Wozu Finanzberatung für Frauen?

Frauenarmut in Deutschland

„Manchmal stehe ich am Monatsende vor dem Kühlschrank und denke, hoffentlich gibt es bald Geld. Ich muss dringend was einkaufen!“ Das sagt Susanne. Sie arbeitet hart: An fünf Tagen die Woche reinigt sie Krankenhausbetten. Bis zu 23 Betten muss sie in einer Schicht schaffen. „Ich denk‘ mir immer, man muss so arbeiten, als würde man selber in so einem Bett liegen“, motiviert sich die 48-Jährige aus Bochum.

Mit diesem Testimonial beginnt die Doku in der WDR-Mediathek über Frauenarmut. Gemäss OECD tragen in keinem anderen europäischen Mitgliedsland die Frauen so wenig zum Familieneinkommen bei wie in Deutschland.  Ihr Beitrag beträgt 22.4 %. Das hat Konsequenzen. Der eigene Lohn ist nur Zubrot. Bei einer Trennung reicht das Geld nicht mehr. Die Rentenbeiträge sind minimal. 2/3 aller Minijobber sind weiblich. Berufspausen sorgen ebenfalls für Flaute in der eigenen Kasse, auch wenn für die Familie unentgeltlich weiter geschuftet wird. Im Alter ist dann wenig übrig. Da bleibt oft nur der Weg zu Hartz IV und/oder zur Tafel.

 

Helma Sick: Warum Frauen ihr eigenes Geld haben sollen

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Die Doku hat mich daran erinnert, dass auf meinem Stapel ungelesener Rezensionsexemplare Helma Sicks Autobiografie liegt. Warum Frauen sich mehr um ihr eigenes Geld kümmern sollen, das ist genau ihr Thema. Seit 1986 berät sie mit ihrer Münchner Firma „frau & geld“ Frauen in Finanz- und Vorsorgefragen. Über viele Jahre hatte sie eine Kolumne zu Geldfragen in der Brigitte. Gemeinsam mit der ehemaligen Bundesfrauenministerin Renate Schmid hat sie das Buch „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ veröffentlicht.

In ihrer Autobiografie „Aufgeben kam nie in Frage“ schildert sie, weshalb sie sich ihre eigene finanzielle Unabhängigkeit erkämpft hat. Sie hat sich von einer Büroassistentin ohne Ausbildung zu einer erfolgreichen Unternehmerin hochgearbeitet. Vor allem privat war das Leben nicht gerade einfach für sie – doch zu viel möchte ich nicht verraten. Manches in ihren Ausführungen klingt ungelenk. Intime und belastende Momente werden nur angedeutet. Das macht die Lektüre manchmal beschwerlich, manchmal gerade deshalb authentisch. Sie bringt ihre Energie und ihren Einsatz für mehr finanzielle Unabhängigkeit von Frauen gut rüber. Ihre Gedanken sind glasklar. Sie hat sich immer unter Kontrolle. Da schreibt jemand, der gelernt hat, sich gegen Repression zur Wehr zu setzen. Sie hat sich immer durchbeissen müssen und viel gearbeitet. „Streng dich an“ klingt als Antreiber zwischen den Zeilen durch.

Helma Sick ist vor allem auch eine aufrechte Sozialdemokratin. Ihr soziales Engagement wirkt nie wie politisches Kalkül, sondern als persönliches Bedürfnis. Das hat mich beeindruckt. So zitiert sie gegen Ende ihres Buches August Bebel mit einer Aussage von 1879:

Die Frau muss ökonomisch unabhängig sein, um es körperlich und geistig zu sein, damit sie nicht mehr von der Gnade und dem Wohlwollen des anderen Geschlechts abhängig ist.

Mit 76 Jahren ist die Münchner Unternehmerin dieses Jahr in eine Seniorenresidenz gezogen. Sie hat vorgesorgt. Sie hat alle ihre finanziellen Belange, soweit es ihr möglich ist, geregelt. Sie bleibt gleichzeitig Mitinhaberin ihrer Firma, die sie gemeinsam mit ihrer Nichte führt. Die derzeitigen gesellschaftlichen Veränderungen machen ihr Sorgen. Zu Recht, denn sie hat einige Male erfahren, wie leicht gerade Frauen diesen sozialen Backlash zu spüren bekommen.

