Modellansatz für ethisches Management

Wie muss das Bankmanagement geschaffen sein, auf welcher Basis sollen Entscheidungen getroffen werden, um im Spannungsfeld von Shareholder Value und Reputationsrisiko sicher zu navigieren? Die mediale Berichterstattung über das (Fehl-)Verhalten der Schweizer Banken ist sowohl im In- als auch im Ausland in den letzten Jahren in manchen Fällen zu einer regelrechten Banken-Hetzjagd ausgeartet. Politik und Gesetzgeber reagierten und reagieren noch immer mit erhöhtem Druck und schärferer Regulierung der Branche. Aus Sicht der Gesellschaft muss ein nicht unbedeutender Schaden für die Reputation der Branche und eine wachsende Unbeliebtheit einschlägiger Berufe konstatiert werden. Die Bankbranche wird als moralisch mehrheitlich fragwürdige Industrie wahrgenommen und ihre Exponenten als gierige Bonusbanker bezeichnet. Diese Entwicklung erfuhr durch die Annahme der Abzockerinitiative und die dadurch gestärkte Position der Shareholder einen ersten Höhepunkt. Der ausgebaute Fokus auf den Shareholder wirft gerade in Zeiten, in denen ethisches Investment und Nachhaltigkeitsfonds mit ihrer Performance glänzen, die Frage auf, welche Zusammenhänge zwischen Shareholder Value und Ethik bestehen und welche praktische Bedeutung das für die Bankführung hat.

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The 2nd Swiss Fintech Day: Cuddling up with the banks

Not one, but two members of the Swiss Federal Council take care of the local Fintech industry. Both Johann Schneider-Ammann, head of federal economic affairs, and Ueli Maurer, head of the federal finance department, have recently engaged quite a lot with the start-ups of this sector. Due to the strong banking tradition of the country, the buzzword Fintech implies the promise that the industry may regain its international competitiveness.

Last Monday, Johann Schneider-Ammann attended the second Swiss Fintech Day at StartUp Space Schlieren. The advocacy association Swiss Finance Startups had organized the event. The Swiss politician saw quite a few demos and learned about key strategies of the young companies: He learned how to exchange Swiss francs for Bitcoin, he got to know the Swiss payment app Twint, and was challenged by various Fintech founders who were invited to present their woes on policy matters. In principle, all are happy to be a start-up in Switzerland. The regulatory supervisor FINMA, some of the entrepreneurs added, also uses the current legal framework to its best, but more legislative action might become necessary in the future. Most start-ups consider the big banks as their biggest threat, because these use the existing regulation in order to maintain the status quo. Other than that, there was little criticism about banks during the event which is little surprising since banks, policy makers and Fintech companies had come together in Schlieren to explore their joint possibilities as the future fintech eco-system.

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Federal Council member Schneider-Ammann learns how to buy bitcoins.

From my point of view, it would have been much better to broaden the concept of the ecosystem. In too many talks and panels it got reduced to the triangle “banks, FINMA as regulatory supervisor and Fintechs”. Much to my relief, one conference participant asked the essential question: Why don’t we try to broaden our view of the eco-system and include industrial companies? A good question because this understanding would help to spark innovation much more. The only start-up with a technical foundation completely outside of the Fintech sector was Climeworks, an ETH spin-off. The company filters out CO2 from the air and has gained international recognition with its demonstration facility in Hinwil this year. Integrating them into the eco-system can help to evolve different business models, which no one has thought about before. Sustainability, for Schneider-Ammann one of the basic values of the digital transformation of the Swiss economy, could play a significant role for Fintechs, too, and help them to differentiate from the banks. Unfortunately, for most Fintech start-ups at the event, sustainability does not play a major role in their business plans.

In this, they follow the paths of most banks. Many founders or employees of these new companies have a background in the banking industry. They used to work either directly for a bank or for one of their many software suppliers in the region. That’s why many of them stick to a mode of thinking, which does not allow them to look beyond the traditional money flows. I got the impression, that most build up a company to be quickly paid out by the incumbent banks. I am convinced that this approach won’t lead to significant innovation. All they seem to want is their small share of the banks’ margin. They have no ambition to have a positive impact on society. I got to know many Fintech companies that can be allocated in the range of efficiency innovation (e.g. automating processes, using machine learning in fraud detection). I also believe that Fintechs are able to create considerable incremental innovation, such as robo advisers, or new authentication methods in a world that is “always on”. Quite smart solutions actually. Yet, I did not get to see any truly disruptive stuff on Monday, which might make banks redundant in the long run. Maybe there were too many bankers, also as heavy sponsors of the event, in the room.

