Fintech-Jobs für Ohio

Ohio ist auf Werbetour in der Schweiz. Es ist die Aufgabe von Valentina Isakina, Geld und Unternehmen zu finden, die in Ohio Jobs schaffen wollen. Nach Ohio? Ist das nicht Teil von Fly-Over-Country America? Wer will da schon hin? Start-Ups, die Kontakte und Kapital suchen, gehen ins Silicon Valley oder nach New York City. Ausländische Start-Ups machen einen Bogen um Ohio, denn wer garantiert ihnen, dass sie – gerade unter Trump – die notwendigen Visa erhalten? Valentina Isakina möchte diese Wahrnehmung ändern. Denn der Fintech-Hype um die beiden Küstenstädte San Francisco und New York  habe noch nie so ganz der wirtschaftlichen Wirklichkeit entsprochen, meint sie. Nach New York City hat Ohio die meisten Hauptsitze von Banken und Versicherungen in den USA. Das sind fast alles Unternehmen aus dem Second Tier, die hauptsächlich in den USA tätig sind.

Ich habe Valentina Isakina, Managing Director bei JobsOhio und zugleich Board Member des angeschlossenen Accelerators Fintech71 am 2. Swiss Fintech Days in Schlieren getroffen und mit ihr über ihre Ziele gesprochen.

 

Valentina Isakina

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Das Internet der rollenden Dinge

Elon Musk hat’s einmal wieder geschafft, dass ihm mit einem lapidaren Tweet alle zuhören. Ganz locker verkündete er, dass er eine mündliche Zusage der Bundesbehörden habe, eine Hyperloop-U-Bahn zwischen New York City und Washington DC zu bauen.

Er ruderte schnell zurück, denn noch liegen ihm keine formalen Zusagen vor. Wer ihm nun was genau zugesagt hat, steht vorerst nur in den Sternen und seiner Phantasie. Beides ist bei ihm eng miteinander verbunden. Immerhin macht Musk voran, denn grosse Bauprojekte haben es angesichts hoher Regulierungsdichte und vieler Stakeholder mit ganz verschiedenen Interessen nicht einfach, eine Genehmigung zu erhalten.

Auch in der Schweiz haben wir mit Cargo sous terrain ein vergleichsweise wagemutiges Unterfangen, das sich durch die Mühlen der Finanzierung (was für Musk offensichtlich nie ein Problem ist) und der Gesetze kämpft und noch einen langen Weg bis zum ersten Spatenstich vor sich hat. Cargo sous terrain verspricht, den Gütertransport in der Schweiz mit einem Tunnelsystem und automatisierter Steuerung umweltfreundlich und effizient zu gestalten. 

In der letzten Moneta-Ausgabe (02/2017) habe ich einen aktuellen Abriss über das Grossprojekt gegeben. Die Debatte um komplizierte und langwierige Genehmigungsverfahren ist ein guter Anlass, den Beitrag auch auf dem Blog online zu stellen.

Kern des Logistikprojekts Cargo sous terrain (CST) ist ein Tunnelsystem, in dem Güter unterirdisch transportiert werden sollen. Die Tunnels für den Warentransport würden wichtige Logistik- und Produktionsstandorte mit Umladestationen in den grossen Städten, den sogenannten Hubs, verbinden. In einem ersten Bauabschnitt bis 2030 ist ein Tunnel zwischen Härkingen/Niederbipp und Zürich geplant. Bis 2050 soll die Strecke St. Gallen bis Genf angeschlossen sein, mit Tunnelästen nach Basel, Luzern und Thun.