Finanzberatung für Frauen

Zugegeben, ich kannte Helma Sick vorher nicht. Ich gehöre aus einem ganz einfachen Grund nicht zu ihrer Zielgruppe. Mir war es – so wie ihr – immer wichtig, mein eigenes Geld zu verdienen. Ich brauche ihren Rat also nicht. Ich habe auch nicht überprüft, wie gut ihre Performance als Anlageberaterin tatsächlich ist. Darum geht’s auch nicht. Sick will soziale Änderungen, nicht nur einzelne Kassen füllen.

Bisher habe ich das Thema „Finanzberatung für Frauen“ für einen Marketing-Gag gehalten. Diese Variante gibt es sicherlich auch zuhauf. Helma Sick hat mich dennoch überzeugt. Frauen sollten wissen, was ihre Entscheidungen heute für ihren Kontostand morgen bedeuten. Die Statistiken über Armut in Deutschland zeigen, dass der Nachholbedarf gross ist. Frauen sollten klüger sein als Jenny Marx und sich in Finanzfragen lieber auf sich selber verlassen:

Ich wünschte, dass mein lieber Karl mehr Zeit damit verbracht hätte, Kapital anzuhäufen statt nur darüber zu schreiben.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 06. Dezember 2018

 

 

 

Event-Tipp Uni Zürich: Microfinance Day, 19.04.2016

Am 19.04.2016 findet der erste Mi-Fi-Day an der Universität Zürich statt. Der Event geht der zentralen Frage nach, ob Mikrokredite und andere Finanzdienstleistungen nachhaltig Armut bekämpfen, und kann daher als Einführung in die Thematik gesehen werden.

Die Studierendenorganisation «Mifi» richtet den Anlass erstmalig aus. Die Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, den Dialog zwischen Studierenden und der Welt der Mikrofinanz zu verstärken.

Das Programm für den 19. April 2016 umfasst eine Messe, in der sich mehrere Schweizer Akteure vorstellen, einen Einführungsvortrag, mehrere Workshops und eine Podiumsdiskussion. Ich werde die Diskussion moderieren.

 

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Die Event-Sprache ist Englisch.

Barbara Bohr, 15.04.2016

 

Bei der Kapitalanlage naiv oder gierig?

Eine Bemerkung von Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, hat mir gut gefallen: Es ist paradox: Die Deutschen kaufen Waschmaschinen erst, wenn sie drei Testberichte gelesen haben. Aber bei Kapitalanlagen vertrauen sie den Verkäufern blind.   Die ZEIT zitiert Nieding in ihrem Artikel „Brenne, Geld, brenne“ (Ausgabe Nr. 5 vom 28.01.2016, S. 29, noch […]

Mit dem eigenen Geld die Welt verändern

Aus Spanien erreichen uns zurzeit viele Nachrichten, meist negative. Doch es gibt auch viele konstruktive Ansätze im Land, mit dieser gegenwärtigen Krise umzugehen. Ein Beispiel ist der junge Wirtschaftswissenschaftler Xavi Teis, der mit einem Buch zur Finanzbildung zeigt, wie wir mit unserem Geld einen positiven Einfluss auf die Werteentwicklung der Gesellschaft nehmen können. Nicht alle jungen Ökonomen wollen bei großen Banken arbeiten, auch in Spanien nicht.

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Staatsgeheimnis Bankenrettung

Manchmal ein wenig zu reisserisch für meinen persönlichen Geschmack, aber sehr aufschlussreich und spannend gemacht: Wer den Film „Staatsgeheimnis Bankenrettung“ über die Recherchen Harald Schumanns im Euroland immer noch nicht gesehen hat, sollte es tun, bevor das nächste Land, pardon, die immer wieder gleichen Banken, gerettet werden müssen. „50 Milliarden Euro in Griechenland, 70 Milliarden […]

