Archive by Author | Barbara Bohr

Das Internet der rollenden Dinge

Elon Musk hat’s einmal wieder geschafft, dass ihm mit einem lapidaren Tweet alle zuhören. Ganz locker verkündete er, dass er eine mündliche Zusage der Bundesbehörden habe, eine Hyperloop-U-Bahn zwischen New York City und Washington DC zu bauen.

Er ruderte schnell zurück, denn noch liegen ihm keine formalen Zusagen vor. Wer ihm nun was genau zugesagt hat, steht vorerst nur in den Sternen und seiner Phantasie. Beides ist bei ihm eng miteinander verbunden. Immerhin macht Musk voran, denn grosse Bauprojekte haben es angesichts hoher Regulierungsdichte und vieler Stakeholder mit ganz verschiedenen Interessen nicht einfach, eine Genehmigung zu erhalten.

Auch in der Schweiz haben wir mit Cargo sous terrain ein vergleichsweise wagemutiges Unterfangen, das sich durch die Mühlen der Finanzierung (was für Musk offensichtlich nie ein Problem ist) und der Gesetze kämpft und noch einen langen Weg bis zum ersten Spatenstich vor sich hat. Cargo sous terrain verspricht, den Gütertransport in der Schweiz mit einem Tunnelsystem und automatisierter Steuerung umweltfreundlich und effizient zu gestalten. 

In der letzten Moneta-Ausgabe (02/2017) habe ich einen aktuellen Abriss über das Grossprojekt gegeben. Die Debatte um komplizierte und langwierige Genehmigungsverfahren ist ein guter Anlass, den Beitrag auch auf dem Blog online zu stellen.

Kern des Logistikprojekts Cargo sous terrain (CST) ist ein Tunnelsystem, in dem Güter unterirdisch transportiert werden sollen. Die Tunnels für den Warentransport würden wichtige Logistik- und Produktionsstandorte mit Umladestationen in den grossen Städten, den sogenannten Hubs, verbinden. In einem ersten Bauabschnitt bis 2030 ist ein Tunnel zwischen Härkingen/Niederbipp und Zürich geplant. Bis 2050 soll die Strecke St. Gallen bis Genf angeschlossen sein, mit Tunnelästen nach Basel, Luzern und Thun.

Eine Studie bestätigt die Machbarkeit des Unterfangens. Der Bundesrat begrüsst das Vorhaben ebenfalls. Ein Gutachten des Bundes kommt zu dem Schluss, dass das Projekt vor allem die zukünftigen Bedürfnisse des Detailhandels und der Paketlogistik abdeckt. Mit dem neuen System könnten Ankunftszeiten garantiert werden. Das ist für Daniel Wiener, dem Kommunikationsverantwortlichen des Projekts, ein wichtiger Vorteil des neuen Systems. Heutzutage ist eine solche Garantie nicht umsetzbar. Eine grosse Rolle spielten ausserdem der voll automatisierte, kostengünstige Betrieb und die kontinuierliche Steuerung der Güter ohne Wartezeiten und ohne Staus, ergänzt Wiener. Damit sei das Projekt Teil der Digitalisierungsstrategie des Bundes. Gleichzeitig sei der Betrieb ökologisch sinnvoll: Die unterirdischen Transporte sollen in elektrischen Fahrzeugen erfolgen. Auch bei der Abdeckung der «letzten Meile» vom Hub zur Kundschaft will man auf nachhaltige Transportmittel setzen. Im Vergleich zur heutigen Nutzung der Infrastruktur würden sich grosse Einsparungen bei den Lärm- und CO2-Emissionen ergeben (s. Abbildung).

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Private Finanzierung

Das Projekt kommt in der Öffentlichkeit gut an: Der Tunnelbau setzt auf bewährte Schweizer Ingenieurskunst. Intelligente Informationssteuerung und ökologische Nachhaltigkeit stehen für die innovative Seite des Projekts. Das könnte auch aus Anlegerseite langfristig attraktiv aussehen. Der Bund ist allerdings erst bereit, das notwendige Spezialgesetz zu verabschieden, wenn CST 100 Millionen Franken als Anschubfinanzierung bereitstellt. Das Projekt mit Gesamtkosten von 3.5 Milliarden Franken für die erste Tunnelstrecke muss sich privat finanzieren. CST ist im Gespräch mit Pensionskassen und anderen institutionellen Anlegern, um die Finanzierung sicherzustellen. Erste Investoren haben bereits zugesagt. Einen späteren Gang an die Börse schliesst Wiener nicht aus, komme aber vor 2025 nicht in Frage. Klar ist, diese Anschubfinanzierung kommt nicht von den heutigen Hauptaktionären (u.a. Coop, Migros, Swisscom, Rhenus, Mobiliar). Durch das zusätzliche Beteiligungskapital soll das Projekt auf eine breite Basis gestellt werden.

