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Regulierung für mehr Innovation

Chancen und Risiken des Fintech-Sektors

Mit der richtigen regulatorischen Unterstützung kann FinTech den Finanzsektor neu gestalten – das ist die Antwort, mit der die NGO Finance Watch diese Woche auf eine öffentliche Konsultation der EU-Kommission zu Fintech reagiert.
Gerade aus Konsumentensicht sieht Finance Watch die Fintech-Entwicklung als grosse Chance für den Sektor, sieht aber auch die Risiken unbeabsichtigter Folgen. Vereinsvorstand Rainer Lenz fasst die Meinung von Finance Watch wie folgt zusammen:

„FinTech hat großes Potenzial, das Wohlergehen der EU-Bürger zu verbessern, indem es mit trägen Finanzinstituten konkurriert, Kosten reduziert und  Barrieren für Kredit- und Transaktionsdienste beseitigt. Aber es könnte auch neue Risiken für die Bürger und das Finanzsystem schaffen, die wir nicht vollständig verstehen, zum Beispiel durch unsere Interaktionen mit großen Daten und künstlicher Intelligenz. Ob der Sektor in Zukunft vorwiegend positiv weiterentwickelt wird, wird in hohem Maße davon abhängen, wie sich die Entscheidungsträger jetzt engagieren. „

Finance Watch empfiehlt, dass die EU eine aktive Rolle bei der Schaffung eines neuen einheitlichen Regulierungsrahmens für FinTech spielt und zunächst die Bereiche in den Mittelpunkt rückt, die den finanziellen Bedürfnissen der Gesellschaft am besten entsprechen:  Transaktionsdienstleister, Crowdfunding und Robo-Advisor. Ziel sei es, von Anfang an hohe Standards und Vertrauen in den Sektor aufzubauen. Das empfohlene Regelwerk könne damit allbekannte Ineffizienzen und Risiken der Banken vermeiden, indem

  • Ersparnisse in Richtung langfristige, nachhaltige Investments gelenkt werden könnten,
  • die Retailkunden vor Manipulation und Missbrauch geschützt würden,
  • personenbezogene Daten geschützt würden,
  • gemeinsame Standards offengelegt würden, so dass Plattformen miteinander verglichen werden könnten und
  • grenzüberschreitende Barrieren entfernt würden.

„Let’s embrace regulation“ – Wie Fintechs mit Regulierung umgehen

Nach meiner Einschätzung werden Fintech-Vertreter mit dieser Aufforderung zur Regulierung ganz anders umgehen als traditionelle Banken. Während letztere schnell und generell aufschreien, wenn das Thema zur Sprache kommt, haben Fintechs längst begriffen, dass sie besser fahren, wenn sie Politik und Aufsichtsbehörden zu ihren Verbündeten machen. Das war auch der Tenor von Richards Olsen’s Antwort diese Woche an der GDI Blockchain Valley Conference. Der Gründer u.a. von Lykke, einer mobilen Handelsplattform auf der Basis von Blockchain, meinte lakonisch auf die Frage nach dem Umgang mit Regulierung: „Let’s embrace regulation.“ Das klingt ungewöhnlich für ein Umfeld, das sich als libertär versteht.

Zumindest für die Schweizer Fintech-Szene, die ich einigermassen beurteilen kann, scheint diese friedliche Ko-Existenz mit den Regulierungsbehörden bereits zu funktionieren. Die hiesigen Fintech-Communities haben sich inzwischen sehr gut in Form von Verbänden organisiert (z.B. Swiss Finance Start-ups, Bitcoin Association Switzerland), um in Bern gezielt Lobbyarbeit zu betreiben. Mit wem auch immer ich rede, alle sind beispielsweise gegenüber der Finma positiv eingestellt. Manchmal heisst neue Regulierung nämlich auch, dass es keine Regulierung gibt, wie beispielsweise bei der Sandbox. Die Sandbox ist ein von der Finma geschaffenes, eng begrenztes „bewilligungsfreies Entwicklungsfeld für Finanzinnovatoren“, in denen seit letztem Jahr mit neuen Geschäftsmodellen experimentiert werden kann. Das kommt gut an.

Und eines darf man auch nicht vergessen: Für viele Fintechs bilden Melde- und Bewilligungspflichten der Banken gegenüber den Behörden und interne Compliance-Vorgaben überhaupt erst die Basis des eigenen Geschäftsmodells. Mit Regtech (kurz für „Regulatory Technology“) ist ein ganzer Subbereich von Fintechs entstanden, der von den komplexen Regulierungsanforderungen leben möchte. Honi soit qui mal y pense.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 17.06.2017, Individualmitglied bei Finance Watch

Zu Klimarisiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Bank

Schweizer Banken tragen massiv zur Erhitzung des Planeten bei: Allein dem Markt für Aktienfonds können gleich viele Treibhausgasemissionen zugerechnet werden wie die Schweiz als Land jährlich ausstösst. Dies zeigt eine im Oktober 2015 publizierte Studie des Bundesamts für Umwelt (BAFU):

«Würden alle Investoren weltweit so investieren wie jene in der Schweiz, dann müssten wir uns auf einen globalen Temperaturanstieg von 4 bis 6 Grad einstellen.»

Anlegerinnen und Anleger am Schweizer Finanzplatz investieren also in beträchtlichem Ausmass in CO2-intensive Unternehmen. Den wenigsten dürfte dies bewusst sein, denn bisher fehlt es seitens der Banken an der nötigen Transparenz darüber, was die Klimaauswirkungen von Geldanlagen effektiv sind.

Der Klimawandel stellt für Anlegerinnen und Anleger dabei zusehends ein finanzielles Risiko dar: Fehlbewertungen von Unternehmen, die grosse Reserven an fossilen Brennstoffen halten oder in CO2-intensiven Sektoren tätig sind, führen zu einer sogenannten Kohlenstoffblase (Carbon Bubble). Platzt diese, zum Beispiel weil die Gesetzgebung strenger wird, drohen finanzielle Verluste. Banken sind in der Pflicht, ihre Kundschaft über Risiken, auch klimabedingte, aufzuklären.

Die Alternative Bank Schweiz ist in diesem Bereich First Mover. Sie hat als erste Schweizer Bank in Zusammenarbeit mit der South Pole Group den CO2-Fussabdruck ihres gesamten Anlagegeschäfts analysiert und ausgewiesen. Resultat: Dank einem sorgfältig nach sozial-ökologischen Kriterien ausgewählten Anlageuniversum verursacht ein ABS-Anlageportfolio durchschnittlich 50% weniger CO2-Emissionen als ein vergleichbarer Standardindex. Über 400 Titel wurden seitens South Pole Group einer CO2-Analyse unterzogen, die sowohl direkte wie auch indirekte Emissionen berücksichtigt. Dies zeigt nicht nur, dass die ABS transparent ist, sondern auch, dass sie durch ihre Anlagepolitik bewusst Klimarisiken minimiert. Damit folgt sie konsequent den Vorgaben des Pariser Klima-Abkommens und der Klimastrategie der Eidgenossenschaft. Mehr Geld soll in zukunftsgerichtete, weniger in treibhausgasintensive Technologien und Energieträger investiert werden. Wird transparent gemacht, wie sich Investitionen und Finanzierungen auf das Klima auswirken, können alle Beteiligten bewusst klimarelevante Entscheide fällen.

Wenn andere Banken diesem Vorbild folgen, könnte der Schweizer Bankenplatz eine aktivere Rolle im Kampf gegen die Klimaerwärmung spielen.

Weitere Informationen zur Methodik gibt es bei South Pole.

south-pole-group-climate-neutral-now-initative-london-launch-6-638

Detailinformationen zum CO2-Fussabdruck des Anlagegeschäfts bei der ABS findet sich im aktuellen Geschäftsbericht der Bank.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 18. Mai 2017, Quelle Pressemitteilung

 

 

Ein neues Label für Verbriefungen aus Brüssel. Geht das gut?

Diese Woche brachte SWR2 ein gutes Feature über die Pläne der Europäischen Kommission, alternative Finanzierungsquellen für kleine und mittlere Unternehmen zu schaffen. Die Kommission verspricht ein simples, standardisiertes und transparentes Verfahren, das auf Verbriefung setzt.