Die Pyramide vom gesunden Umgang mit Geld

Wir alle kennen die Lebensmittelpyramide. So lernen wir von Kindesbeinen an, von welchen Lebensmittel wir wie viel essen sollen. Der Aufbau ist simpel: Grün an der Basis der Pyramide heisst, davon kann ich viel essen. Gelb in der Mitte  bedeutet, davon sollte ich schon etwas weniger essen. Die Warnfarbe Rot an der Spitze steht letztlich dafür, dass ich diese Lebensmittel äusserst sparsam zu mir nehmen sollte. So weit, so gut. Dieses Konzept ist etabliert. Die Kinder bringen die bunte Pyramide laminiert aus der Schule mit, damit wir sie in der Küche gut sichtbar aufhängen können. Ob wir uns immer daran halten, ist noch einmal eine andere Frage. Doch scheint es aus kognitiver Sicht ein halbwegs brauchbares, da anschauliches pädagogisches Mittel zu sein.

Auf dem Blog der Economistas sin fronteras („Ökonomen ohne Grenzen“) haben wir eine interessante Abwandlung der Lebensmittelpyramide gefunden: die Pyramide vom gesunden Umgang mit dem Geld. Sie zeigt, wofür und in welchen Mengen  das persönliche Einkommen verwendet werden sollte. Wir fanden die Idee sehr gut und haben die Pyramide deshalb – recht frei – ins Deutsche übersetzt.

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Die Pyramide ist nicht in Stein gemeisselt. Jede Person kann die Vorlage hier runterladen und den eigenen Bedürfnissen entsprechend anpassen. Die persönliche Pyramide könnt ihr an den Schreibtisch hängen. Das ist bei der Begleichung der Rechnungen – eben genauso wie bei der Lebensmittelpyramide –  ein guter Test, wie weit Wissen und Handeln auseinanderklaffen.

Was haltet ihr davon? Welche Begriffe würdet ihr anders benennen?

Vielen Dank übrigens an @economiajusta und @bancalimpia für den Hinweis auf diese schöne Analogie – ¡muchas gracias!

Barbara Bohr (@nachrichtenlos) u. Alberto Zuleta (@azuleta), 20.03.2013

Zweiter Platz im Wettbewerb „Das gefährlichste Finanzprodukt Europas“

Zyniker unter uns mögen nach diesem Wochenende einwenden, dass zypriotische Kontoeinlagen das derzeit gefährlichste Finanzprodukt Europas seien. Die Ereignisse in Zypern, wo Sparer mit einem Bankguthaben unter 100.000 Euro mittels einer Einmalabgabe von 6,75% und solche mit einem Guthaben über 100.00 Euro mittels 9.9% an der Staatssanierung beteiligt werden sollen, geben dem Wettbewerb um das gefährlichste Finanzprodukt Europas eine ungeahnte Aktualität.

So unübersehbar und unkalkulierbar sind inzwischen so banale Kontoprodukte wie Kontokorrent- und Sparkonten für die Bewohner der Europäischen Union geworden, dass wir uns mit unserem Beitrag, einem Zertifikat auf einen Index, in dem die Unternehmen, die auf den Profit aus der Extraktion aus den nordamerikanischen Oil Sands zielen, vertreten sind, fast schon am exotischen Ende des Anlagespektrums bewegen. Dennoch: Unser Vorschlag im Wettbewerb um die Suche nach dem gefährlichsten Finanzprodukt Europas hat den zweiten Platz in seiner Kategorie gemacht. Deshalb möchten wir all denjenigen von euch, die ihre Stimme dem Zertifikat der RBS auf den Oil Sands Index gegeben haben, ganz herzlich danken.

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Der Vorschlag von Geld mit Sinn e.V.  – ein Fonds der Deutschen Bank, der auf Nahrungsmittelspekulation setzt – ist mit 71.4% der Online-Stimmen ein überzeugender und verdienter Sieger in der zweiten Kategorie des Wettbewerbs, in der es um Produkte, die die Umwelt, die Armen oder Dritte schädigen, ging. Der Sieger zeigt, dass nicht nur Liebe durch den Magen geht, sondern auch die Angst davor, dass Spekulanten einen Einfluss  auf die Preise von Grundnahrungsmitteln ausüben können, was vor allem ärmere Menschen trifft. Hier ist die Übersicht über die gesamte Endausscheidung.

