Modellansatz für ethisches Management

Wie muss das Bankmanagement geschaffen sein, auf welcher Basis sollen Entscheidungen getroffen werden, um im Spannungsfeld von Shareholder Value und Reputationsrisiko sicher zu navigieren? Die mediale Berichterstattung über das (Fehl-)Verhalten der Schweizer Banken ist sowohl im In- als auch im Ausland in den letzten Jahren in manchen Fällen zu einer regelrechten Banken-Hetzjagd ausgeartet. Politik und Gesetzgeber reagierten und reagieren noch immer mit erhöhtem Druck und schärferer Regulierung der Branche. Aus Sicht der Gesellschaft muss ein nicht unbedeutender Schaden für die Reputation der Branche und eine wachsende Unbeliebtheit einschlägiger Berufe konstatiert werden. Die Bankbranche wird als moralisch mehrheitlich fragwürdige Industrie wahrgenommen und ihre Exponenten als gierige Bonusbanker bezeichnet. Diese Entwicklung erfuhr durch die Annahme der Abzockerinitiative und die dadurch gestärkte Position der Shareholder einen ersten Höhepunkt. Der ausgebaute Fokus auf den Shareholder wirft gerade in Zeiten, in denen ethisches Investment und Nachhaltigkeitsfonds mit ihrer Performance glänzen, die Frage auf, welche Zusammenhänge zwischen Shareholder Value und Ethik bestehen und welche praktische Bedeutung das für die Bankführung hat.

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Das Internet der rollenden Dinge

Elon Musk hat’s einmal wieder geschafft, dass ihm mit einem lapidaren Tweet alle zuhören. Ganz locker verkündete er, dass er eine mündliche Zusage der Bundesbehörden habe, eine Hyperloop-U-Bahn zwischen New York City und Washington DC zu bauen.

Er ruderte schnell zurück, denn noch liegen ihm keine formalen Zusagen vor. Wer ihm nun was genau zugesagt hat, steht vorerst nur in den Sternen und seiner Phantasie. Beides ist bei ihm eng miteinander verbunden. Immerhin macht Musk voran, denn grosse Bauprojekte haben es angesichts hoher Regulierungsdichte und vieler Stakeholder mit ganz verschiedenen Interessen nicht einfach, eine Genehmigung zu erhalten.

Auch in der Schweiz haben wir mit Cargo sous terrain ein vergleichsweise wagemutiges Unterfangen, das sich durch die Mühlen der Finanzierung (was für Musk offensichtlich nie ein Problem ist) und der Gesetze kämpft und noch einen langen Weg bis zum ersten Spatenstich vor sich hat. Cargo sous terrain verspricht, den Gütertransport in der Schweiz mit einem Tunnelsystem und automatisierter Steuerung umweltfreundlich und effizient zu gestalten. 

In der letzten Moneta-Ausgabe (02/2017) habe ich einen aktuellen Abriss über das Grossprojekt gegeben. Die Debatte um komplizierte und langwierige Genehmigungsverfahren ist ein guter Anlass, den Beitrag auch auf dem Blog online zu stellen.

Kern des Logistikprojekts Cargo sous terrain (CST) ist ein Tunnelsystem, in dem Güter unterirdisch transportiert werden sollen. Die Tunnels für den Warentransport würden wichtige Logistik- und Produktionsstandorte mit Umladestationen in den grossen Städten, den sogenannten Hubs, verbinden. In einem ersten Bauabschnitt bis 2030 ist ein Tunnel zwischen Härkingen/Niederbipp und Zürich geplant. Bis 2050 soll die Strecke St. Gallen bis Genf angeschlossen sein, mit Tunnelästen nach Basel, Luzern und Thun.

Eine Studie bestätigt die Machbarkeit des Unterfangens. Der Bundesrat begrüsst das Vorhaben ebenfalls. Ein Gutachten des Bundes kommt zu dem Schluss, dass das Projekt vor allem die zukünftigen Bedürfnisse des Detailhandels und der Paketlogistik abdeckt. Mit dem neuen System könnten Ankunftszeiten garantiert werden. Das ist für Daniel Wiener, dem Kommunikationsverantwortlichen des Projekts, ein wichtiger Vorteil des neuen Systems. Heutzutage ist eine solche Garantie nicht umsetzbar. Eine grosse Rolle spielten ausserdem der voll automatisierte, kostengünstige Betrieb und die kontinuierliche Steuerung der Güter ohne Wartezeiten und ohne Staus, ergänzt Wiener. Damit sei das Projekt Teil der Digitalisierungsstrategie des Bundes. Gleichzeitig sei der Betrieb ökologisch sinnvoll: Die unterirdischen Transporte sollen in elektrischen Fahrzeugen erfolgen. Auch bei der Abdeckung der «letzten Meile» vom Hub zur Kundschaft will man auf nachhaltige Transportmittel setzen. Im Vergleich zur heutigen Nutzung der Infrastruktur würden sich grosse Einsparungen bei den Lärm- und CO2-Emissionen ergeben (s. Abbildung).