Eine Studie bestätigt die Machbarkeit des Unterfangens. Der Bundesrat begrüsst das Vorhaben ebenfalls. Ein Gutachten des Bundes kommt zu dem Schluss, dass das Projekt vor allem die zukünftigen Bedürfnisse des Detailhandels und der Paketlogistik abdeckt. Mit dem neuen System könnten Ankunftszeiten garantiert werden. Das ist für Daniel Wiener, dem Kommunikationsverantwortlichen des Projekts, ein wichtiger Vorteil des neuen Systems. Heutzutage ist eine solche Garantie nicht umsetzbar. Eine grosse Rolle spielten ausserdem der voll automatisierte, kostengünstige Betrieb und die kontinuierliche Steuerung der Güter ohne Wartezeiten und ohne Staus, ergänzt Wiener. Damit sei das Projekt Teil der Digitalisierungsstrategie des Bundes. Gleichzeitig sei der Betrieb ökologisch sinnvoll: Die unterirdischen Transporte sollen in elektrischen Fahrzeugen erfolgen. Auch bei der Abdeckung der «letzten Meile» vom Hub zur Kundschaft will man auf nachhaltige Transportmittel setzen. Im Vergleich zur heutigen Nutzung der Infrastruktur würden sich grosse Einsparungen bei den Lärm- und CO2-Emissionen ergeben (s. Abbildung).

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Private Finanzierung

Das Projekt kommt in der Öffentlichkeit gut an: Der Tunnelbau setzt auf bewährte Schweizer Ingenieurskunst. Intelligente Informationssteuerung und ökologische Nachhaltigkeit stehen für die innovative Seite des Projekts. Das könnte auch aus Anlegerseite langfristig attraktiv aussehen. Der Bund ist allerdings erst bereit, das notwendige Spezialgesetz zu verabschieden, wenn CST 100 Millionen Franken als Anschubfinanzierung bereitstellt. Das Projekt mit Gesamtkosten von 3.5 Milliarden Franken für die erste Tunnelstrecke muss sich privat finanzieren. CST ist im Gespräch mit Pensionskassen und anderen institutionellen Anlegern, um die Finanzierung sicherzustellen. Erste Investoren haben bereits zugesagt. Einen späteren Gang an die Börse schliesst Wiener nicht aus, komme aber vor 2025 nicht in Frage. Klar ist, diese Anschubfinanzierung kommt nicht von den heutigen Hauptaktionären (u.a. Coop, Migros, Swisscom, Rhenus, Mobiliar). Durch das zusätzliche Beteiligungskapital soll das Projekt auf eine breite Basis gestellt werden.

Autonome Fahrzeuge als Alternative

Doch das Projekt spürt auch Gegenwind. Die Kantone Aargau und Solothurn sind nicht ganz überzeugt. Man hat Angst, dass der Verkehr rund um die Hubs zunehmen würde. Thomas Sauter-Servaes, Mobilitätsforscher an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, ist ebenfalls skeptisch. Zwar findet er die Grundidee gut. Insgesamt aber schätzt er, dass durch das Projekt «zu viele neue Kapazitäten in Beton» entstehen würden. Er warnt, dass der technische Fortschritt den Verkehr, wie wir ihn heute kennen, komplett ändern werde und damit das Geschäftsmodell von CST in Frage stelle. Seine Vision besteht darin, die bestehenden Strassenkapazitäten besser auszunutzen. Er setzt auf die Fortschritte bei elektrischen und autonomen Fahrzeugen, und zwar für den Personen- wie den Güterverkehr. Damit sei die Schadstoffproblematik vom Tisch, führt Sauter-Servaes aus. Grosse Wirkung verspricht er sich zudem vom Umstieg auf sogenannte Taxisysteme (Car Sharing, Ride Sharing, Cargo Sharing): Miteinander vernetzte Roboter-Taxis befördern Menschen und Güter auf Abruf an den gewünschten Ort. Studien aus München, Stuttgart und Lissabon zeigen, dass diese Entwicklung dazu führen werde, dass nur noch rund ein Zehntel der heutigen Fahrzeuge überhaupt benötigt würden. Insbesondere der Einsatz autonomer Fahrzeuge im Gütertransport könne zu höherer Effizienz führen, meint Sauter-Servaes. Dazu zählt er die höhere Sicherheit im Strassenverkehr, die Nutzung von Stromüberkapazitäten in auslastungsarmen Zeiten und das Fahren im Konvoi mit Mindestabstand (= Platooning).