I do not mind if Fintech companies have domain know-how and look for sector contacts. That’s important, especially in a tightly regulated market, but it is equally important to maintain some distance from those that have been in the business for so long. In order to disrupt it’s often better to ignore the processes of the past.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), September 9, 2017

 

 

 

 

 

 

Verderben zu viele Banker den Schweizer Fintech-Brei?

 

Gleich zwei Schweizer Bundesräte kümmern sich um die Fintech-Branche. Die Start-Ups finden sowohl bei Johann Schneider-Ammann als auch Ueli Maurer ein offenes Ohr für ihre Anliegen. So besuchte Johann Schneider-Ammann am letzten Montag, 04.09.2017, den zweiten Swiss Fintech Day im StartUp Space Schlieren. Er liess sich zeigen, was die jungen Fintech-Unternehmen in der Schweiz auf dem Kasten haben. Schneider-Ammann kam aber auch, um zu hören, was diese von der Politik erwarten. Grundsätzlich seien die Rahmenbedingungen für Start-Ups in der Schweiz gut, bekam er als häufigste Antwort zu hören. Auch die Finma mache das Beste aus dem rechtlichen Rahmen, so der Tenor der vertretenen Start-Ups. Die grösste Gefahr sehen sie in den etablierten Banken, die die bestehende Regulierung nutzen, um sich als Platzhirsche behaupten zu können. Das war denn auch die härteste Breitseite, die gegen die Banken am Event gefahren wurde. Themenschwerpunkt des Tages war nämlich die Selbstfindung und -darstellung als Fintech-Ökosystem. Man kuschelte lieber miteinander.

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Bundesrat Schneider-Ammann mit zwei Mitarbeitern von Bitcoin Suisse, die ihm den Bitcoin-Automaten erklären.

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Fintech-Jobs für Ohio

Ohio ist auf Werbetour in der Schweiz. Es ist die Aufgabe von Valentina Isakina, Geld und Unternehmen zu finden, die in Ohio Jobs schaffen wollen. Nach Ohio? Ist das nicht Teil von Fly-Over-Country America? Wer will da schon hin? Start-Ups, die Kontakte und Kapital suchen, gehen ins Silicon Valley oder nach New York City. Ausländische Start-Ups machen einen Bogen um Ohio, denn wer garantiert ihnen, dass sie – gerade unter Trump – die notwendigen Visa erhalten? Valentina Isakina möchte diese Wahrnehmung ändern. Denn der Fintech-Hype um die beiden Küstenstädte San Francisco und New York  habe noch nie so ganz der wirtschaftlichen Wirklichkeit entsprochen, meint sie. Nach New York City hat Ohio die meisten Hauptsitze von Banken und Versicherungen in den USA. Das sind fast alles Unternehmen aus dem Second Tier, die hauptsächlich in den USA tätig sind.

Ich habe Valentina Isakina, Managing Director bei JobsOhio und zugleich Board Member des angeschlossenen Accelerators Fintech71 am 2. Swiss Fintech Days in Schlieren getroffen und mit ihr über ihre Ziele gesprochen.

 

Valentina Isakina

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Das Internet der rollenden Dinge

Elon Musk hat’s einmal wieder geschafft, dass ihm mit einem lapidaren Tweet alle zuhören. Ganz locker verkündete er, dass er eine mündliche Zusage der Bundesbehörden habe, eine Hyperloop-U-Bahn zwischen New York City und Washington DC zu bauen.

Er ruderte schnell zurück, denn noch liegen ihm keine formalen Zusagen vor. Wer ihm nun was genau zugesagt hat, steht vorerst nur in den Sternen und seiner Phantasie. Beides ist bei ihm eng miteinander verbunden. Immerhin macht Musk voran, denn grosse Bauprojekte haben es angesichts hoher Regulierungsdichte und vieler Stakeholder mit ganz verschiedenen Interessen nicht einfach, eine Genehmigung zu erhalten.

