Auch wenn er sich nicht lohnt, der „short-termism“ wird immer kurzfristiger

Die Studie ist schon vom Februar 2017, aber ich bin erst heute durch den aktuellen Handelsblatt-Newsletter für nachhaltige Investments darauf gestossen. McKinsey hat die Auswirkungen eines immer kurzfristiger ausgerichteten Unternehmertums untersucht. Generell steht das Problem des „short-termism“ seit mehreren Jahren auf der Agenda vieler kritischer Investoren. Die Studie, in der sich McKinsey 615 börsennotierte Firmen (leider nur) aus den USA anschaute, kommt nun zu dem Ergebnis: Eine langfristige Ausrichtung der Unternehmensstrategie, die kurzfristigen Anreizen widerstehen kann, lohnt sich. Dass nachhaltiges und langfristiges Investieren gut für die Rendite ist, haben bereits andere Studien gezeigt, aber einige Einzelergebnisse, die der Handelsblatt Newsletter hervorhebt, sind schon beeindruckend. Langfristig orientierte Firmen berücksichtigen dabei auch die Risiken, die sich aus Klimawandel, Arbeitsbedingungen oder Ressourcenknappheit ergeben. Daraus können sich strategische Vorteile ergeben:

  • Zwischen 2001 und 2014 wuchs der Umsatz langfristig handelnder Unternehmen kumulativ um durchschnittlich 45 Prozent stärker als die Umsätze kurzfristig agierender Firmen. Ausserdem gab es niedrigere Schwankungen.
  • Vorausschauende Unternehmen investieren mehr. Sie steckten auch während der Finanzkrise vermehrt Geld in Forschung und Entwicklung. Zwischen 2007 to 2014 wuchsen die durchschnittlichen F&E-Ausgaben langfristig ausgerichteter Firmen jährlich mit 8,5% (die anderen dagegen nur mit 7%).
  • Nicht zuletzt realisierten langfristig ausgerichtete Unternehmen stärkere finanzielle Ergebnisse: Ihre Marktkapitalisierung stieg in dieser Zeit um sieben Milliarden US-Dollar mehr als die der anderen.
  • Sie schaffen mehr Jobs.

Trotz dieser positiven Auswirkungen reisst der Drang zu immer kurzfristiger orientierten Zielen nicht ab. Die folgende Abbildung zeigt, wie sehr sich die meisten Führungskräfte vom Zeitfaktor unter Druck setzen lassen.

shorttermism
SOURCE: Rising to the challenge of short-termism. FCLT Global, September 2016.

Die nächsten Quartalszahlen sind für Firmen, Analysten und Anleger meist interessanter als das langfristige Ertragspotenzial. Natürlich gibt’s auch Ausnahmen, wie Tesla zum Beispiel 🚗  , aber das liegt am CEO und seinem Bild von der Zukunft🚀. Anders als Elon Musk, der zugleich auch einer der Hauptaktionäre Teslas ist, bleiben die meisten CEOs heute nur noch knapp 3 Jahre im Amt. Wozu also langfristig denken?

Der komplette Bericht ist hier nachzulesen. Er ist im Rahmen der Aktivitäten von McKinsey als Mitglied von FCLT Global entstanden. In dieser Initiative haben sich Investoren und Firmen zusammengefunden, die das langfristige Denken und Handeln in Unternehmen fördern möchten. Dazu gehören neben McKinsey u.a. auch BlackRock oder Dow, denen man nicht gerade Kritik am Kapitalismus vorwerfen kann. Alleine BlackRock ist bei einem Drittel aller DAX-Unternehmen größter Einzelaktionär und könnte entsprechend auf Geschäftsführung und Aufsichtsräte Druck ausüben.

Aber soweit sind wir nicht. Vielleicht muss, um nur ein Beispiel zu nennen, BlackRock als Erstes die Zielvereinbarungen der eigenen Fondsmanager überarbeiten? Schneller ist nicht automatisch besser und weiter.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 12.05.2017

Advertisements

Ein Gedanke zu “Auch wenn er sich nicht lohnt, der „short-termism“ wird immer kurzfristiger

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s