Neuer Ethos Swiss Corporate Governance Index

Die Ethos Stiftung lanciert einen neuen Börsenindex, der Corporate-Governance-Themen bei Schweizer Unternehmen berücksichtigt. In Zusammenarbeit mit der Schweizer Börse (SIX Swiss Exchange) publiziert Ethos den Index « Ethos Swiss Corporate Governance
Index (ESCGI) », welcher zur Bestimmung der Gewichtung der Unternehmen innerhalb dieses Index die wesentlichen Kriterien einer Good Governance miteinbezieht. Es handelt sich um den ersten Index dieser Art an der Schweizer Börse.

Der neue Index bevorzugt Unternehmen, die sich an die Best-Practice-Grundsätze der Corporate Governance halten. Die Grundsätze zur Corporate Governance von Ethos dienen für allfällige Änderungen der Gewichtung von Unternehmen gegenüber
dem «Swiss Performance Index (SPI)» als Referenz. Für die Konstruktion des Index konnte Ethos auf die Kompetenzen von SIX Swiss Exchange zurückgreifen, was es Ethos nun erlaubt, den Investoren eine glaubwürdige und professionelle Alternative
zu den traditionellen Indizes zu bieten.

Mit dem neuen Index lassen sich die folgenden Ziele verfolgen:

  • Unternehmen mit ungenügender Corporate Governance können untergewichtet oder ausgeschlossen werden.
  • Unternehmen mit sehr hohen CO2-Emissionen werden untergewichtet.
  • Unternehmen, die schwerwiegende Kontroversen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance aufweisen, werden nicht übergewichtet.
  • Ebenso wird die Übergewichtung von Unternehmen, deren
    Indexgewicht bereits über 15% liegt, vermieden.
  • Alle anderen Unternehmen werden übergewichtet.

Ab 30. Januar 2017 wird der neue Index ESCGI als Referenz für den «Ethos – Equities CH indexed, Corporate Governance» verwendet. Dieser Fonds repliziert exakt den ESCGI und wird durch Pictet Asset Management verwaltet. Er verbindet die Vorteile der
indexierten Verwaltung bezüglich tieferer Kosten und integriert die Expertise von Ethos im Bereich der Corporate Governance. Ethos nimmt systematisch die Stimmrechte bei allen Titeln im Portfolio gemäss den eigenen Richtlinien wahr. Und das ist das Neue: Der Fonds soll auch für private Investoren geöffnet werden. Noch steht die FINMA-Bewilligung aus.

Die Informationen stammen aus der Pressemitteilung der Ethos-Stiftung. Und hier ist noch die Pressemitteilung der SIX in englischer Sprache

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 30.01.2017

 

 

Caspar Dohmen: Profitgier ohne Grenzen

Caspar Dohmen packt in seinem Buch “Profitgier ohne Grenzen” ein aktuell heisses Eisen an: Was passiert, wenn Arbeit nichts mehr wert ist und Menschenrechte auf der Strecke bleiben? Dabei schlägt der Journalist geographisch und sozial einen grossen Bogen: Er führt uns vom Schlachthaus in der deutschen Provinz über die digitalen Tagelöhnern der Gig Economy in den urbanen Zentren bis in die Textilfabriken Karachis. Gleichzeitig beleuchtet er die Thematik aus der Perspektive der relevanten Gruppen: der Konzerne, der Arbeitnehmer, der Gewerkschaften und der NGOs. Ausbeutung ist kein Problem armer Länder, sondern armer Leute – das ist die Schlussfolgerung aus den zahlreichen Beispielen, die Dohmen gründlich recherchiert hat. Manches davon kennt man, liest bei ihm aber dennoch weiter. Das liegt an seinem Stil, mit grossartigen Konversationen: Trotz grosser Reflektiertheit bleibt er seinem anschaulichen Erzählstil eines „Reporters vor Ort“ treu.

Er bleibt auch nicht bei der Beschreibung stehen, sondern gibt konkrete Empfehlungen, wie die Rechte der Arbeitnehmer global gestärkt werden können. So fordert er u.a. die Verpflichtung der Konzerne zur Einhaltung der Menschenrechte und sozialer Mindeststandards, stärkere Gewerkschaften und mehr linken Kapitalismus. Aber auch Überlegungen zum Grundeinkommen gehören dazu. Internationale Solidarität unter den Arbeitenden ist für Dohmen Teil der Lösung. Für andere dürfte genau darin das Problem liegen. Wer sich die heftigen protektionistischen Reaktionen u.a. in UK und den USA auf internationale Absprachen anschaut, wird zwangsläufig pessimistisch, wenn es um den Ruf nach internationaler Solidarität geht.

