Schlechte Noten für französische Banken

Die Ergebnisse sind wirklich ernüchternd. Wie bereits vorher in den Niederlanden, Brasilien, Schweden und Belgien geschehen, haben sich die Kollegen von Fair Finance Frankreich die grössten französischen Banken zur Brust genommen und untersucht, wie diese es denn mit verantwortlichem Handeln zum Wohle von Gesellschaft und Natur so halten. Die mit viel Tamtam übernommenen internationalen Verpflichtungen und Standards der Banken sind in ihrer Umsetzung wenig ehrgeizig und unspezifisch.

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Die Analyse fokussiert sich im ersten Jahr der Durchführung auf die fünf grössten Banken. Sie haben einen Marktanteil von 85%.

  • Banques Populaire-Caisse d’Epargne

  • BNP-Paribas

  • Crédit Agricole

  • Crédit Mutuel-CIC

  • Société Générale

Ein paar Highlights aus den Analyseergebnissen:

Klimawandel

Obwohl alle Banken beteuern, keine klimaschädlichen Aktivitäten zu unterstützen, haben französische Banken zwischen 2005 und 2014 mehr als 300 Milliarden Euro in fossile Brennstoffe investiert. Ausserdem berechnet keine der Banken die CO2-Emissionen, die durch ihre Projekte und die mit ihnen verbundenen Unternehmen. Diese Nachricht kommt nicht gut in einem Jahr, in dem Paris Gastgeber für den Weltklimagipfel im Dezember ist.

Entlohnungspolitik

Der zweite „dunkelrote“ Bereich ist – wen wundert’s – der der Entlohnung. Die Banken zahlen weiterhin bis zum Doppelten des Festgehalts an Bonus. Was die europäischen Gesetzgeber als Höchstwert vorgegeben haben, der nur in Ausnahmen erreicht werden soll, ist damit zur Norm geworden. Ermöglicht wird diese Bonuspolitik auch dadurch, dass keine der Banken eine festgelegte Höchstspanne zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Gehalt kennt. In diesem Punkt sind die französischen Banken nicht alleine, kann man doch die Finanzinstitute, die eine solche Spanne freiwillig einhalten, an einer Hand abzählen. Diese Spanne gehört zum Kriterienkatalog von Fair Finance.

Die gesamte Methodologie, aus der sich der Kriterienkatalog ableitet, findet sich übrigens hier. Finanziert wird der Fair Finance Guide Frankreichs von Oxfam Frankreich.

Schön finde ich, dass Bankkunden nun anhand konkreter Vergleiche erkennen können, mit wie wenig sozialer und ökologischer Verantwortung ihre Bank Gelder vergibt bzw. anlegt. Aktive Bankkunden können sich nun überlegen, ob sie von der Bank ein verändertes Verhalten einfordern wollen oder ob sie nicht doch die Bank wechseln sollen. Wenn sie zu einer ethisch verantwortungsvollen Bank gehen wollen, lohnt ein Wechsel unter den fünf grössten wenig. Da müssen sie in die Nische gehen.

 Barbara Bohr, auf Twitter @nachrichtenlos, 09.04.2015

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About Barbara Bohr

I teach communication and project management at a technical college. My Interests are: Text analysis, (financial) innovation for the common good.

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