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Private Finanzierung

Das Projekt kommt in der Öffentlichkeit gut an: Der Tunnelbau setzt auf bewährte Schweizer Ingenieurskunst. Intelligente Informationssteuerung und ökologische Nachhaltigkeit stehen für die innovative Seite des Projekts. Das könnte auch aus Anlegerseite langfristig attraktiv aussehen. Der Bund ist allerdings erst bereit, das notwendige Spezialgesetz zu verabschieden, wenn CST 100 Millionen Franken als Anschubfinanzierung bereitstellt. Das Projekt mit Gesamtkosten von 3.5 Milliarden Franken für die erste Tunnelstrecke muss sich privat finanzieren. CST ist im Gespräch mit Pensionskassen und anderen institutionellen Anlegern, um die Finanzierung sicherzustellen. Erste Investoren haben bereits zugesagt. Einen späteren Gang an die Börse schliesst Wiener nicht aus, komme aber vor 2025 nicht in Frage. Klar ist, diese Anschubfinanzierung kommt nicht von den heutigen Hauptaktionären (u.a. Coop, Migros, Swisscom, Rhenus, Mobiliar). Durch das zusätzliche Beteiligungskapital soll das Projekt auf eine breite Basis gestellt werden.

Autonome Fahrzeuge als Alternative

Doch das Projekt spürt auch Gegenwind. Die Kantone Aargau und Solothurn sind nicht ganz überzeugt. Man hat Angst, dass der Verkehr rund um die Hubs zunehmen würde. Thomas Sauter-Servaes, Mobilitätsforscher an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, ist ebenfalls skeptisch. Zwar findet er die Grundidee gut. Insgesamt aber schätzt er, dass durch das Projekt «zu viele neue Kapazitäten in Beton» entstehen würden. Er warnt, dass der technische Fortschritt den Verkehr, wie wir ihn heute kennen, komplett ändern werde und damit das Geschäftsmodell von CST in Frage stelle. Seine Vision besteht darin, die bestehenden Strassenkapazitäten besser auszunutzen. Er setzt auf die Fortschritte bei elektrischen und autonomen Fahrzeugen, und zwar für den Personen- wie den Güterverkehr. Damit sei die Schadstoffproblematik vom Tisch, führt Sauter-Servaes aus. Grosse Wirkung verspricht er sich zudem vom Umstieg auf sogenannte Taxisysteme (Car Sharing, Ride Sharing, Cargo Sharing): Miteinander vernetzte Roboter-Taxis befördern Menschen und Güter auf Abruf an den gewünschten Ort. Studien aus München, Stuttgart und Lissabon zeigen, dass diese Entwicklung dazu führen werde, dass nur noch rund ein Zehntel der heutigen Fahrzeuge überhaupt benötigt würden. Insbesondere der Einsatz autonomer Fahrzeuge im Gütertransport könne zu höherer Effizienz führen, meint Sauter-Servaes. Dazu zählt er die höhere Sicherheit im Strassenverkehr, die Nutzung von Stromüberkapazitäten in auslastungsarmen Zeiten und das Fahren im Konvoi mit Mindestabstand (= Platooning).

Damit würden die aktuellen Strassenkapazitäten völlig ausreichen. Es bräuchte keine neuen Tunnel. Ein wesentliches Risiko bleibt auch in dieser Vision: Wie werden die Menschen diese vernetzte und datengetriebene Verkehrswelt annehmen, die in fünf bis zehn Jahren technisch möglich ist? Diese Unsicherheiten werden auch die privaten Investoren von Cargo sous terrain in ihre Entscheidung miteinbeziehen müssen. Und möglicherweise geht es gar nicht um ein Entweder-Oder. Elon Musk setzt bekanntlich auch auf mehrere Pferde.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 22. Juni 2017, Link zum Originalartikel

 

 

Warum eine Alternative zu kiva und Zidisha?

