Masterarbeit: Umfrage zu Crowdfunding in der Schweiz

Heute hat mich eine Umfrage erreicht, die für viele von euch interessant sein könnte. Es geht um euer Verhalten bei Schweizer Crowdfunding-Aktionen. Clelia Malinverni benötigt eure Teilnahme für ihre Masterarbeit in Wirtschaftskommunikation an der Universität Fribourg. Für die Teilnahme benötigt Ihr höchstens fünf Minuten. Macht mit!

Hier ist der Link zu ihrer Umfrage. Bitte leitet ihn auch in eurem Schweizer Netzwerk weiter.

Ich habe die Umfrage erhalten, weil Clelia zum Crowdfunding-Team der Powercoders gehört. Das Projekt wurde gerade erfolgreich auf der Plattform Wemakeit abgeschlossen. Bei den Powercoders handelt es sich um eine Programmierschule für Flüchtlinge in Bern.

Vielen Dank, dass ihr Clelias Arbeit und das Wissen über Crowdfunding in der Schweiz unterstützt!

Barbara Bohr, @nachrichtenlos, 18.o1.2017

 

 

 

 

Eine Reise durch Guinea

Featured Image -- 2769

Heute mal etwas anderes. Meine ehemalige Kollegin Martine berichtet von ihrer Reise durch Guinea. Sie betreut dort Schulprojekte.

 

 

Wir durch Guinea

Was machen wir da eigentlich? Und wer ist wir?

Wir, das sind:

Martine, Vorsitzende des Vereins „Bildungsförderung in Oberguinea e.V.“,  Diplom-Psychologin, User-Interface-Designerin bei der SAP AG in Walldorf, reise- und afrikaerfahren.
martineMamoudou, Stellvertretender Vorsitzender des Vereins, Lagerist bei der Robert Bosch GmbH in Karlsruhe-Hagsfeld. Der Franzose guineischer Abstammung wohnt seit  1998 in Deutschland. Fodecariah ist sein Heimatdorf.
m

und

Daniel, Sozialabeiter und Fotograf aus Kassel

danielMartina, Organistaionsentwickelerin,  Diplom Geografin und Mutter von 4 Kindern aus aus St. Leon.

Thilo, Schüler und Snowboardfahrer(Sohn von Martina) aus St. Leon.

img_0341-2

Was tun wir dort?

Martine hat 2005 im 11 000 Einwohner-Städtchen Fodecariah, Mamoudous  Heimatstadt, den Schulleiter und die Lehrkräfte der Grundschule kennengelernt. Dort unterrichtete man insgesamt 520 Schüler von der ersten bis zur fünften Klasse.

In langen Gesprächen stellte sich heraus, dass vor allem Schulplätze, Weiterbildungsmöglichkeiten und Berufsperspektiven fehlen. Die nächste weiterbildende Schule ist 60 Kilometer entfernt…

Ursprünglichen Post anzeigen 132 weitere Wörter

„Das ist nicht mehr meine Welt“ – Wenn Ex-Banker erzählen

Vor einigen Wochen habe ich bereits kurz das neue Buch „Bye Bye Bank. 21 Bankerinnen und Banker auf dem Weg zu neuen Ufern“ von Matthias A. Weiss auf dem Blog vorgestellt. Inzwischen habe ich Zeit gehabt, mir die Interviews näher anzuschauen. Zwei Porträtierte möchte ich hier vorstellen: zwei Frauen – die eine ist Geschäftsführerin von drei Kinderkrippen, die andere arbeitet als Autorin und freie Journalistin.

bye-bye-bank_9783952466605

Weiterlesen…

Sustainable Finance bleibt vorerst in der Nische

Die Schweiz rühmt sich, ein Pionier für nachhaltige Geldanlagen zu sein. Ein White Paper, das im Auftrag des Swiss Finance Institute herausgegeben worden ist,  kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Thematik im Mainstream Banking noch nicht richtig angekommen ist. Über den richtigen Weg zu einer breiteren Publikumswirkung wurde bei einer Podiumsdiskussion am 19.11.2016 in Olten trefflich gestritten. Podiumsteilnehmer waren Annette Kraus, Wirtschaftsprofessorin an der Universität Zürich, René Weber vom Staatssekretariat für Finanzmarktfragen, und Sabine Döbeli von der Interessenvereinigung Swiss Sustainable Finance.


