Zu Gast bei den Mikroökonomen: Unser Linkfest zum Jahresende

Der Jahresrückblick unserer publizistischen Aktivitäten ist schnell gemacht: Anna und Barbara waren als Mitwirkende bei den Mikroökonomen aktiv. Insgesamt haben wir 11 Bücher über Wirtschaft und Finanzen vorgestellt und besprochen. Es hat uns sehr viel Spass gemacht und wir hoffen, mit diesen Kritiken Lust auf mehr nachhaltiges Wirtschaftswissen zu machen. Hier ist die Liste der Podcast-Episoden mit Links, in chronologischer Reihenfolge:

Mein persönlicher Favorit war Amartya Sen: eine anspruchsvolle Lektüre, die ich allen Wirtschaftsstudierenden empfehlen kann. Die grösste Enttäuschung war Katrine Marçals Buch, denn zum Thema Ökonomie und Frauen gäbe es sachlich sehr viel Wichtigeres zu sagen.

Herzlichen Dank an Marco, Ulrich und Hannah, dass wir über die Buchbesprechungen ihre Plattform für unabhängigen Wirtschaftsjournalismus mitgestalten können. Der Podcast kann über alle gängigen Player abonniert werden. Viel Spass beim Hören und Mitdiskutieren!

Berufliche Aktivitäten

Viel ausführlicher wäre der Jahresrückblick, wenn wir auch unsere beruflichen Aktivitäten auf dem Blog Revue passieren liessen. Es ist ganz erfreulich, dass wir drei Vorbänkerinnen inzwischen die Zielsetzung dieses Blogs auch hauptberuflich verfolgen: Anna leitet weiterhin die Fachstelle Nachhaltigkeit bei der Alternativen Bank Schweiz AG und ist Vertretende der Arbeitnehmenden im Verwaltungsrat der Bank, Melanie ist seit Oktober 2019 in der Geschäftsleitung der Alternativen Bank Schweiz AG und Barbara unterrichtete die beiden letzten Jahre das Modul „Nachhaltigkeit und Ethik“ im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der OST Ostschweizer Fachhochschule.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 29. Dezember 2020

Wer kochte Adam Smith das Dinner?

Anna, Barbara und Marco haben für die Mikrooekonomen Katrine Marçals «Machononomics. Die Ökonomie und die Frauen» gelesen. Ich nehme es vorweg: Das Buch hat uns in seiner verhärmten Einseitigkeit enttäuscht. Auch wenn inhaltlich alles richtig ist, was sie schreibt.

Die Kolumnensammlung, ursprünglich auf Schwedisch mit dem Titel «Det enda könet» (Das einzige Geschlecht) erschienen, ist inzwischen in 20 Sprachen übersetzt. Uns hat zunächst einmal der englische Titel angelockt. «Who cooked Adam Smith’s Dinner?» klang nach einer witzigen und entspannten Auseinandersetzung mit ihrer These, dass der homo oeconomicus aka der ökonomische Mann das gesamte Wirtschaftssystem und -denken beherrsche und damit die Weltwirtschaft zerstöre. Die Welt der Wirtschaft sei dermassen von diesem ökonomischen Mann geprägt, dass Frauen darüber ganz vergessen würden.

Margaret Atwoods Einschätzung hat ebenfalls zu unserem ersten positiven Eindruck beigetragen. Die kanadische Autorin kommt zu folgender Bewertung:

«[a ]smart, funny, readable book on economics, money and women ».

zitiert nach Katrine Marçal, LinkedIn-Profil

Leider teilen wir Margaret Atwoods Meinung nicht:

Selten waren wir uns so einig. Hier kann der Podcast gehört werden: https://mikrooekonomen.de/premium-mikrobuch019-katrine-marcal-wie-man-andere-dazu-bringt-die-oekonomik-zu-verteidigen/

Was ist Gerechtigkeit?

Bereits der Buchtitel verspricht den grossen Wurf: Amartya Sens «Die Idee der Gerechtigkeit» will eine umfassende Theorie der Gerechtigkeit entwerfen. Wie gelingt dies dem Ökonomen und Philosophen? Anna, Marco und Barbara stellen das Buch demnächst im Podcast vor. Das passt zeitlich sehr gut, denn Amartya Sen erhält dieses Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Wem gehört die Flöte?