Jürg Wyss hat vor einigen Monaten über seine Einschätzung zu den Mikrokredit-Plattformen Kiva und Zidisha gebloggt. Über den Podcast zu Mikrokrediten mit @egghat und mir kamen wir auf Twitter ins Gespräch. Lest bitte, welche Alternative zu Mikrokrediten Jürg derzeit in den Phillippinen aufbaut. Das ist sehr interessant. Ich bewundere sein Engagement und verfolge seine Aktivitäten auch regelmäßig.
Für mich selber ist das jedoch nicht der richtige Weg. Ich sehe den Schwerpunkt im Aufbau der relevanten Institutionen vor Ort (NGOs, Kooperativen, Banken, Aufsichtsbehörden), auch wenn – typisch für das Geldgewerbe – ohne Regulierung mit Auswüchsen, wie Wucher und Nötigung, gerechnet werden muss. Diese Makel hindern mich nicht daran, eine ordentliche Finanzinfrastruktur mit aufzubauen. Dann können langfristig viele sicherer zahlen, sparen und bei Bedarf eben auch investieren. Ich denke deshalb, dass dieser Institutionenaufbau in Summe nachhaltiger wirken kann als ein persönliches Engagement – das ist auch mein Fazit aus dem Podcast.
Gerade wenn es um Geld geht, finde ich die persönliche Abhängigkeit eines Kreditnehmers von mir als Geldgeberin eher problematisch. Auf jegliche Form von Emotionalisierung möchte ich im Geldbereich lieber verzichten (auch ein Grund, weshalb ich Kiva nicht mag). Ich möchte auch nicht verschweigen, dass ich auf dieser persönlichen Ebene von finanzieller Unterstützung + Coaching eine ganz schlechte eigene Erfahrung gemacht habe. Ein Einzelfall gewiss – aber für mich prägend.
So ist es gut, dass es verschiedene Wege gibt, nachhaltige Entwicklung voranzutreiben.
Hier geht’s zu seinem Blogbeitrag:

Wird das Gemeinwohl wirksam geschützt?

Suleika Reiners, Mitglied von Finance Watch, hat  einen guten Gastbeitrag zur notwendigen EU-Finanzmarktreform in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht.

Sie zeigt anhand mehrerer Beispiel Regulierungslücken auf und plädiert ganz klar dafür, die Eigenkapitalquote für Banken zu erhöhen. Die derzeitigen Vorgaben reichen nicht aus, das Gemeinwohl vor möglichen Missständen des Finanzsektors zu schützen.

Anlass des Artikels ist eine öffentliche Anhörung der EU-Kommission über die bisherige Finanzmarktreform am heutigen Tag in Brüssel. Die Branche klagt über eine zu grosse Regulierungslast.

Hier geht es zu ihrem Beitrag: Fit für eine wirksame Finanzmarktreform.

 

Barbara Bohr, 17.05.2016 (ebenfalls Mitglied bei Finance Watch)

Crowdfunding campaign for an excellent blog

„Keep Talking Greece“ is an excellent blog in English language giving us an insight into what it means to live in a crisis-ridden country. The blog covers general news and opinions from Greece and Southern Europe as seen from an anti-austerity point of view. With accurate and up-to-date reporting “KeepTalkingGreece” is a valuable and credible source of […]

Joie de vivre!

Für heute mal kein Bankenthema, anderes erscheint mir wichtiger.
Schwermut mit Leichtigkeit beschrieben, das kann nicht jede(r).
Idealisiert? Bien sur. C’est Paris.

Eternal springtime

20150412_191242 Je suis née et j’ai grandi à Paris, plus qu’une capitale sur une carte, c’est ma mère Patrie.

J’en connais les défauts:la pollution, le manque d’espaces verts, les crottes de chien, les taxis parfois ronchons,les loyers surréalistes des appartements minuscules, les métros bondés façon sauna et parfois les gens aussi aimables que des portes de prison.

Pourtant, j’apprécie trop ses qualités pour avoir jamais envisagé de la quitter:

– la tour Eiffel qui scintille au loin comme par magie

– les balades sur les quais avec ses bouquinistes de carte postale , ses pépiniéristes et ses animaleries qui sentent le fauve („Dis Maman, on peut acheter un poisson roouuuge???„)

– Montmartre qui trône sur sa butte comme le plus élégant des cupcakes

– les petites mamies dans leur panoplie IMMT (imper-mise en plis-mephisto-teckel), dans la queue du Franprix, à la boulangerie, toujours aux heures de pointe (!!!)

–…

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Anthropologie für Ökonomen

Interessieren sich Ökonomen für Anthropologie?

Ich bin mir da nicht so sicher. Das würde nämlich bedeuten, die gesicherte Modellwelt zu verlassen und sich mit echten Menschen zu befassen. Ein Perspektivwechsel würde sich aber lohnen, wie eine Literaturliste zeigt, die Erin B. Taylor, Postdoc am Instituto de Ciências Sociais der Universität in Lissabon, zusammengestellt hat. Spätestens seit der Finanzkrise übt die „Spezies“ der Banker eine grosse Anziehungskraft auf die Anthropologie aus. Dank ihres speziellen und geheimnisumwitterten Habitus haben sich die Finanzleute eine Parallelwelt aufgebaut, die den meisten Menschen so fremd und unverständlich ist wie ein nicht-kontaktiertes Amazonasvolk – und uns doch zu beherrschen scheint. Inzwischen scheinen sich mehr Soziologen, Anthropologen und Ethnologen um diese Spezies zu kümmern als die Wirtschaftswissenschaft. Das sollte sich ändern.

The_worship_of_Mammon

Hier ist der Link zur Liste: http://erinbtaylor.com/anthropology-for-economists/