Weiterlesen…

Ist Nahrungsmittelspekulation ethisch?

Die Spekulation auf Nahrungsmittel sorgt für Diskussionen. Die Befürworter sagen, dass die Finanzspekulation auf Agrarrohstoffe wichtig sei um die Preise zu stabilisieren. Die Gegner behaupten das genaue Gegenteil: Diese Art von Handel würde die Lebensmittelpreise destabilisieren oder sogar auf Dauer einseitig in die Höhe treiben.

Wenn die Preise für Lebensmittel, wie Mais, Weizen oder Reis, steigen, sind wir aus den Industrieländern nur wenig betroffen. Wir geben im Schnitt nur 10-20 Prozent unseres Einkommens für Nahrungsmittel aus. Doch wie steht es um die Menschen, die 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben und von knapp zwei Dollar pro Tag leben müssen? Für diese Menschen kann eine Preissteigerung um bis zu 150 Prozent fatale Folgen haben.

Studien
Bereits dutzende Studien und Gutachten wurden veröffentlicht um die Frage zu klären, ob Spekulation die Ursache für massive Preisschwankungen der Grundnahrungsmittel ist. Die Resultate hängen dabei stark davon ab, wer die Studie in Auftrag gegeben hat. Wenn z.B. Die Deutsche Bank, welche sich trotz anderweitiger Zusagen weiterhin am Agrarrohstoffhandel beteiligt, eine Studie  in Auftrag gibt, heisst es, dass mitunter der steigende Verbrauch der Rohstoffe für Preissteigungen verantwortlich sei. Schon im Jahr 2010 haben die beiden Ökonomen John Baffes und Tassos Haniotis ein Gutachten erstellt, welches zum gegenteiligen Ergebnis kommt: Im Erntejahr 2007/08 habe „die Aktivität der Indexfonds die Schlüsselrolle bei der Ausbildung der Preisspitze im Jahr 2008 gespielt“. Auch Studien von Foodwatch, Oxfam oder Weed sind zu ähnlichen Schlussfolgerungen gekommen. Wegen der schlimmsten Trockenperiode in den USA seit einem halben Jahrhundert hat der Preisanstieg  von 2012 eine natürliche Ursache. Für das Erntejahr 2007/2008 war es dagegen die Aktivität der entsprechenden Indexfonds (s. Abbildung).

corn_grafik-2

Schwankungen des Maispreises (Quelle: http://de.anyoption.com/blog/?page_id=2765)

Wieso kein Verbot?
Kritiker des Verbots äussern, dass es noch ganz andere Gründe für den Anstieg der Preise gebe, wie zum Beispiel Ernteausfälle, Verluste bei Transport und Lagerung sowie Korruption. Ausserdem argumentieren sie, dass diese Art von Spekulation die Preise stabilisiere und Produzierende sich damit absichern könnten. Hierbei handelt es sich um Finanzterminkontrakte. Dieses System ist wichtig für die Verkäufer von Agrarrohstoffen. Doch der Anteil dieser absichernden Massnahmen ist klein geworden. Im Jahr 1998 war der Anteil an Hedgern noch 70 %. 10 Jahre später lag der Anteil nur noch bei 25 %. Bis zur Jahrhundertwende war die Tendenz der Preise lange Zeit sinkend und es gab eine strenge Obergrenze für den Handel. Mit der Kommerzialisierung und Deregulierung des Rohstoffmarktes nahmen die Preisschwankungen in beide Richtungen zu.

 

Was bisher auf politischer Ebene geschah
Die EU und die USA haben bereits mehrfach verkündet, dass sie die Nahrungsmittelspekulation reduzieren und zumindest die „schädliche“ Spekulation eindämmen möchten. Auch einige Banken aus Deutschland und der Schweiz haben sich diesem Vorhaben angeschlossen. Auf rein politischer Ebene ist aber bis anhin nichts geschehen, was die Rahmenbedingungen ändern würde. Anfang 2016 fand in der Schweiz die Volksabstimmung «Keine Spekulation für Nahrungsmittel» statt. Die Initiative wurde von der JUSO eingereicht. Sie wurde an der Urne mit 59.9 Prozent abgelehnt.

