Zu Klimarisiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Bank

Schweizer Banken tragen massiv zur Erhitzung des Planeten bei: Allein dem Markt für Aktienfonds können gleich viele Treibhausgasemissionen zugerechnet werden wie die Schweiz als Land jährlich ausstösst. Dies zeigt eine im Oktober 2015 publizierte Studie des Bundesamts für Umwelt (BAFU):

«Würden alle Investoren weltweit so investieren wie jene in der Schweiz, dann müssten wir uns auf einen globalen Temperaturanstieg von 4 bis 6 Grad einstellen.»

Anlegerinnen und Anleger am Schweizer Finanzplatz investieren also in beträchtlichem Ausmass in CO2-intensive Unternehmen. Den wenigsten dürfte dies bewusst sein, denn bisher fehlt es seitens der Banken an der nötigen Transparenz darüber, was die Klimaauswirkungen von Geldanlagen effektiv sind.

Der Klimawandel stellt für Anlegerinnen und Anleger dabei zusehends ein finanzielles Risiko dar: Fehlbewertungen von Unternehmen, die grosse Reserven an fossilen Brennstoffen halten oder in CO2-intensiven Sektoren tätig sind, führen zu einer sogenannten Kohlenstoffblase (Carbon Bubble). Platzt diese, zum Beispiel weil die Gesetzgebung strenger wird, drohen finanzielle Verluste. Banken sind in der Pflicht, ihre Kundschaft über Risiken, auch klimabedingte, aufzuklären.

Die Alternative Bank Schweiz ist in diesem Bereich First Mover. Sie hat als erste Schweizer Bank in Zusammenarbeit mit der South Pole Group den CO2-Fussabdruck ihres gesamten Anlagegeschäfts analysiert und ausgewiesen. Resultat: Dank einem sorgfältig nach sozial-ökologischen Kriterien ausgewählten Anlageuniversum verursacht ein ABS-Anlageportfolio durchschnittlich 50% weniger CO2-Emissionen als ein vergleichbarer Standardindex. Über 400 Titel wurden seitens South Pole Group einer CO2-Analyse unterzogen, die sowohl direkte wie auch indirekte Emissionen berücksichtigt. Dies zeigt nicht nur, dass die ABS transparent ist, sondern auch, dass sie durch ihre Anlagepolitik bewusst Klimarisiken minimiert. Damit folgt sie konsequent den Vorgaben des Pariser Klima-Abkommens und der Klimastrategie der Eidgenossenschaft. Mehr Geld soll in zukunftsgerichtete, weniger in treibhausgasintensive Technologien und Energieträger investiert werden. Wird transparent gemacht, wie sich Investitionen und Finanzierungen auf das Klima auswirken, können alle Beteiligten bewusst klimarelevante Entscheide fällen.

Wenn andere Banken diesem Vorbild folgen, könnte der Schweizer Bankenplatz eine aktivere Rolle im Kampf gegen die Klimaerwärmung spielen.

Weitere Informationen zur Methodik gibt es bei South Pole.

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Detailinformationen zum CO2-Fussabdruck des Anlagegeschäfts bei der ABS findet sich im aktuellen Geschäftsbericht der Bank.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 18. Mai 2017, Quelle Pressemitteilung

 

 

Auch wenn er sich nicht lohnt, der „short-termism“ wird immer kurzfristiger

Die Studie ist schon vom Februar 2017, aber ich bin erst heute durch den aktuellen Handelsblatt-Newsletter für nachhaltige Investments darauf gestossen. McKinsey hat die Auswirkungen eines immer kurzfristiger ausgerichteten Unternehmertums untersucht. Generell steht das Problem des „short-termism“ seit mehreren Jahren auf der Agenda vieler kritischer Investoren. Die Studie, in der sich McKinsey 615 börsennotierte Firmen (leider nur) aus den USA anschaute, kommt nun zu dem Ergebnis: Eine langfristige Ausrichtung der Unternehmensstrategie, die kurzfristigen Anreizen widerstehen kann, lohnt sich. Dass nachhaltiges und langfristiges Investieren gut für die Rendite ist, haben bereits andere Studien gezeigt, aber einige Einzelergebnisse, die der Handelsblatt Newsletter hervorhebt, sind schon beeindruckend. Langfristig orientierte Firmen berücksichtigen dabei auch die Risiken, die sich aus Klimawandel, Arbeitsbedingungen oder Ressourcenknappheit ergeben. Daraus können sich strategische Vorteile ergeben:

  • Zwischen 2001 und 2014 wuchs der Umsatz langfristig handelnder Unternehmen kumulativ um durchschnittlich 45 Prozent stärker als die Umsätze kurzfristig agierender Firmen. Ausserdem gab es niedrigere Schwankungen.
  • Vorausschauende Unternehmen investieren mehr. Sie steckten auch während der Finanzkrise vermehrt Geld in Forschung und Entwicklung. Zwischen 2007 to 2014 wuchsen die durchschnittlichen F&E-Ausgaben langfristig ausgerichteter Firmen jährlich mit 8,5% (die anderen dagegen nur mit 7%).
  • Nicht zuletzt realisierten langfristig ausgerichtete Unternehmen stärkere finanzielle Ergebnisse: Ihre Marktkapitalisierung stieg in dieser Zeit um sieben Milliarden US-Dollar mehr als die der anderen.
  • Sie schaffen mehr Jobs.

Trotz dieser positiven Auswirkungen reisst der Drang zu immer kurzfristiger orientierten Zielen nicht ab. Die folgende Abbildung zeigt, wie sehr sich die meisten Führungskräfte vom Zeitfaktor unter Druck setzen lassen.

shorttermism

SOURCE: Rising to the challenge of short-termism. FCLT Global, September 2016.

Die nächsten Quartalszahlen sind für Firmen, Analysten und Anleger meist interessanter als das langfristige Ertragspotenzial. Natürlich gibt’s auch Ausnahmen, wie Tesla zum Beispiel 🚗  , aber das liegt am CEO und seinem Bild von der Zukunft🚀. Anders als Elon Musk, der zugleich auch einer der Hauptaktionäre Teslas ist, bleiben die meisten CEOs heute nur noch knapp 3 Jahre im Amt. Wozu also langfristig denken?

Der komplette Bericht ist hier nachzulesen. Er ist im Rahmen der Aktivitäten von McKinsey als Mitglied von FCLT Global entstanden. In dieser Initiative haben sich Investoren und Firmen zusammengefunden, die das langfristige Denken und Handeln in Unternehmen fördern möchten. Dazu gehören neben McKinsey u.a. auch BlackRock oder Dow, denen man nicht gerade Kritik am Kapitalismus vorwerfen kann. Alleine BlackRock ist bei einem Drittel aller DAX-Unternehmen größter Einzelaktionär und könnte entsprechend auf Geschäftsführung und Aufsichtsräte Druck ausüben.

Aber soweit sind wir nicht. Vielleicht muss, um nur ein Beispiel zu nennen, BlackRock als Erstes die Zielvereinbarungen der eigenen Fondsmanager überarbeiten? Schneller ist nicht automatisch besser und weiter.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 12.05.2017

„Changed it“: Nicki Minaj und die US-Bildungsblase

Am Wochenende erklärte sich die Rapperin Nicki Minaj auf Twitter bereit, die Collegegebühren für einige ihrer Fans zu übernehmen. Dazu kam es, weil die Musikerin den Gewinnern eines internationalen Wettbewerbs öffentlich zugesichert hatte, ihnen die Flugkosten für ein Treffen mit ihr in Las Vegas zu bezahlen. Als daraufhin eine US-Studentin keck nachfragte, ob sie ihr auch die Collegegebühren zahlen würde, kam nach kurzer Bedenkzeit ein „Ja“ von Nicki Minaj, vorausgesetzt die Noten würden stimmen.

Damit trat sie eine Lawine los. Nach Angaben des Guardian sicherte die Musikerin im Laufe einer Stunde mehr als 30 Studierenden finanzielle Hilfe zu. Insgesamt soll es sich um Zusagen in Höhe von 30’000 US-Dollar handeln.