Auch in der Schweiz haben wir mit Cargo sous terrain ein vergleichsweise wagemutiges Unterfangen, das sich durch die Mühlen der Finanzierung (was für Musk offensichtlich nie ein Problem ist) und der Gesetze kämpft und noch einen langen Weg bis zum ersten Spatenstich vor sich hat. Cargo sous terrain verspricht, den Gütertransport in der Schweiz mit einem Tunnelsystem und automatisierter Steuerung umweltfreundlich und effizient zu gestalten. 

In der letzten Moneta-Ausgabe (02/2017) habe ich einen aktuellen Abriss über das Grossprojekt gegeben. Die Debatte um komplizierte und langwierige Genehmigungsverfahren ist ein guter Anlass, den Beitrag auch auf dem Blog online zu stellen.

Kern des Logistikprojekts Cargo sous terrain (CST) ist ein Tunnelsystem, in dem Güter unterirdisch transportiert werden sollen. Die Tunnels für den Warentransport würden wichtige Logistik- und Produktionsstandorte mit Umladestationen in den grossen Städten, den sogenannten Hubs, verbinden. In einem ersten Bauabschnitt bis 2030 ist ein Tunnel zwischen Härkingen/Niederbipp und Zürich geplant. Bis 2050 soll die Strecke St. Gallen bis Genf angeschlossen sein, mit Tunnelästen nach Basel, Luzern und Thun.

Eine Studie bestätigt die Machbarkeit des Unterfangens. Der Bundesrat begrüsst das Vorhaben ebenfalls. Ein Gutachten des Bundes kommt zu dem Schluss, dass das Projekt vor allem die zukünftigen Bedürfnisse des Detailhandels und der Paketlogistik abdeckt. Mit dem neuen System könnten Ankunftszeiten garantiert werden. Das ist für Daniel Wiener, dem Kommunikationsverantwortlichen des Projekts, ein wichtiger Vorteil des neuen Systems. Heutzutage ist eine solche Garantie nicht umsetzbar. Eine grosse Rolle spielten ausserdem der voll automatisierte, kostengünstige Betrieb und die kontinuierliche Steuerung der Güter ohne Wartezeiten und ohne Staus, ergänzt Wiener. Damit sei das Projekt Teil der Digitalisierungsstrategie des Bundes. Gleichzeitig sei der Betrieb ökologisch sinnvoll: Die unterirdischen Transporte sollen in elektrischen Fahrzeugen erfolgen. Auch bei der Abdeckung der «letzten Meile» vom Hub zur Kundschaft will man auf nachhaltige Transportmittel setzen. Im Vergleich zur heutigen Nutzung der Infrastruktur würden sich grosse Einsparungen bei den Lärm- und CO2-Emissionen ergeben (s. Abbildung).

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Private Finanzierung

Das Projekt kommt in der Öffentlichkeit gut an: Der Tunnelbau setzt auf bewährte Schweizer Ingenieurskunst. Intelligente Informationssteuerung und ökologische Nachhaltigkeit stehen für die innovative Seite des Projekts. Das könnte auch aus Anlegerseite langfristig attraktiv aussehen. Der Bund ist allerdings erst bereit, das notwendige Spezialgesetz zu verabschieden, wenn CST 100 Millionen Franken als Anschubfinanzierung bereitstellt. Das Projekt mit Gesamtkosten von 3.5 Milliarden Franken für die erste Tunnelstrecke muss sich privat finanzieren. CST ist im Gespräch mit Pensionskassen und anderen institutionellen Anlegern, um die Finanzierung sicherzustellen. Erste Investoren haben bereits zugesagt. Einen späteren Gang an die Börse schliesst Wiener nicht aus, komme aber vor 2025 nicht in Frage. Klar ist, diese Anschubfinanzierung kommt nicht von den heutigen Hauptaktionären (u.a. Coop, Migros, Swisscom, Rhenus, Mobiliar). Durch das zusätzliche Beteiligungskapital soll das Projekt auf eine breite Basis gestellt werden.