Damit würden die aktuellen Strassenkapazitäten völlig ausreichen. Es bräuchte keine neuen Tunnel. Ein wesentliches Risiko bleibt auch in dieser Vision: Wie werden die Menschen diese vernetzte und datengetriebene Verkehrswelt annehmen, die in fünf bis zehn Jahren technisch möglich ist? Diese Unsicherheiten werden auch die privaten Investoren von Cargo sous terrain in ihre Entscheidung miteinbeziehen müssen. Und möglicherweise geht es gar nicht um ein Entweder-Oder. Elon Musk setzt bekanntlich auch auf mehrere Pferde.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 22. Juni 2017, Link zum Originalartikel

 

 

Service-as-a-country: Die digitale Transformation Estlands

An der Blockchain Valley Konferenz am GDI im Juni habe ich mit Aet Rahe gesprochen. Sie hat bis 2016 als stellvertretende Leiterin Informationstechnik am Estnischen Ministerium für Wirtschaft und Kommunikation den digitalen Transformationsprozess Estlands mitgestaltet. Ich habe das Interview für donna informatica, das ist die Fachgruppe der Frauen innerhalb der Schweizer Informatik-Gesellschaft (SI), geführt.

Weshalb ich den Artikel hier reblogge?

Banken spielen gemeinsam mit den Telekom-Anbietern und dem Staat die wichtigste Rolle beim Aufbau der digitalen Gesellschaft Estland. Die Banken sorgen – wen wundert’s – für das Gros an Transaktionen. Von daher ist Estland ein schönes Beispiel dafür, dass wenig sinnvoll es ist, Staat und Privatwirtschaft ständig gegeneinander ausspielen zu wollen. Mit einer sinnvollen Arbeits- und Kostenteilung profitieren vor allem die Esten und Estinnen.

Hier geht’s zum Artikel.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 29. Juni 2017

 

Regulierung für mehr Innovation

Chancen und Risiken des Fintech-Sektors

Mit der richtigen regulatorischen Unterstützung kann FinTech den Finanzsektor neu gestalten – das ist die Antwort, mit der die NGO Finance Watch diese Woche auf eine öffentliche Konsultation der EU-Kommission zu Fintech reagiert.
Gerade aus Konsumentensicht sieht Finance Watch die Fintech-Entwicklung als grosse Chance für den Sektor, sieht aber auch die Risiken unbeabsichtigter Folgen. Vereinsvorstand Rainer Lenz fasst die Meinung von Finance Watch wie folgt zusammen:

„FinTech hat großes Potenzial, das Wohlergehen der EU-Bürger zu verbessern, indem es mit trägen Finanzinstituten konkurriert, Kosten reduziert und  Barrieren für Kredit- und Transaktionsdienste beseitigt. Aber es könnte auch neue Risiken für die Bürger und das Finanzsystem schaffen, die wir nicht vollständig verstehen, zum Beispiel durch unsere Interaktionen mit großen Daten und künstlicher Intelligenz. Ob der Sektor in Zukunft vorwiegend positiv weiterentwickelt wird, wird in hohem Maße davon abhängen, wie sich die Entscheidungsträger jetzt engagieren. „

Finance Watch empfiehlt, dass die EU eine aktive Rolle bei der Schaffung eines neuen einheitlichen Regulierungsrahmens für FinTech spielt und zunächst die Bereiche in den Mittelpunkt rückt, die den finanziellen Bedürfnissen der Gesellschaft am besten entsprechen:  Transaktionsdienstleister, Crowdfunding und Robo-Advisor. Ziel sei es, von Anfang an hohe Standards und Vertrauen in den Sektor aufzubauen. Das empfohlene Regelwerk könne damit allbekannte Ineffizienzen und Risiken der Banken vermeiden, indem

  • Ersparnisse in Richtung langfristige, nachhaltige Investments gelenkt werden könnten,
  • die Retailkunden vor Manipulation und Missbrauch geschützt würden,
  • personenbezogene Daten geschützt würden,
  • gemeinsame Standards offengelegt würden, so dass Plattformen miteinander verglichen werden könnten und
  • grenzüberschreitende Barrieren entfernt würden.

