Wie Banken die Entwaldung finanzieren

38 Mrd. US-Dollar haben Banken und Investoren in den vergangenen fünf Jahren  in südostasiatische Unternehmensaktivitäten gesteckt, die mit einem Entwaldungsrisiko verbunden sind. Die Entwaldung und Waldschädigung ist eine Folge der wachsenden Palmölindustrie, aber auch der traditionellen Bereiche der Holzverarbeitung: Geschäfte mit Tropenhölzern, Papier und Zellstoff sowie Kautschuk.

Dass die Erde seit dem Jahr 2000 mehr als eine Million Quadratkilometer tropischen Regenwaldes verloren hat, ist nichts Neues. Südostasien ist einer der „hot spots“ dieses Trends, zu deren bekanntesten Begleiterscheinungen Landvertreibung, Gefährdung der Biodiversität und eine Verschärfung des Klimawandels gehören. Neu ist, dass eine Website akribisch aufzeigt, welche Rolle die Finanzwelt bei der Entwaldung in der südostasiatischen Region spielt: http://forestsandfinance.org/.

Die Website ist das Ergebnis einer Kooperation mehrerer Organisationen, unter anderm dem Rainforest Action Network, TuK Indonesia und Profundo aus den Niederlanden. Profundo hat bereits die Kampagnenseiten des Fair Finance Guide methodisch unterstützt.

Dass die Rohdaten und deren Herkunft für Auswertungen kostenlos zur Verfügung gestellt werden, gefällt mir besonders gut. Das ist eine gute Ausgangsbasis für Investoren, NGOs und Journalisten, die der ein oder anderen Aktivität nachgehen wollen.

Die Website stellt insgesamt drei Tools zur Verfügung:

  • eine Datenbank der relevanten Geschäftsfälle (ab 2010),
  • Scorecards je Bank, die einen Überblick über die Existenz und Einhaltung relevanter Policies gibt,
  • konkrete Beispiele zu gravierenden Fällen von Entwaldung und Menschenrechtsverletzungen.

Ich fand die Online-Filtermöglichkeiten etwas träge. Man kann die Rohdaten aber auch als csv-File runterladen.

Ziel der Online-Tools ist zu zeigen, dass Banken die ESG-Standards, die die spezifischen Risiken der Forstwirtschaft berücksichtigen, in ihre Kredit- und Anlagepolitik mit aufnehmen und in der operativen Umsetzung kontrollieren.

Das Beispiel der Credit Suisse zeigt, dass dies nicht ganz einfach ist. Obwohl die Schweizer Grossbank ausreichend Reglemente, die eine schädigende Abholzung verhindern sollen, verabschiedet hat und auch allen wichtigen internationalen Abkommen zum Schutz der Tropenwälder beigetreten ist, stehen in ihren Büchern doch über eine Milliarde US-Dollar an Finanzmitteln, die sie an die sensitive Forstwirtschaft Südostasiens vergeben hat. Da scheint es doch noch Lücken in der Umsetzung zu geben. Immerhin erhält die CS 20 von möglichen 30 Punkten im Ranking. Besser schneiden nur die ABN Amro und die Rabobank ab. Wesentlich unkontrollierter fliesst Geld aus Malaysia, China, Japan und Indonesien in die ausgewählten Firmen der Forstwirtschaft. Die dortigen Banken haben den grössten Nachholbedarf bei der Einführung von ESG-Standards.

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Unternehmenskredite und Underwriting pro Geberland und Sektor (in Mrd. US-Dollar)

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 06.09. 2016

 

 

 

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About Barbara Bohr

I work as an independent project coach for teams and executives. In addition, I teach communication, project management and team development at a technical university of applied sciences. I love to learn about cross-over patterns of cultural behavior - be them in finance, literature or technology - to create a liveable future.

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