Für einmal rechtzeitig das Richtige tun

Das Pariser Klimaabkommen und verschiedene internationale Initiativen wollen den Finanzsektor in den Kampf gegen den Klimawandel einbinden. Der Bundesrat hat es damit aber nicht eilig. Die Schweiz hat die Wahl: abwarten und schauen, was passiert – oder pro-aktiv das Richtige tun.   

Letzte Woche haben im Parlament die Beratungen zur Totalrevision des CO2-Gesetzes begonnen. Für den Schweizer Finanzplatz ist die Vorlage vor allem aus einem Grund interessant: Die linken Parteien fordern, dass auch die Finanzbranche ihren Teil zum Kampf gegen den Klimawandel beiträgt.

Die Forderung gründet sich auf das Pariser Klimaabkommen von 2015. Der Einbezug des Finanzsektors in den Kampf gegen den Klimawandel ist nicht etwa nur eine Massnahme unter vielen im Pariser Abkommen. Im Gegenteil: „Making finance flows consistent with a pathway towards low greenhouse gas emissions and climate-resilient development,“ ist eines der drei Ziele des Abkommens, wie sie in dessen Artikel 2 definiert sind.

Obwohl die Schweiz das Klimaabkommen unterzeichnet und ratifiziert hat, klammert der Bundesrat in seinem Vorschlag zum CO2-Gesetz den Finanzplatz aus. Die Kritik folgte auf dem Fusse: die SP verlangt Massnahmen für einen klimaverträglichen Finanzplatz und die Grünen wollen das Gesetz in dieser Form zurückweisen.

Am weitesten geht der WWF, der schon im Dezember verlauten lies, dass für ihn „klimafreundliches Investieren und Anlegen zunehmend zur treuhänderischen Sorgfaltspflicht gehört.“

Die Schweizer Banken täten gut daran, hier genau hinzuhören. Klimaschutz als Sorgfaltspflicht ist für die Branche, welche schon lange über zu viel Regulierung klagt, natürlich nicht gerade attraktiv. Aber genau so wenig attraktiv ist es, internationale Entwicklungen zuerst zu ignorieren, dann zu bekämpfen, und sie schlussendlich nachvollziehen zu müssen, ohne sie mitgestaltet zu haben.

Doch das wird passieren, wenn die Schweiz und die Schweizer Banken ihrem üblichen Muster folgen. Denn erstens ist der Einbezug des Finanzsektors in den Kampf gegen den Klimawandel seit dem Pariser Klimaabkommen eine internationale Norm. Diese ist zwar nicht rechtlich verbindlich, aber das war der G20-Beschluss zur Einführung des AIA auch nicht. Zweitens arbeiten verschiedene internationale Gremien (zum Beispiel die UNO und die Weltbank oder das Financial Stability Board) an der Konkretisierung von Nachhaltigkeitsprinzipien für den Finanzsektor. Und drittens hat die EU vor, Nachhaltigkeitskriterien in die Finanzmarktregulierung zu integrieren, zum Beispiel, indem diese Teil des Mandates der Aufsichtsbehörden werden.

Klimaschutz-Sorgfaltspflichten sind eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Dass man heute noch nicht genau sagen kann, ob es bis dahin noch 3 oder 7 Jahre dauert, ist egal. Und auch, was schlussendlich der Auslöser sein wird (internationale Regulierungstandards, EU-Äquivalenzerfordernis, politischer Druck aus dem Ausland), ist unerheblich.

Wichtig ist, dass die Schweiz und die Banken jetzt noch Zeit haben, den Trend zu erkennen und sich darauf einzustellen. Jetzt ist der Moment um die bestmöglichen (warum nicht gerade weltweit führenden?) Instrumente und Konzepte zu entwickeln, wie der Finanzsektor seinen Teil zum Klimaschutz beitragen kann.

Die Schweiz hat die Wahl für einmal rechtzeitig das Richtige zu tun. Oder, wie so oft, nichts falsch zu machen, abzuwarten und sich vom Lauf der Dinge überraschen zu lassen.

Peter Kaufmann (ptr_tweets ) ist Leiter Web und Social Media bei der Schweizerischen Bankiervereinigung, 14. April 2018

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