„Let’s embrace regulation“ – Wie Fintechs mit Regulierung umgehen

Nach meiner Einschätzung werden Fintech-Vertreter mit dieser Aufforderung zur Regulierung ganz anders umgehen als traditionelle Banken. Während letztere schnell und generell aufschreien, wenn das Thema zur Sprache kommt, haben Fintechs längst begriffen, dass sie besser fahren, wenn sie Politik und Aufsichtsbehörden zu ihren Verbündeten machen. Das war auch der Tenor von Richards Olsen’s Antwort diese Woche an der GDI Blockchain Valley Conference. Der Gründer u.a. von Lykke, einer mobilen Handelsplattform auf der Basis von Blockchain, meinte lakonisch auf die Frage nach dem Umgang mit Regulierung: „Let’s embrace regulation.“ Das klingt ungewöhnlich für ein Umfeld, das sich als libertär versteht.

Zumindest für die Schweizer Fintech-Szene, die ich einigermassen beurteilen kann, scheint diese friedliche Ko-Existenz mit den Regulierungsbehörden bereits zu funktionieren. Die hiesigen Fintech-Communities haben sich inzwischen sehr gut in Form von Verbänden organisiert (z.B. Swiss Finance Start-ups, Bitcoin Association Switzerland), um in Bern gezielt Lobbyarbeit zu betreiben. Mit wem auch immer ich rede, alle sind beispielsweise gegenüber der Finma positiv eingestellt. Manchmal heisst neue Regulierung nämlich auch, dass es keine Regulierung gibt, wie beispielsweise bei der Sandbox. Die Sandbox ist ein von der Finma geschaffenes, eng begrenztes „bewilligungsfreies Entwicklungsfeld für Finanzinnovatoren“, in denen seit letztem Jahr mit neuen Geschäftsmodellen experimentiert werden kann. Das kommt gut an.

Und eines darf man auch nicht vergessen: Für viele Fintechs bilden Melde- und Bewilligungspflichten der Banken gegenüber den Behörden und interne Compliance-Vorgaben überhaupt erst die Basis des eigenen Geschäftsmodells. Mit Regtech (kurz für „Regulatory Technology“) ist ein ganzer Subbereich von Fintechs entstanden, der von den komplexen Regulierungsanforderungen leben möchte. Honi soit qui mal y pense.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 17.06.2017, Individualmitglied bei Finance Watch

Der Mensch, in Daten aufgewogen

Simulierte Intelligenz

Jegliche Datenaggregation und –auswertung basiert auf der Erarbeitung des sogenannten binären Codes, welcher auf die nach George Boole benannte boolesche Logik zurückgeht. Er ging auch davon aus, dass die gesamte Wirklichkeit durch mathematische Logik erklärbar sei:

“No general method for the solution of questions in the theory of probabilities can be established which does not explicitly recognise, not only the special numerical bases of the science, but also those universal laws of thought which are the basis of all reasoning, and which, whatever they may be as to their essence, are at least mathematical as to their form.”

Erst diese “Entdeckung” machte die Entwicklung des Computers und die Simulation von Intelligenz möglich. Diese simulierte Intelligenz ist in der heutigen Zeit aus der Diskussion verschiedener wirtschaftlicher Bereiche nicht mehr wegzudenken. Sogenannte Robo-Adivsors geben uns Finanzanlagetipps oder coachen uns bei der Arbeitssuche. Möglich ist diese Entwicklung durch die Sammlung, Speicherung und selbstlernende Verarbeitung einer immer grösser werdenden Datenmenge, welche die Benutzer via Social Media den Firmen, welche die Speicherserver betreiben, gratis zur Verfügung stellen. Auch bei Banken lagern viele Kundendaten, wie etwa alle Zahlungsangaben mit Konsumvorlieben und Verhaltensweisen, Geschäftskontakte und Vermögenswerte, deren Nutzung für viele Firmen höchst interessant ist.

Machen Daten unsterblich?

