Caspar Dohmen: Profitgier ohne Grenzen

Caspar Dohmen packt in seinem Buch “Profitgier ohne Grenzen” ein aktuell heisses Eisen an: Was passiert, wenn Arbeit nichts mehr wert ist und Menschenrechte auf der Strecke bleiben? Dabei schlägt der Journalist geographisch und sozial einen grossen Bogen: Er führt uns vom Schlachthaus in der deutschen Provinz über die digitalen Tagelöhnern der Gig Economy in den urbanen Zentren bis in die Textilfabriken Karachis. Gleichzeitig beleuchtet er die Thematik aus der Perspektive der relevanten Gruppen: der Konzerne, der Arbeitnehmer, der Gewerkschaften und der NGOs. Ausbeutung ist kein Problem armer Länder, sondern armer Leute – das ist die Schlussfolgerung aus den zahlreichen Beispielen, die Dohmen gründlich recherchiert hat. Manches davon kennt man, liest bei ihm aber dennoch weiter. Das liegt an seinem Stil, mit grossartigen Konversationen: Trotz grosser Reflektiertheit bleibt er seinem anschaulichen Erzählstil eines „Reporters vor Ort“ treu.

Er bleibt auch nicht bei der Beschreibung stehen, sondern gibt konkrete Empfehlungen, wie die Rechte der Arbeitnehmer global gestärkt werden können. So fordert er u.a. die Verpflichtung der Konzerne zur Einhaltung der Menschenrechte und sozialer Mindeststandards, stärkere Gewerkschaften und mehr linken Kapitalismus. Aber auch Überlegungen zum Grundeinkommen gehören dazu. Internationale Solidarität unter den Arbeitenden ist für Dohmen Teil der Lösung. Für andere dürfte genau darin das Problem liegen. Wer sich die heftigen protektionistischen Reaktionen u.a. in UK und den USA auf internationale Absprachen anschaut, wird zwangsläufig pessimistisch, wenn es um den Ruf nach internationaler Solidarität geht.

Bleibt zumindest auf Schweizer Seite die Hoffnung, dass sich die Konzernverantwortungsinitiative durchsetzt. Die globale Einhaltung der Menschenrechte durch die Konzerne ist eine der Grundforderungen des deutschen Journalisten. Er nimmt jedoch nicht explizit Bezug auf die Initiative. Kommt sie durch, werden zumindest Schweizer Konzerne weltweit die Menschenrechte einhalten müssen. Wohlstand für alle heisst das noch lange nicht. Aber es wäre immerhin ein erster Schritt. Das dürfte Dohmen gefallen. Er ist ein Mann pragmatischer Schritte, nicht radikaler Grossentwürfe.

Caspar Dohmen, Profitgier ohne Grenzen. Wenn Arbeit nichts mehr wert ist und Menschenrechte auf der Strecke bleiben. Köln: eichborn, 2016.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 29.01.2017

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About Barbara Bohr

I teach communication and project management at a technical college. My Interests are: Text analysis, (financial) innovation for the common good.

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