An dieser Stelle auch nochmals herzlichen Dank an @azuleta für die Mithilfe bei der Recherche.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 16.03.2013.

Noch ein Buch zur Bankenkrise: Malte Heynens „Der Raubzug der Banken“

Möchten Sie auch ein „AD-Kunde“ sein? So bezeichnen manche Bankberater ihre Kunden. AD steht, so hat Malte Heynen herausgefunden,  für „alt und doof“. Solchen Kunden wurden beispielsweise Lehman-Zertifikate verkauft, deren Wert durch die Pleite des Bankhauses auf Null sank. Zertifikate sind rechtlich  nämlich nichts anderes als Schuldverschreibungen des Emissionshauses. Für diejenigen, die ihrer Bank in Zukunft souveräner und besser informiert entgegentreten möchten, hat Malte Heynen ein nützliches Buch geschrieben.

Malte Heynen erzählt in seiner gründlichen Recherche die Bankenkrise nochmals neu. Seine Geschichte ist weniger für geschulte Wirtschaftsleute gedacht als für Menschen, die sich genau die gleiche Frage stellen wie Heynen: Wie kann ich angesichts der Krise meine Ersparnisse retten? Dabei dürfen sich Leser keine Anlageberatung per Buch vorstellen; vielmehr zeigt Heynen die reichhaltige Palette möglicher Anlagefallen für private Anleger auf. Bei Anlagevorschlägen bleibt er vorsichtig und bezieht sie klar und deutlich auf eigene  Erfahrungen. Überhaupt gefällt mir der stetige biographische Bezug zu seinen eigenen Investments – auch er ein gebranntes Kind. Das schafft Identifikationspotential. Dennoch bleibt Heynen nicht bei der privaten Perspektive stehen; ihm gelingt ein Blick auf das System und die Konstruktionsfehler des Bankensystems. Er erklärt, so einfach es eben nur geht, die Anfänge der Subprime-Krise (sehr anschaulich anhand eines verhängnisvollen Deals zwischen der IKB und der Deutschen Bank) und führt uns bis zu der Frage, wieso die europäischen Staaten so viel öffentliches Geld in ihre maroden Banken pumpen. Einfache Lösungen hat auch er nicht, aber wer hat die schon für einen der möglicherweise grössten sozioökonomischen Veränderungsprozesse der letzten 200 Jahre? Das wagen wohl nur Scharlatane.

Anders als es der Titel vermuten lässt, ist das Buch an keiner Stelle reisserisch. Die Deutsche Bank kommt  in seinen Ausführungen ziemlich schlecht weg. Das mag dem ein oder anderen übertrieben erscheinen. Ich halte das Vorgehen für gerechtfertigt, ist der Frankfurter Konzern doch die einzige deutsche Bank unter den Top Ten der globalen Investmentbanken und von daher in einer besonderen Verantwortung. Die sie nicht wahrnimmt. Heynen hat sein journalistisches Handwerk gut gelernt. Seine Quellen legt er stets offen.

Wer sich einen Vorgeschmack auf das Buch verschaffen möchte, kann seine beiden ausgezeichneten Interviews bei Telepolis lesen.

Teil 1: Banken als tickende Zeitbomben – http://www.heise.de/tp/artikel/37/37664/1.html

Teil 2: „Irgendwann knallt es“ – http://www.heise.de/tp/artikel/37/37665/1.html

Das Buch ist im Herbst 2012 im Blessing-Verlag erschienen und überall für € 16,95 [D], € 17,50 [A] bzw. CHF 24,50 im Buchhandel oder via Verlagsseite erhältlich.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 12.03.2013.

Online-Voting: Europa sucht das gefährlichste Finanzprodukt

Ein kleines Update zum Blogbeitrag vom 13. Februar 2013. Inzwischen hat die Jury des Wettbewerbs die Teilnehmer am Online-Voting festgelegt. Unser Vorschlag, das Zertifikat der RBS auf den Sustainable Oil Sands TR Index, hat es in die Runde der letzten Acht geschafft! Unser Produktvorschlag gehört der Kategorie 2 an. Das sind Produkte, die die Umwelt, die Armen oder […]

Mit Farmville & Co. Finanzbildung erlangen?

Geht das? Das Team von Three Coins, Start-Up am Hub Wien, glaubt fest daran. Sie entwickeln Videospiele, mit denen junge Leute Finanzbildung erwerben, ohne das Gefühl zu haben, auf der Schulbank zu sitzen. Ich habe mit Kathi Norden, Geschäftsführerin des Jungunternehmens und diese Woche bei uns am Hub Zürich auf Besuch, gesprochen, wie sie mit ihrer Firma das Thema angehen.

Bisher haben nämlich alle konventionellen Methoden, das Finanzwissen der Bevölkerung zu verbessern, kläglich versagt. Das hat letzte Woche noch Buttonwood, Blogger beim Economist, in einem Beitrag erneut eindrücklich gezeigt. Geld ist an Schulen und sogar im familiären Kreis weiterhin ein Tabuthema. Über Geld spricht man nicht, viel weniger noch über Schulden. Das bleibt nicht ohne gesamtwirtschaftliche Folgen. Die Verschuldung junger Leute nimmt stetig zu, weil Geld für Konsumismus immer leichter zur Verfügung steht. So haben deutsche Kinder  2012 in Summe 10% mehr Taschengeld als 2011 erhalten, wie der SPIEGEL berichtet. Das ist ein stolzer Kaufkraftzuwachs angesichts der europäischen Finanzkrise. Wie lernen Kinder und Jugendliche sinnvoll mit diesem Mehr an Geld umzugehen? Oft lernen sie nichts und geben letztlich mehr aus als sie haben. Immer mehr junge Menschen kommen nicht mehr von ihrem Schuldenberg runter. Das zeigen auch aktuelle Zahlen zur Jugendverschuldung in der noch wohlhabenderen Schweiz.

Three Coins versucht die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie am leichtesten zu erreichen sind: auf Social-Media-Plattformen mit ihren Spielangeboten. Wissenschaftlich basieren die Spiele auf Erkenntnissen der Verhaltensökonomie. Konsumentscheidungen werden nämlich in der Regel von Intuition und spontanem Verlangen geleitet, nicht von Rationalität und Wissen. Der alltägliche Umgang mit Geld wird von tief sitzenden Verhaltensmustern motiviert, die sich im Alter zwischen 13-19 Jahren formieren. Mit Hilfe der Spiele sollen Verhaltensmuster trainiert werden, die langfristig tragbare finanzielle Entscheidungen unterstützen. Es geht also nicht nur darum, das Spielern beispielsweise nur das Geld aus der Tasche gezogen wird für noch mehr Saatgut oder eine neue Scheune, sondern dass sie sorgfältig mit ihrem Geld umgehen lernen. Dabei wird im ersten Spiel, das in diesem Sommer lanciert wird, überhaupt nicht von Geld gesprochen. Der Umgang mit der knappen Ressource findet metaphorisch statt. Das soll Lernhemmungen mit dem ungeliebten Thema vermeiden.

Natürlich  kann Finanzbildung nicht durch Spiele alleine verbessert werden. Gamification ist kein Allheilmittel. Weiterhin in der Pflicht bleiben die Eltern. Wie viele Eltern verstecken sorgsam Konto- und Depotauszüge vor den Kindern? Wozu eigentlich? Wieso nicht mit den Kindern Haushaltsplanung und Budgets der Familie offen besprechen? Dann lernen sie, so denn die Eltern es selber erklären können. Was nicht immer der Fall ist. Finanzanalphabetentum ist nicht nur ein Problem von Jugendlichen. Deshalb sollte Finanzbildung auch in der Schule endlich ein Thema werden, denn ganz ohne kognitive Basis geht es auch nicht. Immerhin hat Grossbritannien inzwischen das Thema „financial literacy“ im allgemeinen Schulcurriculum verankert. In den deutschsprachigen Schulen sind wir davon weit entfernt. Und zu guter Letzt bleiben auch Banken und Konsumgüterindustrie ethisch gefordert, die Transparenz ihrer Produkte zu erhöhen, damit Kunden die finanziellen Auswirkungen besser verstehen können.

Was haltet ihr von dem Produktkonzept? Probiert es aus. Hier ist ein Teaser zum Spiel.


Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 03.03.2013.