Bleibt zumindest auf Schweizer Seite die Hoffnung, dass sich die Konzernverantwortungsinitiative durchsetzt. Die globale Einhaltung der Menschenrechte durch die Konzerne ist eine der Grundforderungen des deutschen Journalisten. Er nimmt jedoch nicht explizit Bezug auf die Initiative. Kommt sie durch, werden zumindest Schweizer Konzerne weltweit die Menschenrechte einhalten müssen. Wohlstand für alle heisst das noch lange nicht. Aber es wäre immerhin ein erster Schritt. Das dürfte Dohmen gefallen. Er ist ein Mann pragmatischer Schritte, nicht radikaler Grossentwürfe.

Caspar Dohmen, Profitgier ohne Grenzen. Wenn Arbeit nichts mehr wert ist und Menschenrechte auf der Strecke bleiben. Köln: eichborn, 2016.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 29.01.2017

Masterarbeit: Umfrage zu Crowdfunding in der Schweiz

Heute hat mich eine Umfrage erreicht, die für viele von euch interessant sein könnte. Es geht um euer Verhalten bei Schweizer Crowdfunding-Aktionen. Clelia Malinverni benötigt eure Teilnahme für ihre Masterarbeit in Wirtschaftskommunikation an der Universität Fribourg. Für die Teilnahme benötigt Ihr höchstens fünf Minuten. Macht mit!

Hier ist der Link zu ihrer Umfrage. Bitte leitet ihn auch in eurem Schweizer Netzwerk weiter.

Ich habe die Umfrage erhalten, weil Clelia zum Crowdfunding-Team der Powercoders gehört. Das Projekt wurde gerade erfolgreich auf der Plattform Wemakeit abgeschlossen. Bei den Powercoders handelt es sich um eine Programmierschule für Flüchtlinge in Bern.

Vielen Dank, dass ihr Clelias Arbeit und das Wissen über Crowdfunding in der Schweiz unterstützt!

Barbara Bohr, @nachrichtenlos, 18.o1.2017

 

 

 

 

Eine Reise durch Guinea

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Heute mal etwas anderes. Meine ehemalige Kollegin Martine berichtet von ihrer Reise durch Guinea. Sie betreut dort Schulprojekte.

 

 

Wir durch Guinea

Was machen wir da eigentlich? Und wer ist wir?

Wir, das sind:

Martine, Vorsitzende des Vereins „Bildungsförderung in Oberguinea e.V.“,  Diplom-Psychologin, User-Interface-Designerin bei der SAP AG in Walldorf, reise- und afrikaerfahren.
martineMamoudou, Stellvertretender Vorsitzender des Vereins, Lagerist bei der Robert Bosch GmbH in Karlsruhe-Hagsfeld. Der Franzose guineischer Abstammung wohnt seit  1998 in Deutschland. Fodecariah ist sein Heimatdorf.
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Daniel, Sozialabeiter und Fotograf aus Kassel

danielMartina, Organistaionsentwickelerin,  Diplom Geografin und Mutter von 4 Kindern aus aus St. Leon.

Thilo, Schüler und Snowboardfahrer(Sohn von Martina) aus St. Leon.

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Was tun wir dort?

Martine hat 2005 im 11 000 Einwohner-Städtchen Fodecariah, Mamoudous  Heimatstadt, den Schulleiter und die Lehrkräfte der Grundschule kennengelernt. Dort unterrichtete man insgesamt 520 Schüler von der ersten bis zur fünften Klasse.

In langen Gesprächen stellte sich heraus, dass vor allem Schulplätze, Weiterbildungsmöglichkeiten und Berufsperspektiven fehlen. Die nächste weiterbildende Schule ist 60 Kilometer entfernt…

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„Das ist nicht mehr meine Welt“ – Wenn Ex-Banker erzählen

Vor einigen Wochen habe ich bereits kurz das neue Buch „Bye Bye Bank. 21 Bankerinnen und Banker auf dem Weg zu neuen Ufern“ von Matthias A. Weiss auf dem Blog vorgestellt. Inzwischen habe ich Zeit gehabt, mir die Interviews näher anzuschauen. Zwei Porträtierte möchte ich hier vorstellen: zwei Frauen – die eine ist Geschäftsführerin von drei Kinderkrippen, die andere arbeitet als Autorin und freie Journalistin.