Angstmacherei
Doch wieso hat das Schweizer Stimmvolk die Initiative abgelehnt? Von wirtschaftsliberaler Seite wurde argumentiert, dass Arbeitsplätze verschwinden würden, da die Schweiz eine Drehscheibe für den weltweiten Rohstoffhandel sei. Ausserdem wurde behauptet, dass Bauern ihre Planungssicherheit verlieren würden. Doch diese wäre gar nicht gefährdet gewesen. In einem Statement gegenüber der „Luzerner Zeitung“ erklärte Nestlé-Sprecherin Cassandra Buri, dass die Absicherungstransaktionen auch nach Annahme der Initiative möglich gewesen wären. Ziel der Initiative war es, die Spekulation auf Lebensmittel zu beenden. Sogar Bundesrat Schneider-Ammann hantierte mit falschen Behauptungen.

Wer profitiert?

Versicherungen wie die Allianz sollen stark an der Nahrungsmittelspekulation beteiligt sein. Laut einer Studie von Oxfam soll die Versicherungsgesellschaft im Jahr 2011 mehr als 6,2 Milliarden Euro in Lebensmittelspekulation investiert haben. Zusammen mit der Deutschen Bank (4,6 Milliarden) kommen diese beiden Institute alleine auf 14 Prozent des globalen Marktes, den Analysten auf insgesamt rund 70 Milliarden Euro schätzen.

Ölpreise
Steigende Ölpreise sorgen tendenziell auch für die steigende Nahrungsmittelpreise. Der Lebensmittelsektor benötigt in den Industrieländern laut einer Studie von Hawken, Lovins und Lovins rund 10-15 Prozent des Energieverbrauchs. Ob für Bewässerung, das Beheizen von Gewächshäusern oder die Verarbeitung von Lebensmitteln, das „schwarze Gold“ wird überall gebraucht. John Baffes hat zudem berechnet, dass sich die Ölpreise zu rund einem Viertel auf die Agrarrohstoffpreise übertragen. Somit würde auch ohne die Spekulation auf Nahrungsmittel die Ernährung auf der Welt gefährdet sein, sollte sich der Preistrend beim Öl wieder umkehren.

Bisher keine konkreten Massnahmen
Doch was wären die konkrete Lösungswege um die Spekulation im Zaum zu halten? Sollen institutionelle Investoren und Banken aus dem Geschäft ausgeschlossen werden um die Transaktionen auf Absicherungsgeschäfte zu beschränken? Sollten Positionslimits, also eine Obergrenze, für den Handel mit Agrarrohstoffen eingeführt werden? Fast zeitgleich zur Lancierung der Abstimmungskampagne im Februar hat sich eine Gruppe von NGOs zusammengetan und einen offenen Brief an die EU-Kommission geschrieben. Darin fordern die Organisationen, Limits zu setzen und Schlupflöcher für den Handel mit Nahrungsmitteln zu schliessen. Bisher gab es keine Reaktion. Auch die Schweizer Jungsozialisten planen derzeit keine direkten Nachfolgeaktionen. Sie setzen ihre Hoffnung nunmehr auf die wesentlich umfassendere Konzernverantwortungs-Initiative und die Agenda 2030.  Sind dies vielleicht die wirkungsvolleren Instrumente Hunger zu bekämpfen?

Was meinen Sie? Diskutieren Sie mit uns.

 

Ein Gastbeitrag von Chantal Merz, freie Journalistin mit einem Faible für sozialkritische Themen

Wie nachhaltig sind die neuen Entwicklungsziele der UN?

Im Rahmen ihrer Geldgespräche hatte die Alternative Bank Schweiz die Nachhaltigkeitsexpertin Andrea Ries, zuständig für die Umsetzung der Agenda 2030 bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes (DEZA), am 03. November 2016 nach Olten eingeladen. Souverän führte Frau Ries in die 17 neuen nachhaltigen Entwicklungsziele der UN  mit dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ ein. Die neuen SDGs (Sustainable Development Goals) sind in Anlehnung an den Entwicklungsprozess der Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) entworfen worden und sind am 1. Januar 2016 in Kraft getreten.

17sdg-1008x560

Bedeutung der Entwicklungsziele für die Schweiz

Ries zeigte auf, welche gesellschaftlichen Aufgaben bei der Umsetzung dieser anspruchsvollen und nicht widerspruchsfreien Agenda auf die Schweiz zukommen. Jedes Entwicklungsziel umfasst konkrete, messbare Ergebnisgrössen, so dass das Gesamtbild der nachhaltigen Entwicklungsziele recht komplex wirkt. Insgesamt sind es 169 Unterziele, die die Fortschritte überprüfbar machen.