Über Marvin L. Minsky, einen der Pioniere der künstlichen Intelligenz, hat Jaron Lanier in seinem Buch von 2010 „Your are not a Gadget“ (S. 24) geschrieben, er habe in den frühen 1980er Jahren gerne kolportiert, dass die Maschinen dereinst die Welt beherrschen werden. Dies, da sie sich selbst in immer besseren Versionen und immer schneller reproduzieren können werden. Auf die Frage, ob Marvin Minsky dies gut oder schlecht gefunden haben mag, kann als Antwort gelten, was er 1984 geschrieben hat:

„To lengthen our lives, and improve our minds, in the future we will need to change our bodies and brains. To that end, we first must consider how normal Darwinian evolution brought us to where we are. Then we must imagine ways in which future replacements for worn body parts might solve most problems of failing health. We must then invent strategies to augment our brains and gain greater wisdom. Eventually we will entirely replace our brains — using nanotechnology. Once delivered from the limitations of biology, we will be able to decide the length of our lives–with the option of immortality– and choose among other, unimagined capabilities as well. […] When I decided to write this article, I tried these ideas out on several groups and had them respond to informal polls. I was amazed to find that at least three quarters of the audience seemed to feel that our life spans were already too long. […]It seemed as though they secretly feared that they did not deserve to live so long. I find it rather worrisome that so many people are resigned to die.”

Interessant hierbei ist die Beobachtung, dass es scheinbar Minskys Meinung war, mittels Digitalisierung des Menschen den Menschen digital unsterblich zu machen. Davon sind wir noch ein Stück entfernt. Neben der Menge an verfügbaren Daten spielen die Verarbeitungsgeschwindigkeit und – logik eine grosse Rolle.  Doch schon heute kann es passieren, dass ein Individuum in einem Chatroom nicht mehr unterscheiden kann, ob das Gegenüber Mensch oder Maschine ist. Und eine der Firmen von Elon Musk, die ein neuronales Interface zwischen Mensch und Computer entwickeln möchte, ist ein weiteres Beispiel, dass sich diese Entwicklung weiter beschleunigt.

Neudefinition des Selbst?

Marvin Minskys Absicht, dem Menschen die Sterblichkeit nehmen zu können, weist in den Bereich religiöser Überzeugungen. Insbesondere die Religionswissenschaft vermag einen Begriff von Religion zu definieren, welcher zu dieser Überzeugung passen würde. Die beiden Religionswissenschaftler Bernhard Uhde und Markus Enders definieren den Inhalt von Religion als die Annahme der Existenz einer Instanz (personell-wesenhaft oder nicht, ist irrelevant), welche den menschlichen Mangel reiner Immanenz, also absoluter Gegenwärtigkeit, aufheben kann. Voraussetzung hierfür ist, dass die Wirklichkeit dieser Instanz selbst absolute Einheit (Boolesch‘ gesprochen 1 und nicht 0) ist.

Die Eigentümlichkeit dieser Religionsdefinition ist der Disziplin der Religionswissenschaft geschuldet, welche sich religions- und konfessionsunabhängig oder –neutral mit dem Begriff und Inhalt von Religion befasst. Je nach religionswissenschaftlicher Ausrichtung (Religionsphilosophie, -soziologie, -psychologie, etc.) fokussieren die Religionsdefinitionen auf andere Aspekte. Für das Argument dieses Artikels wurde nun der obige gewählt.

Aus den angeführten Schilderungen Marvin Minskys zeigt sich, dass diese Instanz absoluter Gegenwärtigkeit digital problemlos als 1 und nicht 0 gedacht werden kann. Falls Elon Musks Interface eines Tages funktionieren sollte, wird es der digitalisierte Mensch selbst sein, der in solch absoluter Gegenwärtigkeit seine eigene religös-messianische Selbsterlösungsgottheit sein wird. Erlösung ist hierbei die Erlösung aus dem obigen Mangel und die Überführung des analog-biologischen in den digital-technologischen Menschen. Die Frage, ob es sich bei letzterem noch um denselben Menschen, also dasselbe Selbst wie bei Ersterem handelt, wird marginalisiert. Die Diskussion darum, was denn ein Selbst überhaupt sei, resp. wie es entsteht, wird entweder als religiös-antiquiert oder aber als empirisch bereits beendet betrachtet. Letzteres deutet die Meinung an, dass das Selbst durch die neuronale Verarbeitung von Daten in unserem Gehirn über die Zeit entsteht und somit simuliert bzw. kopiert werden kann. Wer „That hideous Strength“ von C. S. Lewis gelesen hat, vermag unmittelbar gewisse Wiedererkennungsmerkmale zu den Zielen und Praktiken von N.I.C.E. (National Institute for Co-ordinated Experiments) in diesem Roman wiederfinden. N.I.C.E. verfolgt in der Geschichte von C.S. Lewis u. a. das Ziel, die gesamte biologische Natur durch eine von Menschen gemachte technologische „Natur“ zu ersetzen.