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Sustainable Finance bleibt vorerst in der Nische

Die Schweiz rühmt sich, ein Pionier für nachhaltige Geldanlagen zu sein. Ein White Paper, das im Auftrag des Swiss Finance Institute herausgegeben worden ist,  kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Thematik im Mainstream Banking noch nicht richtig angekommen ist. Über den richtigen Weg zu einer breiteren Publikumswirkung wurde bei einer Podiumsdiskussion am 19.11.2016 in Olten trefflich gestritten. Podiumsteilnehmer waren Annette Kraus, Wirtschaftsprofessorin an der Universität Zürich, René Weber vom Staatssekretariat für Finanzmarktfragen, und Sabine Döbeli von der Interessenvereinigung Swiss Sustainable Finance.


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Ist Nahrungsmittelspekulation ethisch?

Die Spekulation auf Nahrungsmittel sorgt für Diskussionen. Die Befürworter sagen, dass die Finanzspekulation auf Agrarrohstoffe wichtig sei um die Preise zu stabilisieren. Die Gegner behaupten das genaue Gegenteil: Diese Art von Handel würde die Lebensmittelpreise destabilisieren oder sogar auf Dauer einseitig in die Höhe treiben.

Wenn die Preise für Lebensmittel, wie Mais, Weizen oder Reis, steigen, sind wir aus den Industrieländern nur wenig betroffen. Wir geben im Schnitt nur 10-20 Prozent unseres Einkommens für Nahrungsmittel aus. Doch wie steht es um die Menschen, die 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben und von knapp zwei Dollar pro Tag leben müssen? Für diese Menschen kann eine Preissteigerung um bis zu 150 Prozent fatale Folgen haben.

Studien
Bereits dutzende Studien und Gutachten wurden veröffentlicht um die Frage zu klären, ob Spekulation die Ursache für massive Preisschwankungen der Grundnahrungsmittel ist. Die Resultate hängen dabei stark davon ab, wer die Studie in Auftrag gegeben hat. Wenn z.B. Die Deutsche Bank, welche sich trotz anderweitiger Zusagen weiterhin am Agrarrohstoffhandel beteiligt, eine Studie  in Auftrag gibt, heisst es, dass mitunter der steigende Verbrauch der Rohstoffe für Preissteigungen verantwortlich sei. Schon im Jahr 2010 haben die beiden Ökonomen John Baffes und Tassos Haniotis ein Gutachten erstellt, welches zum gegenteiligen Ergebnis kommt: Im Erntejahr 2007/08 habe „die Aktivität der Indexfonds die Schlüsselrolle bei der Ausbildung der Preisspitze im Jahr 2008 gespielt“. Auch Studien von Foodwatch, Oxfam oder Weed sind zu ähnlichen Schlussfolgerungen gekommen. Wegen der schlimmsten Trockenperiode in den USA seit einem halben Jahrhundert hat der Preisanstieg  von 2012 eine natürliche Ursache. Für das Erntejahr 2007/2008 war es dagegen die Aktivität der entsprechenden Indexfonds (s. Abbildung).

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Schwankungen des Maispreises (Quelle: http://de.anyoption.com/blog/?page_id=2765)

Wieso kein Verbot?
Kritiker des Verbots äussern, dass es noch ganz andere Gründe für den Anstieg der Preise gebe, wie zum Beispiel Ernteausfälle, Verluste bei Transport und Lagerung sowie Korruption. Ausserdem argumentieren sie, dass diese Art von Spekulation die Preise stabilisiere und Produzierende sich damit absichern könnten. Hierbei handelt es sich um Finanzterminkontrakte. Dieses System ist wichtig für die Verkäufer von Agrarrohstoffen. Doch der Anteil dieser absichernden Massnahmen ist klein geworden. Im Jahr 1998 war der Anteil an Hedgern noch 70 %. 10 Jahre später lag der Anteil nur noch bei 25 %. Bis zur Jahrhundertwende war die Tendenz der Preise lange Zeit sinkend und es gab eine strenge Obergrenze für den Handel. Mit der Kommerzialisierung und Deregulierung des Rohstoffmarktes nahmen die Preisschwankungen in beide Richtungen zu.