Das mag nach reiner PR-Aktion klingen, aber Nicki Minaj nehme ich es schon ab, dass sie tatsächlich ein ganz grosses Herz hat. Natürlich kann auch sie mit ihren Aktionen das strukturell bedingte Überschuldungsproblem vieler Hochschulabsolventen in den USA nicht lösen. Wer kann es sich noch ohne Kreditaufnahme leisten, jährlich 40’000 Dollar für Studiengebühren auszugeben? Zumal längst nicht mehr garantiert ist, dass der Abschluss zu einem Job verhilft, der die Schulden zurückzahlen lässt. Gut an ihrer Aktion wäre, dass überhaupt über das Problem der Studienfinanzierung wieder mehr gesprochen und möglicherweise angegangen wird. Doch genau da habe ich meine Zweifel.

Im Wahlkampf hatten sowohl Clinton als auch Trump angekündigt, sich um eine Regelung der studentischen Kredite zu kümmern. Noch vor der Wahlentscheidung letzten November habe ich einen Überblick über den studentischen Schuldenstand in den USA und die Möglichkeiten eines Erlasses dieser Kredite geschrieben. Er ist in der Moneta 04/2016 nachzulesen.

Die ersten 100 Tage der Regierung Trump zeigen eher, dass er das Problem  als niedrige Priorität einstuft. Vor allem war er mit seiner Trump University selber am profitorientierten Markt für Hochschulbildung aktiv. Und eine Staatssekretärin für Bildung wie Betty De Vos ist auch eher ein Zeichen dafür, dass die Fahrt weiter Richtung überteuerte, kreditfinanzierte Erziehung geht. Lil Wayne wird Nicki Minaj also weiterhin zurufen: „Different hoes doing the same shit“.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 08. Mai 2017

 

 

 

 

Crowdfunding als Krankenkassenersatz

Myranda Whiteside (25) aus Colorado hat Brustkrebs. Da sie und ihr Mann die Kosten für Operation, Therapie und Medikamente nicht tragen können, suchen sie Geld via Crowdfunding. 15’000 Dollar brauchen sie. 4’696 Dollar an Spenden hat das junge Paar  nach drei Wochen Kampagne bereits zusammen.

Was in Europa nach Dystopie klingt, wird in den USA, dem reichsten Land der Erde, immer üblicher. In einem Moment körperlicher Schwäche und enormer psychischer Belastung kann man sich mit Hilfe hübscher Videos, knackiger und herzerreisender Botschaften Geld für eine ärztliche Behandlung suchen. Gofundme ist eine Crowdfunding-Plattform, auf der Menschen für ihre ganz individuellen Anliegen Geld einsammeln können: Das Spektrum reicht von Spenden für Wohltätigkeitsorganisationen, Schulevents bis hin zur häuslichen Pflege von Kriegsveteranen. Eine Lehrerin hat auch schon einmal erfolgreich eine Aktion gestartet, um für alle Schüler und Schülerinnen ein Fahrrad zu kaufen. Gofundme nennt sich selber die

#1 do-it-yourself fundraising website to raise money online.

 

gofundme_logo2c_april_2012

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Ein neues Label für Verbriefungen aus Brüssel. Geht das gut?

Diese Woche brachte SWR2 ein gutes Feature über die Pläne der Europäischen Kommission, alternative Finanzierungsquellen für kleine und mittlere Unternehmen zu schaffen. Die Kommission verspricht ein simples, standardisiertes und transparentes Verfahren, das auf Verbriefung setzt.

Barbara Eisenmann hat sich im Auftrag von SWR2 und DLF in Brüssel umgehört und nach den möglichen Risiken dieser Pläne gefragt. Denn Verbriefungen unterschiedlicher, nicht immer erstklassiger Kredite – das erinnert doch unmittelbar an die Finanzkrise von 2008. Die Journalistin hat dabei unter anderem auch mit Finance Watch gesprochen.