Was momentan noch nach Science-Fiction klingt und vielleicht auch bleiben wird, kann dennoch (un)mittelbare Konsequenzen nach sich ziehen. Insbesondere dann, wenn die quasi-religiöse / ideologische Komponente ausser Betracht gelassen wird und die darin postulierte Neudefinition des Selbst als die Aggregation, Interpretation und selektive Wiedergabe von Daten, unhinterfragt übernommen wird. Dann ist es mittel- oder sogar kurzfristig möglich zu denken, dass anhand der Daten, welche von einer Person gesammelt wurden, der Schluss gezogen wird, dass diese Daten die Identität dieser Person zur Gänze beschreiben. Dieses Modell einer Person mag dann aus Gründen der Kosteneffizienz die Basis der Berechnung von Franchisen, Versicherungsleistungen, zu bezahlenden Prämien etc. bilden.

Ob das Person-Modell und die daraus resultierenden Massnahmen, Berechnungen, Zulassungen und Verweigerungen die real existierende, analog-biologische Person diskriminieren und sich diese in ihrem digital-technischen Modell gar nicht wieder erkennt, ist dann bedeutungslos. Die Zustimmung, dass dies unabhängig vom real existierenden Menschen ein aus (volks-)wirtschaftlicher Sicht adäquates Modell darstellt, könnte gefunden werden, wenn solchermassen getroffene Massnahmen als Resultat tiefere Prämien und eine Überwälzung der Kosten auf die Verursacher (resp. deren statistisches Modell!) als Argument vorweisen könnte.

Da von staatlich-regulatorischer Seite nicht erwartet werden kann, dass diese Entwicklung gesteuert, verlangsamt oder auf das unbedingt Nötigste beschränkt wird (im Gegenteil), bleibt als einzige Reaktion auf diese mögliche Entwicklung eine breit geführte und die Tiefen der Problematik auslotende Diskussion über die durch Big Data und ArtificiaI Intelligence tangierten Aspekte des Zusammenlebens und letztlich auch der Integrität der menschlichen Person.

 

Gastbeitrag von Claude Del Don. Er ist Legal Reporting Specialist bei der Bank Julius Bär & Co. AG in Zürich.

Survey: Linguistics and Finance

Prof. Paul H. Dembinski has forwarded a survey on the topic of linguistics and finance to me. He is a professor of strategy and international competition at the university of Fribourg (Switzerland). He is also the director of the foundation „Observatoire de la Finance„, which focuses on ethics in finance.

The questionnaire is part of a wider research project on multilingual skills in fields so different as economics and finance on one side and ethics and philosophy on the other.

Many questions deal with your ease at expressing difficult topics or complex situations in a multilingual setting and how this may affect your ability to cope with the conflicts or dilemmas that may arise out of this situation.

Here’s the link to the survey. It takes about 20 minutes to answer the questions.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos) June 10, 2017

Ein Konto für die ganze Welt

‚Joachim Ackva ist durch seine persönliche Grosszügigkeit bekannt geworden: Er lässt regelmässig Geldscheine vom Himmel fallen. Im letzten Oktober regneten etwa auch in Zürich Zehnernötli  vom Himmel. Mit seinen Aktionen kam er in alle Zeitungen und Fernsehnachrichten. Wer verteilt schon Geld – einfach so? Das muss doch ein Spinner sein. Die FAZ beispielsweise reihte die Sterntaler-Events amüsiert und irritiert als Kunsttrend ein. Ein gelassener und witziger Umgang mit Geld ist nun mal nicht jedermanns Sache.

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