 

Was bisher auf politischer Ebene geschah
Die EU und die USA haben bereits mehrfach verkündet, dass sie die Nahrungsmittelspekulation reduzieren und zumindest die „schädliche“ Spekulation eindämmen möchten. Auch einige Banken aus Deutschland und der Schweiz haben sich diesem Vorhaben angeschlossen. Auf rein politischer Ebene ist aber bis anhin nichts geschehen, was die Rahmenbedingungen ändern würde. Anfang 2016 fand in der Schweiz die Volksabstimmung «Keine Spekulation für Nahrungsmittel» statt. Die Initiative wurde von der JUSO eingereicht. Sie wurde an der Urne mit 59.9 Prozent abgelehnt.

Angstmacherei
Doch wieso hat das Schweizer Stimmvolk die Initiative abgelehnt? Von wirtschaftsliberaler Seite wurde argumentiert, dass Arbeitsplätze verschwinden würden, da die Schweiz eine Drehscheibe für den weltweiten Rohstoffhandel sei. Ausserdem wurde behauptet, dass Bauern ihre Planungssicherheit verlieren würden. Doch diese wäre gar nicht gefährdet gewesen. In einem Statement gegenüber der „Luzerner Zeitung“ erklärte Nestlé-Sprecherin Cassandra Buri, dass die Absicherungstransaktionen auch nach Annahme der Initiative möglich gewesen wären. Ziel der Initiative war es, die Spekulation auf Lebensmittel zu beenden. Sogar Bundesrat Schneider-Ammann hantierte mit falschen Behauptungen.

Wer profitiert?

Versicherungen wie die Allianz sollen stark an der Nahrungsmittelspekulation beteiligt sein. Laut einer Studie von Oxfam soll die Versicherungsgesellschaft im Jahr 2011 mehr als 6,2 Milliarden Euro in Lebensmittelspekulation investiert haben. Zusammen mit der Deutschen Bank (4,6 Milliarden) kommen diese beiden Institute alleine auf 14 Prozent des globalen Marktes, den Analysten auf insgesamt rund 70 Milliarden Euro schätzen.

Ölpreise
Steigende Ölpreise sorgen tendenziell auch für die steigende Nahrungsmittelpreise. Der Lebensmittelsektor benötigt in den Industrieländern laut einer Studie von Hawken, Lovins und Lovins rund 10-15 Prozent des Energieverbrauchs. Ob für Bewässerung, das Beheizen von Gewächshäusern oder die Verarbeitung von Lebensmitteln, das „schwarze Gold“ wird überall gebraucht. John Baffes hat zudem berechnet, dass sich die Ölpreise zu rund einem Viertel auf die Agrarrohstoffpreise übertragen. Somit würde auch ohne die Spekulation auf Nahrungsmittel die Ernährung auf der Welt gefährdet sein, sollte sich der Preistrend beim Öl wieder umkehren.

Bisher keine konkreten Massnahmen
Doch was wären die konkrete Lösungswege um die Spekulation im Zaum zu halten? Sollen institutionelle Investoren und Banken aus dem Geschäft ausgeschlossen werden um die Transaktionen auf Absicherungsgeschäfte zu beschränken? Sollten Positionslimits, also eine Obergrenze, für den Handel mit Agrarrohstoffen eingeführt werden? Fast zeitgleich zur Lancierung der Abstimmungskampagne im Februar hat sich eine Gruppe von NGOs zusammengetan und einen offenen Brief an die EU-Kommission geschrieben. Darin fordern die Organisationen, Limits zu setzen und Schlupflöcher für den Handel mit Nahrungsmitteln zu schliessen. Bisher gab es keine Reaktion. Auch die Schweizer Jungsozialisten planen derzeit keine direkten Nachfolgeaktionen. Sie setzen ihre Hoffnung nunmehr auf die wesentlich umfassendere Konzernverantwortungs-Initiative und die Agenda 2030.  Sind dies vielleicht die wirkungsvolleren Instrumente Hunger zu bekämpfen?

Was meinen Sie? Diskutieren Sie mit uns.

 

Ein Gastbeitrag von Chantal Merz, freie Journalistin mit einem Faible für sozialkritische Themen

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