Barbara Eisenmann hat sich im Auftrag von SWR2 und DLF in Brüssel umgehört und nach den möglichen Risiken dieser Pläne gefragt. Denn Verbriefungen unterschiedlicher, nicht immer erstklassiger Kredite – das erinnert doch unmittelbar an die Finanzkrise von 2008. Die Journalistin hat dabei unter anderem auch mit Finance Watch gesprochen.

Hier gibt es das Feature zum Nachhören. Fast 55 Minuten, die sich lohnen. Der Audiobeitrag kann auch runtergeladen werden.

 

Barbara Bohr, @nachrichtenlos, 01. April 2017

 

Out of touch: Steven Mnuchin und die Automatisierung

Wie viel wissen Banker und führende Politiker von der Realwirtschaft? Offensichtlich sehr wenig. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls, wenn man sich Steven Mnuchins unbekümmerte Einstellung zu den Folgen künstlicher Intelligenz auf die Beschäftigung anschaut. Der Mann ist frisch gebackener Finanzminister der Trump-Regierung und sollte als ehemaliger Chief Information Officer von Goldman Sachs (= Chef der IT!) Ahnung von der Sache haben. Als Mike Allen, Journalist von Axios, ihn im Interview nach eben diesen Konsequenzen fragte, lautete seine Antwort:

it’s not even on our radar screen…. 50-100 more years“ away. „I’m not worried at all“ about robots displacing humans in the near future, he said, adding: „In fact I’m optimistic.“

Natürlich sind die genauen Folgen von AI auf die Anzahl und Qualität zukünftiger Arbeitsplätze umstritten. Doch ist das Thema dermassen präsent in der derzeitigen wirtschaftspolitischen Diskussion – auch in den USA – , dass die vermeintliche Naivität von Mnuchins Antwort überrascht. SRF hat bereits 2015 angekündigt, dass jeder zweite Arbeitsplatz gefährdet sei. Im Finanzsektor, einer Branche, die er kennen sollte, droht durch die Digitalisierung ein Ertragsausfall von 30%. Mnuchin galt bisher als einer der weniger umstrittenen Minister Trumps, was angesichts der vielen Kontroversen in der Regierungsbildung jedoch nicht besonders viel heisst.Wie viele andere Goldman-Sachs-Alums geniesst Mnuchin den Ruf, weitsichtig und strategisch zu denken. Wie bereits sein Vater hat er jahrelang für die Wall-Street-Firma gearbeitet, bevor er ins Geschäft der Hedge Funds wechselte. Ausserdem hat er äusserst erfolgreiche Filme produziert. Hat das Hollywood-Engagement seinen Blick auf die Realität geblendet?

Twitter-User, vor allem  aus dem Sillicon Valley, reagierten erwartungsgemäss konsterniert und belustigt auf Mnuchins Bemerkung, wie z.B.  Benedict Evans von der VC-Firma Andreessen Horowitz:

 

Auch wenn man Steven Mnuchin zugutehält, dass er bei der Frage die Formen künstlicher Intelligenz, wie wir sie heute schon kennen, mit der sogenannten allgemeinen künstlichen Intelligenz (AGI) bzw. der Singularität verwechselt haben könnte, bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Und man kann sich darüber streiten, ob einfachere Varianten des Machine Learning schon als künstliche Intelligenz bezeichnet werden sollten. Als ehemaliger Chief Information Officer der weltweit bekanntesten Investmentbank sollte er die Unterscheidung kennen und bei einer unklar gestellten Frage nachhaken.

Noch nie war es so schwierig, dreiste Dummheit und „spin“ auseinanderzuhalten. Wie viel Ahnung haben diese reichen, bornierten Männer, die nun die Zukunft der USA gestalten sollen? „For the love of money“ scheinen sie sich um Kopf und Kragen zu reden, als ob sie jederzeit die Kamera abstellen und den Take wiederholen könnten.

