor allem durch die jeweiligen Nationalbanken aktiv wurden, erwirtschaften viele Banken wieder robuste Erträge. Bedingt durch die lockere Geldpolitik der wichtigsten Nationalbanken sind die Umsätze an den Aktienbörsen wieder gestiegen, was hohe Gebührenerträge in die Kassen der Banken spült. Dabei ist zu beachten, dass seit der Deregulierung des Sektors die meisten Gewinne der Finanzinstitute nicht aus der Vermittlung von Krediten für den produktiven Sektor generiert werden, sondern durch die Geschäfte mit provisionsbasierten Finanzprodukten, oft auch auf eigene Rechnung. Dank der finanzpolitischen Eingriffe stehen so die Banken wieder gut da, was ihnen erlaubt, sehr hohe Boni an eine relativ kleine Anzahl von Mitarbeitern auszuzahlen. Während in den Jahren 2008 und 2009 diese Art der angeblich zusätzlichen, gewinnbasierten Entlohnung in Frage gestellt wurde, hat sich letztlich nichts daran geändert, dass sie der Hauptanreiz vieler Mitarbeiter im Finanzgewerbe geblieben sind. Mit Boni-Versprechungen wechseln ganze Desks von einer Bank zur anderen. Wall Street zahlte letztes Jahr 28.5 Milliarden US-Dollar Boni an seine 167’800 Angestellten aus. Das sind 3 % mehr als 2013.

Wie wenig ethische Appelle und auch Gesetzgebungsvorgaben zur Regulierung der Bonuszahlungen bewirkt haben, zeigt jetzt die Studie “Off the Deep End: The Wall Street Bonus Pool and Low-Wage Workers” der Autorin Sarah Anderson. Ihre Studie ist im Auftrag des Institute of Policy Studies veröffentlicht worden. Demnach beliefen sich die Boni des Sektors für das Jahr 2014 auf mehr als das Doppelte der Gesamteinkommen aller US-Amerikaner, die Vollzeit zum gesetzlichen Mindestlohn arbeiten. Der gesetzliche Mindestlohn beträgt auf Bundesebene 7.25 US-Dollar. Bei 40 Stunden Wochenarbeitszeit sind das  bei einem Vollzeitpensum ungefähr 15’000 US-Dollar im Jahr. Das ist eine Summe, über die Wall-Street-Banker nur lachen können, denn sie zahlen häufig das Doppelte dieser Summe allein an jährlichem Schulgeld für ihre Kinder.

Der Vergleich schockiert auch deshalb, weil er transparent aufzeigt, wie sehr die Ungleichheit zum zentralen Problem des gegenwärtigen Kapitalismus geworden ist. Deshalb hat die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, die sich seit vielen Jahren um die Belange der Bankkunden in den USA kümmert, die Studie aufgegriffen und via Facebook verbreitet und kommentiert. Sie ist nicht die einzige, die sich Sorgen um diese Entwicklung macht. Auch Ökonomen wie Joseph Stiglitz, Robert Reich oder Justin Wolfers kritisieren die zunehmende Ungleichheit. Der Vergleich zeigt uns auch, dass die Kluft zwischen der realen Wirtschaft und der Finanzwelt nicht kleiner geworden ist. Diejenigen, die verantwortlich für die Finanzkrise waren, profitieren nun besonders gut von ihr. Da steckt viel sozialer Zündstoff drin.

Die Analyse der Studie drängt folgende Fragen auf: Wie lange kann ein Sektor weiterhin Gewinne generieren, die auf finanziellen Phantasiekonstrukten beruhen? Was bedeutet es für die Gesellschaft, wenn diese Gewinne auf immer weniger Personen verteilt werden? Wer trägt letztlich das Risiko, wenn das Kartenhaus erneut zusammenbricht?

Nun können Angestellte aus der Londoner City oder am Paradeplatz in Zürich, um nur zwei weitere Finanzzentren zu nennen, behaupten, bei ihnen sei die Situation inzwischen anders. Es habe viele gesetzliche Vorschriften gegeben, die die Bonustöpfe gedeckelt hätten.

Aber hat sich die Situation wirklich geändert? Denn immer noch wird die Kultur der Investmentbanken von der Wall Street vorgelebt.

Alberto Zuleta (@azuleta) und Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 03.04.2015

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