Autonome Fahrzeuge als Alternative

Doch das Projekt spürt auch Gegenwind. Die Kantone Aargau und Solothurn sind nicht ganz überzeugt. Man hat Angst, dass der Verkehr rund um die Hubs zunehmen würde. Thomas Sauter-Servaes, Mobilitätsforscher an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, ist ebenfalls skeptisch. Zwar findet er die Grundidee gut. Insgesamt aber schätzt er, dass durch das Projekt «zu viele neue Kapazitäten in Beton» entstehen würden. Er warnt, dass der technische Fortschritt den Verkehr, wie wir ihn heute kennen, komplett ändern werde und damit das Geschäftsmodell von CST in Frage stelle. Seine Vision besteht darin, die bestehenden Strassenkapazitäten besser auszunutzen. Er setzt auf die Fortschritte bei elektrischen und autonomen Fahrzeugen, und zwar für den Personen- wie den Güterverkehr. Damit sei die Schadstoffproblematik vom Tisch, führt Sauter-Servaes aus. Grosse Wirkung verspricht er sich zudem vom Umstieg auf sogenannte Taxisysteme (Car Sharing, Ride Sharing, Cargo Sharing): Miteinander vernetzte Roboter-Taxis befördern Menschen und Güter auf Abruf an den gewünschten Ort. Studien aus München, Stuttgart und Lissabon zeigen, dass diese Entwicklung dazu führen werde, dass nur noch rund ein Zehntel der heutigen Fahrzeuge überhaupt benötigt würden. Insbesondere der Einsatz autonomer Fahrzeuge im Gütertransport könne zu höherer Effizienz führen, meint Sauter-Servaes. Dazu zählt er die höhere Sicherheit im Strassenverkehr, die Nutzung von Stromüberkapazitäten in auslastungsarmen Zeiten und das Fahren im Konvoi mit Mindestabstand (= Platooning).

Damit würden die aktuellen Strassenkapazitäten völlig ausreichen. Es bräuchte keine neuen Tunnel. Ein wesentliches Risiko bleibt auch in dieser Vision: Wie werden die Menschen diese vernetzte und datengetriebene Verkehrswelt annehmen, die in fünf bis zehn Jahren technisch möglich ist? Diese Unsicherheiten werden auch die privaten Investoren von Cargo sous terrain in ihre Entscheidung miteinbeziehen müssen. Und möglicherweise geht es gar nicht um ein Entweder-Oder. Elon Musk setzt bekanntlich auch auf mehrere Pferde.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 22. Juni 2017, Link zum Originalartikel

 

 

Service-as-a-country: Die digitale Transformation Estlands

An der Blockchain Valley Konferenz am GDI im Juni habe ich mit Aet Rahe gesprochen. Sie hat bis 2016 als stellvertretende Leiterin Informationstechnik am Estnischen Ministerium für Wirtschaft und Kommunikation den digitalen Transformationsprozess Estlands mitgestaltet. Ich habe das Interview für donna informatica, das ist die Fachgruppe der Frauen innerhalb der Schweizer Informatik-Gesellschaft (SI), geführt.

Weshalb ich den Artikel hier reblogge?

Banken spielen gemeinsam mit den Telekom-Anbietern und dem Staat die wichtigste Rolle beim Aufbau der digitalen Gesellschaft Estland. Die Banken sorgen – wen wundert’s – für das Gros an Transaktionen. Von daher ist Estland ein schönes Beispiel dafür, dass wenig sinnvoll es ist, Staat und Privatwirtschaft ständig gegeneinander ausspielen zu wollen. Mit einer sinnvollen Arbeits- und Kostenteilung profitieren vor allem die Esten und Estinnen.