Wer sich mit Gerechtigkeit und der Theorie der Gerechtigkeit auseinandersetzen möchte, der muss, so meint Amartya Sen, zunächst einmal erkennen, was überhaupt Unrecht ist, „dem man abhelfen kann“ (S.7). Amartya Sen nutzt zur Erläuterung seiner zentralen Idee ein Gedankenexperiment, um in die Problematik einzuführen:

Drei Kinder streiten um eine Flöte. Nur das erste Kind kann darauf spielen. Das zweite Kind ist arm und die Flöte wäre sein einziges Spielzeug. Das dritte Kind hat die Flöte selbst geschnitzt. Wem soll sie nun gehören?

zitiert nach der 2. Ausgabe 2107 (2. Auflage 2020), Peritext vorne.

Eines kann ich vorwegnehmen: Eine einfache, eindeutige Antwort auf dieses Gedankenexperiment gibt Sen nicht. Leitmotivisch kommt er immer wieder auf diese Situation zurück, um seine Ideen und die Auseinandersetzung mit denen anderer Denkern und Denkerinnen, die sich zum Thema geäussert haben, zu vertiefen. Dadurch gibt er uns Lesenden immer wieder neue Anregungen, über Gerechtigkeit und die Bedingungen ihres Entstehens nachzudenken.

Niti und nyaya

Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder die kritische Auseinandersetzung mit dem Werk von John Rawls, der wie kein anderer die akademisch-philosophische Vorstellung von Gerechtigkeit geprägt hat. Dabei greift der Wirtschaftswissenschaftler immer wieder auf eine Unterscheidung zurück, die aus der indischen Rechtsprechung kommt: die Unterscheidung von niti und nyaya, die in Sanskrit beide «Gerechtigkeit» bezeichnen und unterschiedliche Aspekte von Gerechtigkeit meinen:

Niti bezeichnet die Korrektheit von Institutionen und Verhalten, während nyaya erfasst, was entsteht und wie es entsteht, und besonders darauf achtet, welches Leben Menschen tatsächlich führen können. Der Unterschied zwischen beiden Konzepten, […]hilft uns,  zu begreifen, dass es zwei Arten des Gerechtseins gibt, die verschieden, wenn auch nicht unabhängig voneinander sind, und dass die Idee der Gerechtigkeit beide berücksichtigen muss.

zitiert nach der 2. Ausgabe 2107 (2. Auflage 2020), S. 15.

Intellektuelles Vermächtnis

Es geht Sen aber nicht allein um ein Zurechtrücken der Rawlsschen Vorstellungen. Das Buch, so scheint es mir, hat einen stark autobiografischen Charakter. Sens opus magnum zeichnet sehr detailliert seine Auseinandersetzung mit der politischen Philosophie und der Moralphilosophie in den Wirtschaftswissenschaften nach. Dabei tritt er in einen intensiven Dialog mit historischen Figuren, auf die er sich immer wieder bezieht (allen voran Adam Smith und der Marquis de Condorcet). Er bezieht sich aber auch immer wieder auf Lob und Kritik an seinen eigenen Veröffentlichungen seitens seiner Weggefährten und demonstriert so sein weit verzweigtes, interdisziplinäres Netzwerk.

Nun mag diese «Show» des eigenen Denkens und Schaffens (die sich in sehr vielen Fussnoten und Sternchen-Anmerkungen dokumentiert) stellenweise ein wenig eitel wirken. Und nötig hat er es auch nicht, denn 1998 wurde ihm der sogenannte Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen. Immerhin hat das Buch durch die vielen Querverweise und (Selbst-)Referenzen damit auch einen positiven Nebeneffekt: Sen macht deutlich, dass die Ökonomie eine moralische Wissenschaft ist, die sich der politischen Philosophie gegenüber öffnen muss, wenn sie vernunftgeleitete Antworten auf die Fragen der Gerechtigkeit finden möchte.

Doch hat er damit Recht? Wie Gerechtigkeit in Sens Verständnis konkret aussehen kann, das möchten wir miteinander und mit Euch diskutieren, hier in der Buchbesprechung.

Wir danken dem dtv, der uns das Rezensionsexemplar freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Dieser Text erschien als Ankündigung am 05.09.2020 bei den Mikroökonomen.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 14. September 2020

Aya Jaff: Keine Angst vor Aktien

«Aktien sind nicht böse», meint Aya Jaff und hat deshalb ein Buch über die Börse geschrieben. Ihr Ziel ist es, jungen Menschen Angst vor der Börse zu nehmen. Das tut sie, indem sie über das, was dort geschieht, in leicht verständlicher Form aufklärt und Geschichten über wirtschaftliche Akteure erzählt. Gelingt ihr dies? Marco, Anna und Barbara besprechen Jaffs «Moneymakers. Wie du die Börse für dich entdecken kannst» in unserer nächsten Runde der Buchkritik.

Wer ist Aya Jaff?

Aya Jaff ist eine 24-jährige Studentin der Wirtschaftswissenschaften und Sinologie. Sie ist im Teenageralter als Mitgründerin und CTO des Börsenspiels «Tradity» für deutsche Schulen bekannt geworden. Als 15-Jährige ging sie mit einem Stipendium nach Kalifornien, um an der Draper University die Grundlagen des Business Development kennenzulernen. Inzwischen hat sie mehrere eigene Firmen gegründet und berät andere, die dies gerne tun möchten. Daher wird sie gerne gebucht als Rednerin für Themen wie Start-Up-Entwicklung, Frauen in technischen Berufen sowie Coding und Trading. Geboren im Irak, kam Jaff im Alter von einem Jahr mit ihren Eltern und der Schwester nach Nürnberg.

Hier stellt sie sich und ihr Buch bei Böhmermann vor:

Worum geht es bei den «Moneymakers»?

Das Buch ist nicht ganz so einfach zusammenzufassen, weil es aus einem Mash-Up verschiedener Elemente besteht. Da gibt es Informationsblöcke, in denen Grundprinzipien des Wirtschaftens und des unternehmerischen Denkens leicht verständlich erklärt werden. Dazu gehört auch im letzten Kapitel ein Werkzeugkasten von Apps und weiteren Informationen, die helfen, sich aktiv mit dem Börsengeschehen auseinanderzusetzen. Gleichzeitig geht es jedoch nicht nur um die Börse aus Anlegersicht, sondern um das «Mind-Set», das es braucht, um als Unternehmer oder Unternehmerin an der Börse erfolgreich zu landen. Deswegen gibt Jaff Einblicke in technologische Trends sowohl aus dem Silicon Valley wie auch aus China. Ebenso wie wir hat sie Kai-Fu Lees Buch über die AI Superpowers gelesen. Angereichert werden die Informationsteile durch zahlreiche Vignetten, in denen sie Persönlichkeiten vorstellt, die «Moneymaker» sind. Deren Geschichten haben sozusagen Vorbildcharakter und zeigen, wie man mit Wirtschaft und Geld umgehen kann.

«Mama didn’t raise no fool»

Aus meiner Sicht lassen sich Text und Person am besten mit einem Zitat von Jay-Z zusammenfassen, das Jaff selber in ihrem Buch bringt (S. 27). Sie ist ein Genie in Sachen Selbstvermarktung:

I sell ice in the winter,
I sell fire in hell,
I am a hustler baby,
I’ll sell water to a well.

Jay-Z, U don’t know, https://www.youtube.com/watch?v=TdAY2g39GdI

Doch genug der Vorrede. Hier könnt Ihr unsere Diskussion über ihr Buch hören:

https://mikrooekonomen.de/podcast/episode/mikrobuch015-geldscheffeln-fuer-anfaenger/

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 09. Juli 2020

Geballtes Wissen für den US-Wahlkampf

Rechtzeitig für den US-Wahlkampf hat Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz seine bisherigen Bücher in einem neuen Buch zusammengefasst. Es trägt den Titel Der Preis des Profits. Wir müssen den Kapitalismus vor sich selber retten. Das Buch ist nicht antikapitalistisch, im Gegenteil. Der realistischere Untertitel würde eher in die Richtung „Wir müssen die USA vor den Trumponomics retten“ gehen. Stiglitz nimmt nicht nur die sozioökonomische Situation in den USA auseinander, um einen erneuten Wahlsieg Trumps zu verhindern. Er entwirft auch ein Gegenprogramm, das die USA zu einer sozialeren und gerechteren liberalen Demokratie machen würde.

Als Stiglitz das Buch im englischen Original Ende letzten Jahres publizierte, hatte er – wie wir alle – keine Ahnung, was uns und speziell die USA 2020 erwarten würde. Angesichts der derzeitigen Eskalation so vieler sozialer und ökonomischer Probleme in den USA ist das gut sozialdemokratische Wirtschaftsprogramm von Stiglitz aktueller denn je. Hier ein Zitat aus dem Buch (S. 239 der deutschen Ausgabe):

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Bei den Mikroökonomen haben wir Stiglitz‘ neues Buch besprochen. Unter folgendem Link sowie bei allen gängigen Podcast-Verteilern könnt Ihr unsere Debatte herunterladen und hören: https://mikrooekonomen.de/podcast/episode/mikrobuch013-josef-e-stiglitz-der-preis-seines-aktivismus/

 

Emile Zola über das Geld und die Börse

Einige Male haben wir uns in unserem Buch-Podcast bereits darüber aufgeregt, wie schlecht manches Buch zu Wirtschaftsthemen geschrieben ist: redundant, schwer verständlich oder aber zu marktschreierisch.

Deshalb haben wir uns bei der letzten Buchbesprechung der Mikroökonomen an einen Klassiker der Weltliteratur gewagt: Emile Zolas Geld. Wir wollten herausfinden, ob die Fiktion besser als die Sachbeschreibung der Wirtschaft sein kann. Zolas Buch erschien zunächst als Fortsetzungsroman zwischen den Jahren 1890-191 in einer Zeitschrift. Zolas warnt in seinem Sittengemälde vor Spekulationen, Insider-Handel und anderen betrügerischen Finanztransaktionen, die trotz der zeitlichen Ferne des Romans sehr stark an den heutigen Börsenbetrieb erinnern.

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Hier könnt Ihr unsere Besprechung hören und kommentieren: https://mikrooekonomen.de/podcast/episode/mikrobuch012-wen-macht-geld-gluecklich/(oder aber abonniert den Podcast „Mikroökonomen“ über Eure bevorzugte Podcast-App bzw. Spotify).

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 06. Mai 2020

 

 

 

Monopole im digitalen Kapitalismus

In der aktuellen Folge des MikroBuchs haben wir uns mit den Monopolisierungstrends der Digitalwirtschaft beschäftigt. Als Diskussionsgrundlage dienen uns Philipp Staabs Buch «Digitaler Kapitalismus. Markt und Herrschaft in der Ökonomie der Unknappheit» (2019) und Peter Thiels «From Zero to One. Wie Innovation unsere Gesellschaft rettet» (2014).

«Competition is for losers»

Wettbewerb gilt als Grundlage einer erfolgreichen Wirtschaft und gesellschaftlicher Wohlfahrt. Der Markt sorgt dafür, dass das rationale Streben der Akteure nach maximalem Gewinn zu einer effizienten Allokation der knappen Güter führt. Davon haben dann alle etwas, so die Theorie. Das Monopol als Abwesenheit von Wettbewerb wird deshalb in der klassischen Wirtschaftstheorie  – bis auf wenige Ausnahmen – verteufelt.

Peter Thiel hat in seinem Bestseller, der auf den Vorlesungsnotizen seines Studenten Blake Masters basiert, diese unkritische Huldigung des Wettbewerbs entzaubert. Denn Kapitalismus, so zitiert Thiel unter Rückgriff auf Schumpeter die klassische Theorie, basiert auf der Akkumulation von Kapital. Doch im perfekten Wettbewerb fallen sämtliche Gewinne dem Konkurrenzkampf zum Opfer (Thiel, S. 28). Wer als Unternehmen also erfolgreiche Gewinne einfahren möchte, sollte darauf achten, dass er alleine einen Markt besetzt. Solche Unternehmen sind kreative Monopolisten.

Jedes dieser Monopole ist einzigartig und Thiel skizziert mehrere Eigenschaften, die das Entstehen einer solchen Alleinstellung möglich machen: eine eigene Technologie, Netzwerkeffekte, Grössenvorteile und Markenbildung.

Thiel schrieb sein Buch als Manifest gegen Konformität im Unternehmertum. Nur wer es schafft, konträr zur landläufigen Meinung zu denken und zu handeln, ist in der Lage, ein erfolgreiches Monopolunternehmen aufzubauen und der Gesellschaft zu nutzen.

Vom digitalisierten Kapitalismus zum privatisierten Merkantilismus

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Thiels Querdenker-Buch ist zur Blaupause des digitalisierten Kapitalismus geworden. Die Überschrift zu seinem Beitrag in der Washington Post, in dem er sein Buch werbewirksam ankündigte, ist längst zum geflügelten Wort in Start-Up-Kreisen geworden: «Competition is for losers.». Die erfolgreichsten globalen Unternehmen scheinen seinem Mantra gläubig zu folgen: Die US-Unternehmen Google, Amazon, Facebook und Apple (GAFA) ebenso wie die chinesischen Firmen Baidu, Alibaba und Tencent (BAT). Und tatsächlich beherrschen diese Firmen inzwischen nicht nur ganze Märkte als klassische Monopolisten, sondern sie haben diese Märkte erst geschaffen. Sie sind ihre Eigentümer geworden. Das ist jedenfalls die Kernthese von Philipps Staabs neuem Buch «Digitaler Kapitalismus. Markt und Herrschaft in der Ökonomie der Unknappheit». Je näher das Angebot einer dieser Metaplattformen dem Angebot des Gesamtmarkts kommt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Kunden sie wieder verlassen (Staab, S. 185). Staab zeichnet die Phasen nach, die diese neue Form des Kapitalismus erst möglich gemacht haben:

  1. Liberalisierung der Märkte
  2. Wachstum im Mobilfunkbereich
  3. Aufstieg des Internets als Basistechnologie mobiler Kommunikation

Die Globalisierung bezeichnet Staab dabei als Steigbügelhalter dieser Entwicklung. Staab untersucht detailliert die merkantilistischen Mechanismen, die diese Unternehmen entwickelt haben, um ihre Monopolstellung zu zementieren:

  • Informationskontrolle
  • Zugangskontrolle
  • Preiskontrolle
  • Leistungskontrolle (Staab, S. 173).

Gute Monopolisten, schlechte Monopolisten

Im Gegensatz zu Thiel sieht Staab in diesen Monopolkonstellationen erhebliche Nachteile für die Gesellschaft. Er zeigt, wie Praktiken der Kundengewinnung und -bindung auf diesen Plattformen zu Bewertungs- und Überwachungsmechanismen werden, die in unser alltägliches Zusammenleben vordringen, die Ungleichheit vergrößern und überhaupt den Begriff dessen, was mit «sozial» gemeint sein könnte, auf den Kopf stellen.

Gibt es eine Möglichkeit, dieser Vorherrschaft des digitalen Kapitalismus etwas entgegenzusetzen? Wir haben im Podcast bei den Mikroökonomen ausgiebig über diese Frage diskutiert. Hier könnt Ihr unsere Debatte nachhören und Euch an der Diskussion beteiligen.

 

 

Neue Erkenntnisse zur Arbeit der Treuhandanstalt

Rechtzeitig zur 30. Wiederkehr des Mauerfalls am 09. November möchte ich unsere letzte Buchbesprechung bei den Mikroökonomen verlinken.

Im letzten MikroBuch-Podcast sprachen wir nämlich über Norbert F. Pötzls aktuelle Analyse der Treuhandanstalt. Ziel seines Buches ist es, den zahlreichen Legenden über die Treuhandanstalt mit nachprüfbaren Fakten entgegenzutreten, ohne dass dabei übersehen wird, dass Erinnerungen auch von Emotionen bestimmt werden. Anhand von erst seit Kurzem zugänglichen Dokumenten soll aufgezeigt werden, was man wissen kann, wenn man es wissen will (Pötzl, S. 31). Pötzl versucht sich also an einer Neubewertung der Treuhandanstalt, die oft als Sündenbock für die Fehlschritte im Rahmen der Wiedervereinigung genannt wird.

Berlin, Mitte, Wilhelmstraße, Detlev-Rohwedder-Haus

Der Journalist Norbert F. Pötzl  analysiert die turbulenten Jahre der Treuhandanstalt in seinem neuen Buch «Der Treuhand-Komplex. Legenden. Fakten. Emotionen» anhand zahlreicher Akten und Interviews. Pötzl war langjähriger Spiegel-Redakeur und leitete von 1990-1994 das Berliner Büro des Magazins. Er kommt zu einem positiveren, differenzierteren Bild.

Die grosse Frage bleibt: Was hilft diese Form der Neubewertung für die Gestaltung der Zukunft? Haben nicht alle längst ihr Bild im Kopf? Darüber haben Marco, Anna und Barbara diskutiert.

Die Episode könnt Ihr hier nachhören. Auf der Seite findet Ihr auch alle weiteren Links, die wir im Podcast erwähnen.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 06. November 2019

Zukunft kommt von Zuversicht

Wir haben einen mutigen und zuversichtlichen Blick in die Zukunft gewagt. Im Podcast der Mikroökonomen haben wir nämlich Uwe Schneidewinds aktuelles Buch „Die Grosse Transformation. Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels“ besprochen. Hier geht es zu unserer Kritik: https://cdn.podigee.com/podcast-player/javascripts/podigee-podcast-player.js   Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 30. September 2019

Wie kommt der Wert in die Welt?

Anna und ich waren einmal wieder bei den Mikroökonomen zu Gast. Wir haben mit Marco und Ulrich das neue Buch der Ökonomin Mariana Mazzucato „Wie kommt der Wert in die Welt. Von Schöpfern und Abschöpfern“ (Campus-Verlag, 2019) besprochen. Hier geht’s zur Folge von MikroBuch005.

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In den Shownotes gibt es weitere zusätzliche Informationen. Insbesondere habe ich auch ihre interessanten wirtschaftshistorischen Ausführungen zur Entwicklung des Wertebegriffs in der Ökonomie in eine Tabelle gepackt. So wird das Ganze, meine ich, etwas übersichtlicher.

Wir freuen uns auf Eure Kommentare, entweder hier oder aber direkt bei den Mikroökonomen.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 28. April 2019