Kryptowährungen und Blockchain für die Sozialwirtschaft

Die Londoner Firma Everledger verwaltet inzwischen mehr als anderthalb Millionen Diamanten auf ihrem Blockchain Ledger, d.h. für jeden echten Diamanten gibt es einen digitalen Zwilling, der genaue Angaben über Karatzahl, die Farbe, Zertifikate und Herkunft des Edelsteins enthält. Damit wird die Lieferkette fälschungssicher transparent gemacht. Wer einen Trauring mit einem Diamantensplitter aus dem Everledger gekauft hat, kann sicher gehen, dass er keinen Blutdiamanten  am Finger trägt. Das ist nicht nur ein Luxusproblem, denn wer kann sich schon Diamanten leisten? Eine transparente Lieferkette dieser Konfliktrohstoffe kann nicht direkt Menschenrechtsverletzungen verhindern, aber sie hilft, solche Händler auszuschliessen, die diese Transparenz nicht leisten wollen. Everledger ist  ein erfolgreiches Beispiel für den sozial sinnvollen Einsatz der Blockchain-Technologie.

Die beiden Berater David Lehr & Paul Lamb haben in der aktuellen Ausgabe der Stanford Social Innovation Review  mehrere Einsatzbereiche der Sozialwirtschaft aufgelistet, in denen Kryptowährungen und die Blockchain-Technologie so genutzt werden, dass sie eine positive soziale Wirkung erzielen. Dazu zählen sie:

Weiterlesen »

Advertisements

Finanzideen, die der Gesellschaft nützen

Wer die Nachrichten um das allerneueste Kryptoderivat oder den coolsten Token Sale liest, der kommt schnell zum Schluss, da geht’s um schnelle Geld. Dieser Hype ums Spekulativ-Finanzielle ging auch Ethereum-Gründer Vitalik Buterin zu weit:

Doch es gibt trotz oder gerade wegen des Krypto-Hypes durchaus Versuche, neue finanzielle Gestaltungsmöglichkeiten und Gemeinwohl miteinander in Einklang zu bringen. Seit 2016 haben sich beispielsweise in Berlin bereits viermal Experten aus Banken und Fintech-Unternehmen sowie anderen Interessierten im Meet-up „Conscious Fintech“ getroffen. Bei den Meetings ging es darum, sich mit den sozialen und ökologischen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, die sich aus dem Einsatz der neuen Finanztechnologien ergeben. Initiiert wurde die Event-Reihe von Sanika Hufeland, Geschäftsführerin beim Institute for Social Banking. Als Mitveranstalter firmieren neben dem Institute for Social Banking (ISB) das Fair Finance Institute, Pola Vayner (Founder GreenClick), Ludwig Schuster (Sustainable Money Working Group), Konstantin Wolf (Zebralog) sowie der Impact Hub Berlin.

Beim letzten Meeting, an dem etwa 60 Personen teilnahmen, wurden –  als erstes Ergebnis aus den Treffen – sechs Prinzipien erarbeitet und verabschiedet. Diese enthalten die ethischen Eckpunkte, die Fintech-Unternehmen, aber auch werteorientierte Banken beim Aufbau ihrer Geschäftsmodelle befolgen sollten, wenn sie einen positiven sozialen und ökologischen Einfluss auf die Gesellschaft nehmen wollen.

Hier sind sie:

Ökologischer und sozialer Impact

Fintech-Innovationen sollen als soziale, nicht nur technische oder finanzielle Innovationen betrachtet werden. Die Schaffung einer positiven Wirkung sollte ein Kernelement und nicht nur ein Nebenprodukt sein: Innovative Technologien können nämlich eine Hebelwirkung in ökologischer und sozialer Hinsicht haben. Alle Aspekte einer echten Nachhaltigkeit sollen berücksichtigt werden.

Verbesserung der finanziellen Resilienz

Conscious Fintechs sollen darauf hinarbeiten, die Krisenanfälligkeit unseres Finanzsystems zu verringern.  Sie können für eine faire Allokation von Risiken und Erträgen sorgen. Conscious Fintechs lenken Geld dorthin, wo es am dringendsten gebraucht wird: zur Finanzierung der guten (realen) Wirtschaft und zur Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele.

Fokus auf Menschen- und Stakeholder

Conscious Fintechs reflektieren die Bedürfnisse und Interessen der Menschen.
Sie stellen finanzielle Instrumente für die Zusammenarbeit und den sozialen Zusammenhalt bereit, um wirtschaftliche Beziehungen zu fördern, die für ein friedliches menschliches Zusammenleben unerlässlich sind. Conscious Fintechs sind an einer bewussten Zusammenarbeit von Verbrauchern, Investoren und Unternehmern interessiert.

Demokratische Governance

Conscious Fintechs arbeiten mit offenen und transparenten Modellen und nutzen bevorzugt Open-Source-Codes, die eine dezentrale Verarbeitung und Datenhaltung vorsehen. Sie überlassen den Nutzern die individuelle Kontrolle der Privatsphäre und damit ihrer Daten. Im Idealfall werden diese Regeln von den Nutzern mitentwickelt bzw. mitgesteuert.

Einfacher und komfortabler Zugang

Zu den Zielen von Conscious Fintechs gehört die finanzielle Inklusion. Durch konsequente Optimierung der Benutzerfreundlichkeit und des Komforts tragen sie dazu bei, dass Eintrittsbarrieren gesenkt werden und so eine integrative Beteiligung aller Menschen ermöglicht wird. Conscious Fintechs bieten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten für Jeden und Jede, unabhängig von Ort und Zeit.

Selbständiges Entscheiden dank guter Finanzbildung

Conscious Fintechs helfen den einzelnen Nutzern, Verantwortung für ihr Geld zu übernehmen und versorgen sie mit den notwendigen Informationen, um ihre Geldströme zu kontrollieren. Durch eine transparente Kommunikation helfen sie, das Finanzwissen der Nutzer zu erhöhen, damit diese ihre eigenen Urteile zu Finanzthemen fällen können. Dabei geht es auch darum, bei den  Nutzern das Bewusstsein für werte-basierte Finanzentscheidungen zu schärfen.

Das englische Original der Prinzipien findet sich hier. Die Prinzipien sind Teil einer Roadmap, die noch diesen Januar erscheinen wird. Die Arbeitsgruppe ist sehr an Ihrer Meinung interessiert. Was fehlt? Was müsste inhaltlich geschärft werden? Wo finden sich Widersprüche? Sie können gerne auf der Facebook-Seite des Meet-Ups oder via LinkedIn Feedback geben.

Und wer weiss, vielleicht finden sich auch Interessierte in anderen Städten, die sich der Conscious-Fintech-Bewegung anschliessen möchten.

Wie wäre es etwa mit einem Meet-Up „Conscious Fintech“ in Zürich oder Zug?

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 08. Januar 2018