Hier geht’s zum Artikel.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 29. Juni 2017

 

Regulierung für mehr Innovation

Chancen und Risiken des Fintech-Sektors

Mit der richtigen regulatorischen Unterstützung kann FinTech den Finanzsektor neu gestalten – das ist die Antwort, mit der die NGO Finance Watch diese Woche auf eine öffentliche Konsultation der EU-Kommission zu Fintech reagiert.
Gerade aus Konsumentensicht sieht Finance Watch die Fintech-Entwicklung als grosse Chance für den Sektor, sieht aber auch die Risiken unbeabsichtigter Folgen. Vereinsvorstand Rainer Lenz fasst die Meinung von Finance Watch wie folgt zusammen:

„FinTech hat großes Potenzial, das Wohlergehen der EU-Bürger zu verbessern, indem es mit trägen Finanzinstituten konkurriert, Kosten reduziert und  Barrieren für Kredit- und Transaktionsdienste beseitigt. Aber es könnte auch neue Risiken für die Bürger und das Finanzsystem schaffen, die wir nicht vollständig verstehen, zum Beispiel durch unsere Interaktionen mit großen Daten und künstlicher Intelligenz. Ob der Sektor in Zukunft vorwiegend positiv weiterentwickelt wird, wird in hohem Maße davon abhängen, wie sich die Entscheidungsträger jetzt engagieren. „

Finance Watch empfiehlt, dass die EU eine aktive Rolle bei der Schaffung eines neuen einheitlichen Regulierungsrahmens für FinTech spielt und zunächst die Bereiche in den Mittelpunkt rückt, die den finanziellen Bedürfnissen der Gesellschaft am besten entsprechen:  Transaktionsdienstleister, Crowdfunding und Robo-Advisor. Ziel sei es, von Anfang an hohe Standards und Vertrauen in den Sektor aufzubauen. Das empfohlene Regelwerk könne damit allbekannte Ineffizienzen und Risiken der Banken vermeiden, indem

  • Ersparnisse in Richtung langfristige, nachhaltige Investments gelenkt werden könnten,
  • die Retailkunden vor Manipulation und Missbrauch geschützt würden,
  • personenbezogene Daten geschützt würden,
  • gemeinsame Standards offengelegt würden, so dass Plattformen miteinander verglichen werden könnten und
  • grenzüberschreitende Barrieren entfernt würden.

„Let’s embrace regulation“ – Wie Fintechs mit Regulierung umgehen

Nach meiner Einschätzung werden Fintech-Vertreter mit dieser Aufforderung zur Regulierung ganz anders umgehen als traditionelle Banken. Während letztere schnell und generell aufschreien, wenn das Thema zur Sprache kommt, haben Fintechs längst begriffen, dass sie besser fahren, wenn sie Politik und Aufsichtsbehörden zu ihren Verbündeten machen. Das war auch der Tenor von Richards Olsen’s Antwort diese Woche an der GDI Blockchain Valley Conference. Der Gründer u.a. von Lykke, einer mobilen Handelsplattform auf der Basis von Blockchain, meinte lakonisch auf die Frage nach dem Umgang mit Regulierung: „Let’s embrace regulation.“ Das klingt ungewöhnlich für ein Umfeld, das sich als libertär versteht.

Zumindest für die Schweizer Fintech-Szene, die ich einigermassen beurteilen kann, scheint diese friedliche Ko-Existenz mit den Regulierungsbehörden bereits zu funktionieren. Die hiesigen Fintech-Communities haben sich inzwischen sehr gut in Form von Verbänden organisiert (z.B. Swiss Finance Start-ups, Bitcoin Association Switzerland), um in Bern gezielt Lobbyarbeit zu betreiben. Mit wem auch immer ich rede, alle sind beispielsweise gegenüber der Finma positiv eingestellt. Manchmal heisst neue Regulierung nämlich auch, dass es keine Regulierung gibt, wie beispielsweise bei der Sandbox. Die Sandbox ist ein von der Finma geschaffenes, eng begrenztes „bewilligungsfreies Entwicklungsfeld für Finanzinnovatoren“, in denen seit letztem Jahr mit neuen Geschäftsmodellen experimentiert werden kann. Das kommt gut an.

Und eines darf man auch nicht vergessen: Für viele Fintechs bilden Melde- und Bewilligungspflichten der Banken gegenüber den Behörden und interne Compliance-Vorgaben überhaupt erst die Basis des eigenen Geschäftsmodells. Mit Regtech (kurz für „Regulatory Technology“) ist ein ganzer Subbereich von Fintechs entstanden, der von den komplexen Regulierungsanforderungen leben möchte. Honi soit qui mal y pense.

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 17.06.2017, Individualmitglied bei Finance Watch

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