Doch wo genau kann die Schweiz hier Besonderes leisten? Geht es uns nicht besonders gut, so dass uns die nachhaltigen Entwicklungsziele nur am Rande betreffen? Anhand mehrerer Beispiele, wie dem Finanzmarkt, des Food Waste oder auch der Gleichstellung erläuterte Ries, dass auch die wohlhabende Schweiz noch einige Entwicklungsziele zu verfolgen hat.

Die kompakte Einführung führte zu einer regen Diskussion mit zwei inhaltlichen Schwerpunkten.

Wenig Medienresonanz 

Zum einen war das Publikum angesichts der enormen Anstrengungen und Aufwände etwas enttäuscht über die mangelnde Medienresonanz des Themas. Insbesondere in der Schweiz liege es möglicherweise auch daran, so der Erklärungsversuch von Frau Ries, dass alle Entwicklungsziele gleichzeitig fast immer jeden Bundesrat betreffen würden und damit die Adressierung der Verantwortlichkeit recht schwierig werde. Für die Medien und die Öffentlichkeit sei es einfacher, klare und eindeutige Verantwortungen zu kennen.

Strittiges Wachstumsziel

Zweiter Streitpunkt war die Problematik des Wirtschaftswachstums. Mehrere Teilnehmer aus dem Publikum sprachen sich gegen Punkt 8 der Entwicklungsziele aus, der dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern soll. Man habe sich damit nicht vom Zwang des Wirtschaftswachstums befreien können, das sich nur an der Zunahme des BIP orientiere. Damit mache man den Planeten kaputt, hiess es weiter. Frau Ries wies darauf hin, dass die angepeilten Wachstumsraten von 7 % pro Jahr ganz speziell nur für die ärmsten Länder (LDCs, least developed countries) gelten würden, konnte damit einige kritische Stimmen im Teilnehmerkreis jedoch nicht überzeugen.

Wachstum ohne Entwicklung?

Aus wachstumskritischer Sicht ist das Entwicklungsziel 8 sicherlich das schwierigste. Passen Wachstum und Nachhaltigkeit überhaupt zusammen? Bedeutet Wachstum immer auch Entwicklung? 1987 hiess es dazu im Bericht der Weltkommission zu Umwelt und Entwicklung noch relativ klar:

„Nachhaltige Entwicklung erfordert klar ökonomisches Wachstum dort, wo elementare Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Anderswo kann es mit ökonomischem Wachstum übereinstimmen, vorausgesetzt die Art des Wachstums berücksichtigt die allgemeinen Prinzipien der Nachhaltigkeit und das Prinzip, andere nicht auszubeuten.“

In den neuen Entwicklungszielen ist dieses ökologische und soziale Verständnis von Wachstum weniger transparent. Die aktuelle Formulierung suggeriert, dass das BIP der ultimative Massstab für die Wohlfahrt bleibt – für arme wie für reiche Länder.

Man kann darüber streiten, ob das Pro-Kopf-BIP der beste Bemessungsmassstab ist, oder ob nicht andere Grössen, wie der HDI (Human Development Index) oder der Social Progress Index besser wären. Unabhängig von der Messgrösse wird wohl niemand den ärmsten Ländern der Erde, wie Niger, Kongo, der Zentralafrikanischen Republik oder dem Chad, das Recht auf höheren materiellen Wohlstand absprechen wollen. Die Mehrheit der Bewohner dieser Länder muss mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. Ausserdem baut das Unterziel 8.4  eine Brücke zur Nachhaltigkeit, die in Ziel 12 formuliert ist. Dieses fordert:

…bis 2030 die weltweite Ressourceneffizienz in Konsum und Produktion Schritt für Schritt (zu) verbessern und die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltzerstörung an(zu)streben, im Einklang mit dem Zehnjahres-Programmrahmen für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster, wobei die entwickelten Länder die Führung übernehmen.

Diese Brücke bleibt eine Hilfskonstruktion. Es wäre überzeugender gewesen, Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit explizit als gemeinsames Ziel zu formulieren. Im Rahmen der lebhaften Plenumsdiskussion konnte der Zielkonflikt zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftswachstum denn auch nicht geklärt werden. Deshalb sei ergänzend  auf das grundsätzliche Gespräch zwischen Erhard Eppler und Nico Paech in der aktuellen ZEIT verwiesen. Kann es Fortschritt ohne Wachstum geben?