Hier gibt es das Feature zum Nachhören. Fast 55 Minuten, die sich lohnen. Der Audiobeitrag kann auch runtergeladen werden.

 

Barbara Bohr, @nachrichtenlos, 01. April 2017

 

Der Bankstil-Blog zieht um

Der Bankstil-Blog von Ralf Keuper, den ich gerne lese und oft retweete ist umgezogen. Neu ist er auf WordPress zu finden:  https://bankstil.blog/.

Ralf Keuper beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit der Digitalisierung der Banken, die stellvertretend für den Wandel des Sektors steht. Seine Beiträge sind immer wohlüberlegt und haben Tiefgang, ohne auszuufern.

Barbara Bohr, @nachrichtenlos, 29.03.2017

Out of touch: Steven Mnuchin und die Automatisierung

Wie viel wissen Banker und führende Politiker von der Realwirtschaft? Offensichtlich sehr wenig. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls, wenn man sich Steven Mnuchins unbekümmerte Einstellung zu den Folgen künstlicher Intelligenz auf die Beschäftigung anschaut. Der Mann ist frisch gebackener Finanzminister der Trump-Regierung und sollte als ehemaliger Chief Information Officer von Goldman Sachs (= Chef der IT!) Ahnung von der Sache haben. Als Mike Allen, Journalist von Axios, ihn im Interview nach eben diesen Konsequenzen fragte, lautete seine Antwort:

it’s not even on our radar screen…. 50-100 more years“ away. „I’m not worried at all“ about robots displacing humans in the near future, he said, adding: „In fact I’m optimistic.“

Natürlich sind die genauen Folgen von AI auf die Anzahl und Qualität zukünftiger Arbeitsplätze umstritten. Doch ist das Thema dermassen präsent in der derzeitigen wirtschaftspolitischen Diskussion – auch in den USA – , dass die vermeintliche Naivität von Mnuchins Antwort überrascht. SRF hat bereits 2015 angekündigt, dass jeder zweite Arbeitsplatz gefährdet sei. Im Finanzsektor, einer Branche, die er kennen sollte, droht durch die Digitalisierung ein Ertragsausfall von 30%. Mnuchin galt bisher als einer der weniger umstrittenen Minister Trumps, was angesichts der vielen Kontroversen in der Regierungsbildung jedoch nicht besonders viel heisst.Wie viele andere Goldman-Sachs-Alums geniesst Mnuchin den Ruf, weitsichtig und strategisch zu denken. Wie bereits sein Vater hat er jahrelang für die Wall-Street-Firma gearbeitet, bevor er ins Geschäft der Hedge Funds wechselte. Ausserdem hat er äusserst erfolgreiche Filme produziert. Hat das Hollywood-Engagement seinen Blick auf die Realität geblendet?

Twitter-User, vor allem  aus dem Sillicon Valley, reagierten erwartungsgemäss konsterniert und belustigt auf Mnuchins Bemerkung, wie z.B.  Benedict Evans von der VC-Firma Andreessen Horowitz:

 

Auch wenn man Steven Mnuchin zugutehält, dass er bei der Frage die Formen künstlicher Intelligenz, wie wir sie heute schon kennen, mit der sogenannten allgemeinen künstlichen Intelligenz (AGI) bzw. der Singularität verwechselt haben könnte, bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Und man kann sich darüber streiten, ob einfachere Varianten des Machine Learning schon als künstliche Intelligenz bezeichnet werden sollten. Als ehemaliger Chief Information Officer der weltweit bekanntesten Investmentbank sollte er die Unterscheidung kennen und bei einer unklar gestellten Frage nachhaken.

Noch nie war es so schwierig, dreiste Dummheit und „spin“ auseinanderzuhalten. Wie viel Ahnung haben diese reichen, bornierten Männer, die nun die Zukunft der USA gestalten sollen? „For the love of money“ scheinen sie sich um Kopf und Kragen zu reden, als ob sie jederzeit die Kamera abstellen und den Take wiederholen könnten.

 

Barbara Bohr, @nachrichtenlos, 25. März 2017

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