 

Barbara Bohr, @nachrichtenlos, 25. März 2017

Start-ups zwingen Banken zum Wandel

 

Fintech ist die Abkürzung für Finanztechnologie und steht für die Digitalisierung des Bankgeschäfts. Immer mehr Technologie-Unternehmen wollen mit ihren Ideen den etablierten Finanzsektor gründlich umkrempeln. Wird es ihnen gelingen?

 

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Ethisch-ökologisch anlegen und vorsorgen

Die Verbraucherzentrale Bremen hat eine Broschüre über ethisch-ökologisches Anlegen und Vorsorgen herausgegeben. Zum einen wird einfach erklärt, was nachhaltiges Anlegen überhaupt bedeutet, welche Produkte es gibt und wie Kunden und Kundinnen die für sie passenden finden.

Das alles ist sehr informativ und wird leicht verständlich dargestellt. Letzteres liegt nicht nur an der einfachen Sprache, sondern auch an den zahlreichen Abbildungen. So ganz nebenbei lernt man ausserdem, wovon Banken eigentlich leben. Zielpublikum sind Menschen, die gerne bewusst nachhaltig anlegen möchten, ohne sich langwierig mit technischem Jargon auseinandersetzen zu müssen. Wirklich nett gemacht!

Gerade die Vorsorgethemen sind relativ stark auf Deutschland zugeschnitten, können aber auch durchaus auf die Schweiz übertragen werden.

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Hier ist der Link zur Broschüre: http://bit.ly/VZBGeldanlagen

 

Barbara Bohr, @nachrichtenlos, 12. März 2017

 

Neuer Ethos Swiss Corporate Governance Index

Die Ethos Stiftung lanciert einen neuen Börsenindex, der Corporate-Governance-Themen bei Schweizer Unternehmen berücksichtigt. In Zusammenarbeit mit der Schweizer Börse (SIX Swiss Exchange) publiziert Ethos den Index « Ethos Swiss Corporate Governance
Index (ESCGI) », welcher zur Bestimmung der Gewichtung der Unternehmen innerhalb dieses Index die wesentlichen Kriterien einer Good Governance miteinbezieht. Es handelt sich um den ersten Index dieser Art an der Schweizer Börse.

Der neue Index bevorzugt Unternehmen, die sich an die Best-Practice-Grundsätze der Corporate Governance halten. Die Grundsätze zur Corporate Governance von Ethos dienen für allfällige Änderungen der Gewichtung von Unternehmen gegenüber
dem «Swiss Performance Index (SPI)» als Referenz. Für die Konstruktion des Index konnte Ethos auf die Kompetenzen von SIX Swiss Exchange zurückgreifen, was es Ethos nun erlaubt, den Investoren eine glaubwürdige und professionelle Alternative
zu den traditionellen Indizes zu bieten.

Mit dem neuen Index lassen sich die folgenden Ziele verfolgen:

  • Unternehmen mit ungenügender Corporate Governance können untergewichtet oder ausgeschlossen werden.
  • Unternehmen mit sehr hohen CO2-Emissionen werden untergewichtet.
  • Unternehmen, die schwerwiegende Kontroversen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance aufweisen, werden nicht übergewichtet.
  • Ebenso wird die Übergewichtung von Unternehmen, deren
    Indexgewicht bereits über 15% liegt, vermieden.
  • Alle anderen Unternehmen werden übergewichtet.

Ab 30. Januar 2017 wird der neue Index ESCGI als Referenz für den «Ethos – Equities CH indexed, Corporate Governance» verwendet. Dieser Fonds repliziert exakt den ESCGI und wird durch Pictet Asset Management verwaltet. Er verbindet die Vorteile der
indexierten Verwaltung bezüglich tieferer Kosten und integriert die Expertise von Ethos im Bereich der Corporate Governance. Ethos nimmt systematisch die Stimmrechte bei allen Titeln im Portfolio gemäss den eigenen Richtlinien wahr. Und das ist das Neue: Der Fonds soll auch für private Investoren geöffnet werden. Noch steht die FINMA-Bewilligung aus.

Die Informationen stammen aus der Pressemitteilung der Ethos-Stiftung. Und hier ist noch die Pressemitteilung der SIX in englischer Sprache

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 30.01.2017

 

 

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