Autonome Fahrzeuge als Alternative

Doch das Projekt spürt auch Gegenwind. Die Kantone Aargau und Solothurn sind nicht ganz überzeugt. Man hat Angst, dass der Verkehr rund um die Hubs zunehmen würde. Thomas Sauter-Servaes, Mobilitätsforscher an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, ist ebenfalls skeptisch. Zwar findet er die Grundidee gut. Insgesamt aber schätzt er, dass durch das Projekt «zu viele neue Kapazitäten in Beton» entstehen würden. Er warnt, dass der technische Fortschritt den Verkehr, wie wir ihn heute kennen, komplett ändern werde und damit das Geschäftsmodell von CST in Frage stelle. Seine Vision besteht darin, die bestehenden Strassenkapazitäten besser auszunutzen. Er setzt auf die Fortschritte bei elektrischen und autonomen Fahrzeugen, und zwar für den Personen- wie den Güterverkehr. Damit sei die Schadstoffproblematik vom Tisch, führt Sauter-Servaes aus. Grosse Wirkung verspricht er sich zudem vom Umstieg auf sogenannte Taxisysteme (Car Sharing, Ride Sharing, Cargo Sharing): Miteinander vernetzte Roboter-Taxis befördern Menschen und Güter auf Abruf an den gewünschten Ort. Studien aus München, Stuttgart und Lissabon zeigen, dass diese Entwicklung dazu führen werde, dass nur noch rund ein Zehntel der heutigen Fahrzeuge überhaupt benötigt würden. Insbesondere der Einsatz autonomer Fahrzeuge im Gütertransport könne zu höherer Effizienz führen, meint Sauter-Servaes. Dazu zählt er die höhere Sicherheit im Strassenverkehr, die Nutzung von Stromüberkapazitäten in auslastungsarmen Zeiten und das Fahren im Konvoi mit Mindestabstand (= Platooning).

Damit würden die aktuellen Strassenkapazitäten völlig ausreichen. Es bräuchte keine neuen Tunnel. Ein wesentliches Risiko bleibt auch in dieser Vision: Wie werden die Menschen diese vernetzte und datengetriebene Verkehrswelt annehmen, die in fünf bis zehn Jahren technisch möglich ist? Diese Unsicherheiten werden auch die privaten Investoren von Cargo sous terrain in ihre Entscheidung miteinbeziehen müssen. Und möglicherweise geht es gar nicht um ein Entweder-Oder. Elon Musk setzt bekanntlich auch auf mehrere Pferde.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 22. Juni 2017, Link zum Originalartikel

 

 

Service-as-a-country: Die digitale Transformation Estlands

An der Blockchain Valley Konferenz am GDI im Juni habe ich mit Aet Rahe gesprochen. Sie hat bis 2016 als stellvertretende Leiterin Informationstechnik am Estnischen Ministerium für Wirtschaft und Kommunikation den digitalen Transformationsprozess Estlands mitgestaltet. Ich habe das Interview für donna informatica, das ist die Fachgruppe der Frauen innerhalb der Schweizer Informatik-Gesellschaft (SI), geführt.

Weshalb ich den Artikel hier reblogge?

Banken spielen gemeinsam mit den Telekom-Anbietern und dem Staat die wichtigste Rolle beim Aufbau der digitalen Gesellschaft Estland. Die Banken sorgen – wen wundert’s – für das Gros an Transaktionen. Von daher ist Estland ein schönes Beispiel dafür, dass wenig sinnvoll es ist, Staat und Privatwirtschaft ständig gegeneinander ausspielen zu wollen. Mit einer sinnvollen Arbeits- und Kostenteilung profitieren vor allem die Esten und Estinnen.

Hier geht’s zum Artikel.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 29. Juni 2017

 

Regulierung für mehr Innovation

Chancen und Risiken des Fintech-Sektors

Mit der richtigen regulatorischen Unterstützung kann FinTech den Finanzsektor neu gestalten – das ist die Antwort, mit der die NGO Finance Watch diese Woche auf eine öffentliche Konsultation der EU-Kommission zu Fintech reagiert.
Gerade aus Konsumentensicht sieht Finance Watch die Fintech-Entwicklung als grosse Chance für den Sektor, sieht aber auch die Risiken unbeabsichtigter Folgen. Vereinsvorstand Rainer Lenz fasst die Meinung von Finance Watch wie folgt zusammen:

„FinTech hat großes Potenzial, das Wohlergehen der EU-Bürger zu verbessern, indem es mit trägen Finanzinstituten konkurriert, Kosten reduziert und  Barrieren für Kredit- und Transaktionsdienste beseitigt. Aber es könnte auch neue Risiken für die Bürger und das Finanzsystem schaffen, die wir nicht vollständig verstehen, zum Beispiel durch unsere Interaktionen mit großen Daten und künstlicher Intelligenz. Ob der Sektor in Zukunft vorwiegend positiv weiterentwickelt wird, wird in hohem Maße davon abhängen, wie sich die Entscheidungsträger jetzt engagieren. „

Finance Watch empfiehlt, dass die EU eine aktive Rolle bei der Schaffung eines neuen einheitlichen Regulierungsrahmens für FinTech spielt und zunächst die Bereiche in den Mittelpunkt rückt, die den finanziellen Bedürfnissen der Gesellschaft am besten entsprechen:  Transaktionsdienstleister, Crowdfunding und Robo-Advisor. Ziel sei es, von Anfang an hohe Standards und Vertrauen in den Sektor aufzubauen. Das empfohlene Regelwerk könne damit allbekannte Ineffizienzen und Risiken der Banken vermeiden, indem

  • Ersparnisse in Richtung langfristige, nachhaltige Investments gelenkt werden könnten,
  • die Retailkunden vor Manipulation und Missbrauch geschützt würden,
  • personenbezogene Daten geschützt würden,
  • gemeinsame Standards offengelegt würden, so dass Plattformen miteinander verglichen werden könnten und
  • grenzüberschreitende Barrieren entfernt würden.

„Let’s embrace regulation“ – Wie Fintechs mit Regulierung umgehen

Nach meiner Einschätzung werden Fintech-Vertreter mit dieser Aufforderung zur Regulierung ganz anders umgehen als traditionelle Banken. Während letztere schnell und generell aufschreien, wenn das Thema zur Sprache kommt, haben Fintechs längst begriffen, dass sie besser fahren, wenn sie Politik und Aufsichtsbehörden zu ihren Verbündeten machen. Das war auch der Tenor von Richards Olsen’s Antwort diese Woche an der GDI Blockchain Valley Conference. Der Gründer u.a. von Lykke, einer mobilen Handelsplattform auf der Basis von Blockchain, meinte lakonisch auf die Frage nach dem Umgang mit Regulierung: „Let’s embrace regulation.“ Das klingt ungewöhnlich für ein Umfeld, das sich als libertär versteht.

Zumindest für die Schweizer Fintech-Szene, die ich einigermassen beurteilen kann, scheint diese friedliche Ko-Existenz mit den Regulierungsbehörden bereits zu funktionieren. Die hiesigen Fintech-Communities haben sich inzwischen sehr gut in Form von Verbänden organisiert (z.B. Swiss Finance Start-ups, Bitcoin Association Switzerland), um in Bern gezielt Lobbyarbeit zu betreiben. Mit wem auch immer ich rede, alle sind beispielsweise gegenüber der Finma positiv eingestellt. Manchmal heisst neue Regulierung nämlich auch, dass es keine Regulierung gibt, wie beispielsweise bei der Sandbox. Die Sandbox ist ein von der Finma geschaffenes, eng begrenztes „bewilligungsfreies Entwicklungsfeld für Finanzinnovatoren“, in denen seit letztem Jahr mit neuen Geschäftsmodellen experimentiert werden kann. Das kommt gut an.

Und eines darf man auch nicht vergessen: Für viele Fintechs bilden Melde- und Bewilligungspflichten der Banken gegenüber den Behörden und interne Compliance-Vorgaben überhaupt erst die Basis des eigenen Geschäftsmodells. Mit Regtech (kurz für „Regulatory Technology“) ist ein ganzer Subbereich von Fintechs entstanden, der von den komplexen Regulierungsanforderungen leben möchte. Honi soit qui mal y pense.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 17.06.2017, Individualmitglied bei Finance Watch

Survey: Linguistics and Finance

Prof. Paul H. Dembinski has forwarded a survey on the topic of linguistics and finance to me. He is a professor of strategy and international competition at the university of Fribourg (Switzerland). He is also the director of the foundation „Observatoire de la Finance„, which focuses on ethics in finance.

The questionnaire is part of a wider research project on multilingual skills in fields so different as economics and finance on one side and ethics and philosophy on the other.

Many questions deal with your ease at expressing difficult topics or complex situations in a multilingual setting and how this may affect your ability to cope with the conflicts or dilemmas that may arise out of this situation.

Here’s the link to the survey. It takes about 20 minutes to answer the questions.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos) June 10, 2017

Ein Konto für die ganze Welt

‚Joachim Ackva ist durch seine persönliche Grosszügigkeit bekannt geworden: Er lässt regelmässig Geldscheine vom Himmel fallen. Im letzten Oktober regneten etwa auch in Zürich Zehnernötli  vom Himmel. Mit seinen Aktionen kam er in alle Zeitungen und Fernsehnachrichten. Wer verteilt schon Geld – einfach so? Das muss doch ein Spinner sein. Die FAZ beispielsweise reihte die Sterntaler-Events amüsiert und irritiert als Kunsttrend ein. Ein gelassener und witziger Umgang mit Geld ist nun mal nicht jedermanns Sache.

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Zu Klimarisiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Bank

Schweizer Banken tragen massiv zur Erhitzung des Planeten bei: Allein dem Markt für Aktienfonds können gleich viele Treibhausgasemissionen zugerechnet werden wie die Schweiz als Land jährlich ausstösst. Dies zeigt eine im Oktober 2015 publizierte Studie des Bundesamts für Umwelt (BAFU):

«Würden alle Investoren weltweit so investieren wie jene in der Schweiz, dann müssten wir uns auf einen globalen Temperaturanstieg von 4 bis 6 Grad einstellen.»

Anlegerinnen und Anleger am Schweizer Finanzplatz investieren also in beträchtlichem Ausmass in CO2-intensive Unternehmen. Den wenigsten dürfte dies bewusst sein, denn bisher fehlt es seitens der Banken an der nötigen Transparenz darüber, was die Klimaauswirkungen von Geldanlagen effektiv sind.

Der Klimawandel stellt für Anlegerinnen und Anleger dabei zusehends ein finanzielles Risiko dar: Fehlbewertungen von Unternehmen, die grosse Reserven an fossilen Brennstoffen halten oder in CO2-intensiven Sektoren tätig sind, führen zu einer sogenannten Kohlenstoffblase (Carbon Bubble). Platzt diese, zum Beispiel weil die Gesetzgebung strenger wird, drohen finanzielle Verluste. Banken sind in der Pflicht, ihre Kundschaft über Risiken, auch klimabedingte, aufzuklären.

Die Alternative Bank Schweiz ist in diesem Bereich First Mover. Sie hat als erste Schweizer Bank in Zusammenarbeit mit der South Pole Group den CO2-Fussabdruck ihres gesamten Anlagegeschäfts analysiert und ausgewiesen. Resultat: Dank einem sorgfältig nach sozial-ökologischen Kriterien ausgewählten Anlageuniversum verursacht ein ABS-Anlageportfolio durchschnittlich 50% weniger CO2-Emissionen als ein vergleichbarer Standardindex. Über 400 Titel wurden seitens South Pole Group einer CO2-Analyse unterzogen, die sowohl direkte wie auch indirekte Emissionen berücksichtigt. Dies zeigt nicht nur, dass die ABS transparent ist, sondern auch, dass sie durch ihre Anlagepolitik bewusst Klimarisiken minimiert. Damit folgt sie konsequent den Vorgaben des Pariser Klima-Abkommens und der Klimastrategie der Eidgenossenschaft. Mehr Geld soll in zukunftsgerichtete, weniger in treibhausgasintensive Technologien und Energieträger investiert werden. Wird transparent gemacht, wie sich Investitionen und Finanzierungen auf das Klima auswirken, können alle Beteiligten bewusst klimarelevante Entscheide fällen.

Wenn andere Banken diesem Vorbild folgen, könnte der Schweizer Bankenplatz eine aktivere Rolle im Kampf gegen die Klimaerwärmung spielen.

Weitere Informationen zur Methodik gibt es bei South Pole.

south-pole-group-climate-neutral-now-initative-london-launch-6-638

Detailinformationen zum CO2-Fussabdruck des Anlagegeschäfts bei der ABS findet sich im aktuellen Geschäftsbericht der Bank.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 18. Mai 2017, Quelle Pressemitteilung

 

 

Auch wenn er sich nicht lohnt, der „short-termism“ wird immer kurzfristiger

Die Studie ist schon vom Februar 2017, aber ich bin erst heute durch den aktuellen Handelsblatt-Newsletter für nachhaltige Investments darauf gestossen. McKinsey hat die Auswirkungen eines immer kurzfristiger ausgerichteten Unternehmertums untersucht. Generell steht das Problem des „short-termism“ seit mehreren Jahren auf der Agenda vieler kritischer Investoren. Die Studie, in der sich McKinsey 615 börsennotierte Firmen (leider nur) aus den USA anschaute, kommt nun zu dem Ergebnis: Eine langfristige Ausrichtung der Unternehmensstrategie, die kurzfristigen Anreizen widerstehen kann, lohnt sich. Dass nachhaltiges und langfristiges Investieren gut für die Rendite ist, haben bereits andere Studien gezeigt, aber einige Einzelergebnisse, die der Handelsblatt Newsletter hervorhebt, sind schon beeindruckend. Langfristig orientierte Firmen berücksichtigen dabei auch die Risiken, die sich aus Klimawandel, Arbeitsbedingungen oder Ressourcenknappheit ergeben. Daraus können sich strategische Vorteile ergeben:

  • Zwischen 2001 und 2014 wuchs der Umsatz langfristig handelnder Unternehmen kumulativ um durchschnittlich 45 Prozent stärker als die Umsätze kurzfristig agierender Firmen. Ausserdem gab es niedrigere Schwankungen.
  • Vorausschauende Unternehmen investieren mehr. Sie steckten auch während der Finanzkrise vermehrt Geld in Forschung und Entwicklung. Zwischen 2007 to 2014 wuchsen die durchschnittlichen F&E-Ausgaben langfristig ausgerichteter Firmen jährlich mit 8,5% (die anderen dagegen nur mit 7%).
  • Nicht zuletzt realisierten langfristig ausgerichtete Unternehmen stärkere finanzielle Ergebnisse: Ihre Marktkapitalisierung stieg in dieser Zeit um sieben Milliarden US-Dollar mehr als die der anderen.
  • Sie schaffen mehr Jobs.

Trotz dieser positiven Auswirkungen reisst der Drang zu immer kurzfristiger orientierten Zielen nicht ab. Die folgende Abbildung zeigt, wie sehr sich die meisten Führungskräfte vom Zeitfaktor unter Druck setzen lassen.

shorttermism

SOURCE: Rising to the challenge of short-termism. FCLT Global, September 2016.

Die nächsten Quartalszahlen sind für Firmen, Analysten und Anleger meist interessanter als das langfristige Ertragspotenzial. Natürlich gibt’s auch Ausnahmen, wie Tesla zum Beispiel 🚗  , aber das liegt am CEO und seinem Bild von der Zukunft🚀. Anders als Elon Musk, der zugleich auch einer der Hauptaktionäre Teslas ist, bleiben die meisten CEOs heute nur noch knapp 3 Jahre im Amt. Wozu also langfristig denken?

Der komplette Bericht ist hier nachzulesen. Er ist im Rahmen der Aktivitäten von McKinsey als Mitglied von FCLT Global entstanden. In dieser Initiative haben sich Investoren und Firmen zusammengefunden, die das langfristige Denken und Handeln in Unternehmen fördern möchten. Dazu gehören neben McKinsey u.a. auch BlackRock oder Dow, denen man nicht gerade Kritik am Kapitalismus vorwerfen kann. Alleine BlackRock ist bei einem Drittel aller DAX-Unternehmen größter Einzelaktionär und könnte entsprechend auf Geschäftsführung und Aufsichtsräte Druck ausüben.

Aber soweit sind wir nicht. Vielleicht muss, um nur ein Beispiel zu nennen, BlackRock als Erstes die Zielvereinbarungen der eigenen Fondsmanager überarbeiten? Schneller ist nicht automatisch besser und weiter.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 12.05.2017

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