Ein neues Label für Verbriefungen aus Brüssel. Geht das gut?

Diese Woche brachte SWR2 ein gutes Feature über die Pläne der Europäischen Kommission, alternative Finanzierungsquellen für kleine und mittlere Unternehmen zu schaffen. Die Kommission verspricht ein simples, standardisiertes und transparentes Verfahren, das auf Verbriefung setzt.

Barbara Eisenmann hat sich im Auftrag von SWR2 und DLF in Brüssel umgehört und nach den möglichen Risiken dieser Pläne gefragt. Denn Verbriefungen unterschiedlicher, nicht immer erstklassiger Kredite – das erinnert doch unmittelbar an die Finanzkrise von 2008. Die Journalistin hat dabei unter anderem auch mit Finance Watch gesprochen.

Hier gibt es das Feature zum Nachhören. Fast 55 Minuten, die sich lohnen. Der Audiobeitrag kann auch runtergeladen werden.

 

Barbara Bohr, @nachrichtenlos, 01. April 2017

 

Der Bankstil-Blog zieht um

Der Bankstil-Blog von Ralf Keuper, den ich gerne lese und oft retweete ist umgezogen. Neu ist er auf WordPress zu finden:  https://bankstil.blog/.

Ralf Keuper beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit der Digitalisierung der Banken, die stellvertretend für den Wandel des Sektors steht. Seine Beiträge sind immer wohlüberlegt und haben Tiefgang, ohne auszuufern.

Barbara Bohr, @nachrichtenlos, 29.03.2017

Out of touch: Steven Mnuchin und die Automatisierung

Wie viel wissen Banker und führende Politiker von der Realwirtschaft? Offensichtlich sehr wenig. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls, wenn man sich Steven Mnuchins unbekümmerte Einstellung zu den Folgen künstlicher Intelligenz auf die Beschäftigung anschaut. Der Mann ist frisch gebackener Finanzminister der Trump-Regierung und sollte als ehemaliger Chief Information Officer von Goldman Sachs (= Chef der IT!) Ahnung von der Sache haben. Als Mike Allen, Journalist von Axios, ihn im Interview nach eben diesen Konsequenzen fragte, lautete seine Antwort:

it’s not even on our radar screen…. 50-100 more years“ away. „I’m not worried at all“ about robots displacing humans in the near future, he said, adding: „In fact I’m optimistic.“

Natürlich sind die genauen Folgen von AI auf die Anzahl und Qualität zukünftiger Arbeitsplätze umstritten. Doch ist das Thema dermassen präsent in der derzeitigen wirtschaftspolitischen Diskussion – auch in den USA – , dass die vermeintliche Naivität von Mnuchins Antwort überrascht. SRF hat bereits 2015 angekündigt, dass jeder zweite Arbeitsplatz gefährdet sei. Im Finanzsektor, einer Branche, die er kennen sollte, droht durch die Digitalisierung ein Ertragsausfall von 30%. Mnuchin galt bisher als einer der weniger umstrittenen Minister Trumps, was angesichts der vielen Kontroversen in der Regierungsbildung jedoch nicht besonders viel heisst.Wie viele andere Goldman-Sachs-Alums geniesst Mnuchin den Ruf, weitsichtig und strategisch zu denken. Wie bereits sein Vater hat er jahrelang für die Wall-Street-Firma gearbeitet, bevor er ins Geschäft der Hedge Funds wechselte. Ausserdem hat er äusserst erfolgreiche Filme produziert. Hat das Hollywood-Engagement seinen Blick auf die Realität geblendet?

Twitter-User, vor allem  aus dem Sillicon Valley, reagierten erwartungsgemäss konsterniert und belustigt auf Mnuchins Bemerkung, wie z.B.  Benedict Evans von der VC-Firma Andreessen Horowitz:

 

Auch wenn man Steven Mnuchin zugutehält, dass er bei der Frage die Formen künstlicher Intelligenz, wie wir sie heute schon kennen, mit der sogenannten allgemeinen künstlichen Intelligenz (AGI) bzw. der Singularität verwechselt haben könnte, bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Und man kann sich darüber streiten, ob einfachere Varianten des Machine Learning schon als künstliche Intelligenz bezeichnet werden sollten. Als ehemaliger Chief Information Officer der weltweit bekanntesten Investmentbank sollte er die Unterscheidung kennen und bei einer unklar gestellten Frage nachhaken.

Noch nie war es so schwierig, dreiste Dummheit und „spin“ auseinanderzuhalten. Wie viel Ahnung haben diese reichen, bornierten Männer, die nun die Zukunft der USA gestalten sollen? „For the love of money“ scheinen sie sich um Kopf und Kragen zu reden, als ob sie jederzeit die Kamera abstellen und den Take wiederholen könnten.

 

Barbara Bohr, @nachrichtenlos, 25. März 2017

Start-ups zwingen Banken zum Wandel

 

Fintech ist die Abkürzung für Finanztechnologie und steht für die Digitalisierung des Bankgeschäfts. Immer mehr Technologie-Unternehmen wollen mit ihren Ideen den etablierten Finanzsektor gründlich umkrempeln. Wird es ihnen gelingen?

 

fintchtime-article-image

Weiterlesen…

Ethisch-ökologisch anlegen und vorsorgen

Die Verbraucherzentrale Bremen hat eine Broschüre über ethisch-ökologisches Anlegen und Vorsorgen herausgegeben. Zum einen wird einfach erklärt, was nachhaltiges Anlegen überhaupt bedeutet, welche Produkte es gibt und wie Kunden und Kundinnen die für sie passenden finden.

Das alles ist sehr informativ und wird leicht verständlich dargestellt. Letzteres liegt nicht nur an der einfachen Sprache, sondern auch an den zahlreichen Abbildungen. So ganz nebenbei lernt man ausserdem, wovon Banken eigentlich leben. Zielpublikum sind Menschen, die gerne bewusst nachhaltig anlegen möchten, ohne sich langwierig mit technischem Jargon auseinandersetzen zu müssen. Wirklich nett gemacht!

Gerade die Vorsorgethemen sind relativ stark auf Deutschland zugeschnitten, können aber auch durchaus auf die Schweiz übertragen werden.

235674A

Hier ist der Link zur Broschüre: http://bit.ly/VZBGeldanlagen

 

Barbara Bohr, @nachrichtenlos, 12. März 2017

 

Neuer Ethos Swiss Corporate Governance Index

Die Ethos Stiftung lanciert einen neuen Börsenindex, der Corporate-Governance-Themen bei Schweizer Unternehmen berücksichtigt. In Zusammenarbeit mit der Schweizer Börse (SIX Swiss Exchange) publiziert Ethos den Index « Ethos Swiss Corporate Governance
Index (ESCGI) », welcher zur Bestimmung der Gewichtung der Unternehmen innerhalb dieses Index die wesentlichen Kriterien einer Good Governance miteinbezieht. Es handelt sich um den ersten Index dieser Art an der Schweizer Börse.

Der neue Index bevorzugt Unternehmen, die sich an die Best-Practice-Grundsätze der Corporate Governance halten. Die Grundsätze zur Corporate Governance von Ethos dienen für allfällige Änderungen der Gewichtung von Unternehmen gegenüber
dem «Swiss Performance Index (SPI)» als Referenz. Für die Konstruktion des Index konnte Ethos auf die Kompetenzen von SIX Swiss Exchange zurückgreifen, was es Ethos nun erlaubt, den Investoren eine glaubwürdige und professionelle Alternative
zu den traditionellen Indizes zu bieten.

Mit dem neuen Index lassen sich die folgenden Ziele verfolgen:

  • Unternehmen mit ungenügender Corporate Governance können untergewichtet oder ausgeschlossen werden.
  • Unternehmen mit sehr hohen CO2-Emissionen werden untergewichtet.
  • Unternehmen, die schwerwiegende Kontroversen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance aufweisen, werden nicht übergewichtet.
  • Ebenso wird die Übergewichtung von Unternehmen, deren
    Indexgewicht bereits über 15% liegt, vermieden.
  • Alle anderen Unternehmen werden übergewichtet.

Ab 30. Januar 2017 wird der neue Index ESCGI als Referenz für den «Ethos – Equities CH indexed, Corporate Governance» verwendet. Dieser Fonds repliziert exakt den ESCGI und wird durch Pictet Asset Management verwaltet. Er verbindet die Vorteile der
indexierten Verwaltung bezüglich tieferer Kosten und integriert die Expertise von Ethos im Bereich der Corporate Governance. Ethos nimmt systematisch die Stimmrechte bei allen Titeln im Portfolio gemäss den eigenen Richtlinien wahr. Und das ist das Neue: Der Fonds soll auch für private Investoren geöffnet werden. Noch steht die FINMA-Bewilligung aus.

Die Informationen stammen aus der Pressemitteilung der Ethos-Stiftung. Und hier ist noch die Pressemitteilung der SIX in englischer Sprache

 

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 30.01.2017

 

 

Caspar Dohmen: Profitgier ohne Grenzen

Caspar Dohmen packt in seinem Buch “Profitgier ohne Grenzen” ein aktuell heisses Eisen an: Was passiert, wenn Arbeit nichts mehr wert ist und Menschenrechte auf der Strecke bleiben? Dabei schlägt der Journalist geographisch und sozial einen grossen Bogen: Er führt uns vom Schlachthaus in der deutschen Provinz über die digitalen Tagelöhnern der Gig Economy in den urbanen Zentren bis in die Textilfabriken Karachis. Gleichzeitig beleuchtet er die Thematik aus der Perspektive der relevanten Gruppen: der Konzerne, der Arbeitnehmer, der Gewerkschaften und der NGOs. Ausbeutung ist kein Problem armer Länder, sondern armer Leute – das ist die Schlussfolgerung aus den zahlreichen Beispielen, die Dohmen gründlich recherchiert hat. Manches davon kennt man, liest bei ihm aber dennoch weiter. Das liegt an seinem Stil, mit grossartigen Konversationen: Trotz grosser Reflektiertheit bleibt er seinem anschaulichen Erzählstil eines „Reporters vor Ort“ treu.

Er bleibt auch nicht bei der Beschreibung stehen, sondern gibt konkrete Empfehlungen, wie die Rechte der Arbeitnehmer global gestärkt werden können. So fordert er u.a. die Verpflichtung der Konzerne zur Einhaltung der Menschenrechte und sozialer Mindeststandards, stärkere Gewerkschaften und mehr linken Kapitalismus. Aber auch Überlegungen zum Grundeinkommen gehören dazu. Internationale Solidarität unter den Arbeitenden ist für Dohmen Teil der Lösung. Für andere dürfte genau darin das Problem liegen. Wer sich die heftigen protektionistischen Reaktionen u.a. in UK und den USA auf internationale Absprachen anschaut, wird zwangsläufig pessimistisch, wenn es um den Ruf nach internationaler Solidarität geht.

Bleibt zumindest auf Schweizer Seite die Hoffnung, dass sich die Konzernverantwortungsinitiative durchsetzt. Die globale Einhaltung der Menschenrechte durch die Konzerne ist eine der Grundforderungen des deutschen Journalisten. Er nimmt jedoch nicht explizit Bezug auf die Initiative. Kommt sie durch, werden zumindest Schweizer Konzerne weltweit die Menschenrechte einhalten müssen. Wohlstand für alle heisst das noch lange nicht. Aber es wäre immerhin ein erster Schritt. Das dürfte Dohmen gefallen. Er ist ein Mann pragmatischer Schritte, nicht radikaler Grossentwürfe.

Caspar Dohmen, Profitgier ohne Grenzen. Wenn Arbeit nichts mehr wert ist und Menschenrechte auf der Strecke bleiben. Köln: eichborn, 2016.

Barbara Bohr (@nachrichtenlos), 29.01.2017

%d Bloggern gefällt das: