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Geld braucht Gemeinschaft

 

Der Politologe und Soziologe Roland Benedikter hat 2011 ein grundlegendes Buch über Social Banking geschrieben. Wer sind diese Banken, was leisten sie und was verspricht sich Benedikter von ihnen für die Zukunft? Ich sprach mit ihm über diese Themen für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Moneta, die dem Netzwerk sozialer Banken, der Global Alliance for Banking on Values (GABV), gewidmet ist.

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„Good Banking“ unter Trump

Im Frühsommer 2017 besuchte Kay Adler, Strategiechefin der New Resource Bank aus San Francisco, mehrere europäische Partnerbanken aus dem GABV-Netzwerk. Dabei machte sie auch in Olten bei der Alternativen Bank Schweiz AG (ABS) halt. Bei ihrem Zwischenstopp sprach ich mit ihr auf der Sonnenterrasse des Bankgebäudes.

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Moneta: Portrait der GABV

Die neue Ausgabe der Moneta ist da. Themenschwerpunkt ist die Global Alliance for Banking on Values (kurz: GABV).

Ich habe an verschiedenen Stellen des Heftes mitgewirkt:

  • der Überblicksartikel zur Strategie der GABV: Dazu habe ich u.a. mit dem Kommunikationsbeauftragten Jazmin Panjeta im Büro des Netzwerks in Zeist (Niederlande) gesprochen (S. 6-7).
  • das Interview via WhatsApp mit Roland Benedikter mit dem Titel „Geld braucht Gemeinschaft“ hat mir besonders viel Spass gemacht (S.18-19). Im Gespräch mit ihm wurde der Zusammenhang von Geldfunktionen und technologischer Entwicklung deutlich.
  • In Olten hatte ich bereits im Frühsommer Gelegenheit mit Kay Adler, Strategie- und IT-Chefin bei der New Resource Bank in San Francisco, darüber zu sprechen, was für Änderungen sich im Banking durch Trump ergeben würden. Sie sieht durchaus auch Chancen (letzte Seite des Hefts).
  • Und dann berichte ich noch kurz über den 2. Swiss Fintech Day (S. 5) in Schlieren, den ich auch auf dem Blog bereits vorgestellt hatte, und das Experiment der First Green Bank mit der Finanzierung von Medizinalhanf-Projekten (S. 14).

Ja, es sind mehrheitlich PR-Texte, aber für eine gute Sache ;). Und sie ergeben ein gutes Bild, wie wichtig internationales Netzwerken ist, wenn man langfristig in der Nische des „Sustainable Banking“ erfolgreich sein möchte.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 28. September 2017

 

The 2nd Swiss Fintech Day: Cuddling up with the banks

Not one, but two members of the Swiss Federal Council take care of the local Fintech industry. Both Johann Schneider-Ammann, head of federal economic affairs, and Ueli Maurer, head of the federal finance department, have recently engaged quite a lot with the start-ups of this sector. Due to the strong banking tradition of the country, the buzzword Fintech implies the promise that the industry may regain its international competitiveness.

Last Monday, Johann Schneider-Ammann attended the second Swiss Fintech Day at StartUp Space Schlieren. The advocacy association Swiss Finance Startups had organized the event. The Swiss politician saw quite a few demos and learned about key strategies of the young companies: He learned how to exchange Swiss francs for Bitcoin, he got to know the Swiss payment app Twint, and was challenged by various Fintech founders who were invited to present their woes on policy matters. In principle, all are happy to be a start-up in Switzerland. The regulatory supervisor FINMA, some of the entrepreneurs added, also uses the current legal framework to its best, but more legislative action might become necessary in the future. Most start-ups consider the big banks as their biggest threat, because these use the existing regulation in order to maintain the status quo. Other than that, there was little criticism about banks during the event which is little surprising since banks, policy makers and Fintech companies had come together in Schlieren to explore their joint possibilities as the future fintech eco-system.

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Federal Council member Schneider-Ammann learns how to buy bitcoins.

From my point of view, it would have been much better to broaden the concept of the ecosystem. In too many talks and panels it got reduced to the triangle “banks, FINMA as regulatory supervisor and Fintechs”. Much to my relief, one conference participant asked the essential question: Why don’t we try to broaden our view of the eco-system and include industrial companies? A good question because this understanding would help to spark innovation much more. The only start-up with a technical foundation completely outside of the Fintech sector was Climeworks, an ETH spin-off. The company filters out CO2 from the air and has gained international recognition with its demonstration facility in Hinwil this year. Integrating them into the eco-system can help to evolve different business models, which no one has thought about before. Sustainability, for Schneider-Ammann one of the basic values of the digital transformation of the Swiss economy, could play a significant role for Fintechs, too, and help them to differentiate from the banks. Unfortunately, for most Fintech start-ups at the event, sustainability does not play a major role in their business plans.

In this, they follow the paths of most banks. Many founders or employees of these new companies have a background in the banking industry. They used to work either directly for a bank or for one of their many software suppliers in the region. That’s why many of them stick to a mode of thinking, which does not allow them to look beyond the traditional money flows. I got the impression, that most build up a company to be quickly paid out by the incumbent banks. I am convinced that this approach won’t lead to significant innovation. All they seem to want is their small share of the banks’ margin. They have no ambition to have a positive impact on society. I got to know many Fintech companies that can be allocated in the range of efficiency innovation (e.g. automating processes, using machine learning in fraud detection). I also believe that Fintechs are able to create considerable incremental innovation, such as robo advisers, or new authentication methods in a world that is “always on”. Quite smart solutions actually. Yet, I did not get to see any truly disruptive stuff on Monday, which might make banks redundant in the long run. Maybe there were too many bankers, also as heavy sponsors of the event, in the room.

I do not mind if Fintech companies have domain know-how and look for sector contacts. That’s important, especially in a tightly regulated market, but it is equally important to maintain some distance from those that have been in the business for so long. In order to disrupt it’s often better to ignore the processes of the past.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), September 9, 2017

 

 

 

 

 

 

Verderben zu viele Banker den Schweizer Fintech-Brei?

 

Gleich zwei Schweizer Bundesräte kümmern sich um die Fintech-Branche. Die Start-Ups finden sowohl bei Johann Schneider-Ammann als auch Ueli Maurer ein offenes Ohr für ihre Anliegen. So besuchte Johann Schneider-Ammann am letzten Montag, 04.09.2017, den zweiten Swiss Fintech Day im StartUp Space Schlieren. Er liess sich zeigen, was die jungen Fintech-Unternehmen in der Schweiz auf dem Kasten haben. Schneider-Ammann kam aber auch, um zu hören, was diese von der Politik erwarten. Grundsätzlich seien die Rahmenbedingungen für Start-Ups in der Schweiz gut, bekam er als häufigste Antwort zu hören. Auch die Finma mache das Beste aus dem rechtlichen Rahmen, so der Tenor der vertretenen Start-Ups. Die grösste Gefahr sehen sie in den etablierten Banken, die die bestehende Regulierung nutzen, um sich als Platzhirsche behaupten zu können. Das war denn auch die härteste Breitseite, die gegen die Banken am Event gefahren wurde. Themenschwerpunkt des Tages war nämlich die Selbstfindung und -darstellung als Fintech-Ökosystem. Man kuschelte lieber miteinander.

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Bundesrat Schneider-Ammann mit zwei Mitarbeitern von Bitcoin Suisse, die ihm den Bitcoin-Automaten erklären.

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Fintech-Jobs für Ohio

Ohio ist auf Werbetour in der Schweiz. Es ist die Aufgabe von Valentina Isakina, Geld und Unternehmen zu finden, die in Ohio Jobs schaffen wollen. Nach Ohio? Ist das nicht Teil von Fly-Over-Country America? Wer will da schon hin? Start-Ups, die Kontakte und Kapital suchen, gehen ins Silicon Valley oder nach New York City. Ausländische Start-Ups machen einen Bogen um Ohio, denn wer garantiert ihnen, dass sie – gerade unter Trump – die notwendigen Visa erhalten? Valentina Isakina möchte diese Wahrnehmung ändern. Denn der Fintech-Hype um die beiden Küstenstädte San Francisco und New York  habe noch nie so ganz der wirtschaftlichen Wirklichkeit entsprochen, meint sie. Nach New York City hat Ohio die meisten Hauptsitze von Banken und Versicherungen in den USA. Das sind fast alles Unternehmen aus dem Second Tier, die hauptsächlich in den USA tätig sind.

Ich habe Valentina Isakina, Managing Director bei JobsOhio und zugleich Board Member des angeschlossenen Accelerators Fintech71 am 2. Swiss Fintech Days in Schlieren getroffen und mit ihr über ihre Ziele gesprochen.

 

Valentina Isakina

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Regulierung für mehr Innovation

Chancen und Risiken des Fintech-Sektors

Mit der richtigen regulatorischen Unterstützung kann FinTech den Finanzsektor neu gestalten – das ist die Antwort, mit der die NGO Finance Watch diese Woche auf eine öffentliche Konsultation der EU-Kommission zu Fintech reagiert.
Gerade aus Konsumentensicht sieht Finance Watch die Fintech-Entwicklung als grosse Chance für den Sektor, sieht aber auch die Risiken unbeabsichtigter Folgen. Vereinsvorstand Rainer Lenz fasst die Meinung von Finance Watch wie folgt zusammen:

„FinTech hat großes Potenzial, das Wohlergehen der EU-Bürger zu verbessern, indem es mit trägen Finanzinstituten konkurriert, Kosten reduziert und  Barrieren für Kredit- und Transaktionsdienste beseitigt. Aber es könnte auch neue Risiken für die Bürger und das Finanzsystem schaffen, die wir nicht vollständig verstehen, zum Beispiel durch unsere Interaktionen mit großen Daten und künstlicher Intelligenz. Ob der Sektor in Zukunft vorwiegend positiv weiterentwickelt wird, wird in hohem Maße davon abhängen, wie sich die Entscheidungsträger jetzt engagieren. „

Finance Watch empfiehlt, dass die EU eine aktive Rolle bei der Schaffung eines neuen einheitlichen Regulierungsrahmens für FinTech spielt und zunächst die Bereiche in den Mittelpunkt rückt, die den finanziellen Bedürfnissen der Gesellschaft am besten entsprechen:  Transaktionsdienstleister, Crowdfunding und Robo-Advisor. Ziel sei es, von Anfang an hohe Standards und Vertrauen in den Sektor aufzubauen. Das empfohlene Regelwerk könne damit allbekannte Ineffizienzen und Risiken der Banken vermeiden, indem

  • Ersparnisse in Richtung langfristige, nachhaltige Investments gelenkt werden könnten,
  • die Retailkunden vor Manipulation und Missbrauch geschützt würden,
  • personenbezogene Daten geschützt würden,
  • gemeinsame Standards offengelegt würden, so dass Plattformen miteinander verglichen werden könnten und
  • grenzüberschreitende Barrieren entfernt würden.

„Let’s embrace regulation“ – Wie Fintechs mit Regulierung umgehen

Nach meiner Einschätzung werden Fintech-Vertreter mit dieser Aufforderung zur Regulierung ganz anders umgehen als traditionelle Banken. Während letztere schnell und generell aufschreien, wenn das Thema zur Sprache kommt, haben Fintechs längst begriffen, dass sie besser fahren, wenn sie Politik und Aufsichtsbehörden zu ihren Verbündeten machen. Das war auch der Tenor von Richards Olsen’s Antwort diese Woche an der GDI Blockchain Valley Conference. Der Gründer u.a. von Lykke, einer mobilen Handelsplattform auf der Basis von Blockchain, meinte lakonisch auf die Frage nach dem Umgang mit Regulierung: „Let’s embrace regulation.“ Das klingt ungewöhnlich für ein Umfeld, das sich als libertär versteht.

Zumindest für die Schweizer Fintech-Szene, die ich einigermassen beurteilen kann, scheint diese friedliche Ko-Existenz mit den Regulierungsbehörden bereits zu funktionieren. Die hiesigen Fintech-Communities haben sich inzwischen sehr gut in Form von Verbänden organisiert (z.B. Swiss Finance Start-ups, Bitcoin Association Switzerland), um in Bern gezielt Lobbyarbeit zu betreiben. Mit wem auch immer ich rede, alle sind beispielsweise gegenüber der Finma positiv eingestellt. Manchmal heisst neue Regulierung nämlich auch, dass es keine Regulierung gibt, wie beispielsweise bei der Sandbox. Die Sandbox ist ein von der Finma geschaffenes, eng begrenztes „bewilligungsfreies Entwicklungsfeld für Finanzinnovatoren“, in denen seit letztem Jahr mit neuen Geschäftsmodellen experimentiert werden kann. Das kommt gut an.

Und eines darf man auch nicht vergessen: Für viele Fintechs bilden Melde- und Bewilligungspflichten der Banken gegenüber den Behörden und interne Compliance-Vorgaben überhaupt erst die Basis des eigenen Geschäftsmodells. Mit Regtech (kurz für „Regulatory Technology“) ist ein ganzer Subbereich von Fintechs entstanden, der von den komplexen Regulierungsanforderungen leben möchte. Honi soit qui mal y pense.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 17.06.2017, Individualmitglied bei Finance Watch

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