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 07.11.2016

 

Quellen:

United Nations (2016), Sustainable Development Goals Knowledge Platform https://sustainabledevelopment.un.org/sdgs

Jens Martens und Wolfgang Obenland (Februar 2016), Die 2030-Agenda Globale Zukunftsziele für nachhaltige Entwicklung,  https://www.globalpolicy.org/images/pdfs/GPFEurope/Agenda_2030_online.pdf

Irmi Seidl und Angelika Zahrnt (28.09.2015), SDGs: Steht Nachhaltigkeit unter Wachstumsvorbehalt, http://www.postwachstum.de/sustainable-development-goals-steht-nachhaltigkeit-global-unter-dem-vorbehalt-von-wachstum-20150928

 

Warum eine Alternative zu kiva und Zidisha?

Featured Image -- 2455

Jürg Wyss hat vor einigen Monaten über seine Einschätzung zu den Mikrokredit-Plattformen Kiva und Zidisha gebloggt. Über den Podcast zu Mikrokrediten mit @egghat und mir kamen wir auf Twitter ins Gespräch. Lest bitte, welche Alternative zu Mikrokrediten Jürg derzeit in den Phillippinen aufbaut. Das ist sehr interessant. Ich bewundere sein Engagement und verfolge seine Aktivitäten auch regelmäßig.
Für mich selber ist das jedoch nicht der richtige Weg. Ich sehe den Schwerpunkt im Aufbau der relevanten Institutionen vor Ort (NGOs, Kooperativen, Banken, Aufsichtsbehörden), auch wenn – typisch für das Geldgewerbe – ohne Regulierung mit Auswüchsen, wie Wucher und Nötigung, gerechnet werden muss. Diese Makel hindern mich nicht daran, eine ordentliche Finanzinfrastruktur mit aufzubauen. Dann können langfristig viele sicherer zahlen, sparen und bei Bedarf eben auch investieren. Ich denke deshalb, dass dieser Institutionenaufbau in Summe nachhaltiger wirken kann als ein persönliches Engagement – das ist auch mein Fazit aus dem Podcast.
Gerade wenn es um Geld geht, finde ich die persönliche Abhängigkeit eines Kreditnehmers von mir als Geldgeberin eher problematisch. Auf jegliche Form von Emotionalisierung möchte ich im Geldbereich lieber verzichten (auch ein Grund, weshalb ich Kiva nicht mag). Ich möchte auch nicht verschweigen, dass ich auf dieser persönlichen Ebene von finanzieller Unterstützung + Coaching eine ganz schlechte eigene Erfahrung gemacht habe. Ein Einzelfall gewiss – aber für mich prägend.
So ist es gut, dass es verschiedene Wege gibt, nachhaltige Entwicklung voranzutreiben.
Hier geht’s zu seinem Blogbeitrag:

Jürg's "wyssion"

Warum eine Alternative zu kiva und Zidisha?

Kiva.org und zidisha.org sind beides Plattformen, um Mikrokredite in grossen Mengen an arme Menschen zu vergeben und ihnen zu helfen, der Armut zu entkommen. Was sind die Unterschiede, wieso begeistern mich beide nicht und welche Alternative möchte ich aufbauen.

kiva.org

kiva, von vielen Prominenten unterstützt, hat grossen Erfolg, ist aber unter Mikrofinanzspezialisten auch heftig umstritten. Kiva erweckt den Eindruck, als würde ich, der Spender, einem Menschen direkt einen Kredit gewähren. Dem ist nicht so. kiva stellt das Geld lediglich andern Mikrofinanzinstitutionen (MFI) zur Verfügung, die das Geld nach Gutdünken einsetzen. Die Personen auf der Webseite von kiva sind lediglich mustergültige Kreditnehmer, die ihren Kredit schon erhalten haben. Gegen das ist an sich nichts einzuwenden. Marketingtechnisch geschickt aufgebaut, sorgt kiva für einen stetig fliessenden, grossen Zustrom an Geldern, die für die Arbeit vor Ort eingesetzt werden können.

Die Kritik richtet sich gegen das, was…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.309 weitere Wörter

%d Bloggern gefällt das: